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ErnteWort zum Sonntag, Westfalen Blatt, 17. August 2013

Den Erntenden Dank

Das Fest Erntedank gibt es schon. Es steht sogar in den meisten Kalendern angegeben. Gerade in den Kirchen findet sich dann eine wunderschöne Zusammenstellung der Erntegaben.

Es ist jedoch sinnvoll, ebenso an die Erntenden zu denken. Denn die Frauen und Männer, welche die Ernte einbringen, gehören nun einmal notwendig hinzu. Dabei ist es gar nicht selbstverständlich, dass sie dies überhaupt tun.

In den letzten Wochen wurden die Kirschen reif, ebenso die Himbeeren. Auch die Brombee-ren stehen zum Pflücken an, viele Pflaumen und andere Früchte sind schon so weit, ebenso die ersten Apfelsorten. Natürlich kann man sie auf den Märkten und in den Geschäften kau-fen. Aber gerade die Obstbäume und fruchttragenden Sträucher stehen auch in vielen Gärten. In Ostwestfalen ist fast überall sogar in den Städten noch Platz für Obstgehölz. Nur muss man es dann auch selbst abernten. Deshalb gibt es viele Menschen, die direkte Erfahrungen mit der Ernte haben.

Zu diesen Erfahrungen nun gehört es, dass die Früchte sich nicht selber pflücken. Ernte ist Arbeit. Das Ernten kann eine zeitaufwändige und anstrengende Arbeit sein. Denn es kommt ja auch noch die Verarbeitung hinzu. Direkt von der Hand in den Mund wandern immer nur die ersten Früchte. Dann aber beginnt die Reinigung, das Einfrieren, das Einkochen…
Genau deshalb bleiben viele Bäume ungeerntet. Mal reicht die Kraft nicht, mal fehlt die Zeit, mal fehlt auch die Achtung vor dem, was da wächst. Auf jeden Fall werden viele Bäume und Sträucher gar nicht geerntet, die Früchte fallen irgendwann zu Boden.
Nun zeigt diese Erfahrung zunächst einmal, in welch reichem Maße Gott in Wirklichkeit die Früchte wachsen lässt. Wir lassen sie zu Boden fallen und werden dennoch satt. Denn es gibt ja auch noch die Früchte, die man kaufen kann – und das dann sogar das ganze Jahr über wie-derum frisch.
Und doch ist Aufmerksamkeit für diejenigen angebracht, welche sich wirklich um die Ernte kümmern. Denn sie müssen dies in einer bestimmten Zeit des Jahres mit hohem Zeitaufwand tun. Vielen würde es nicht an Geld fehlen, den Rest des Jahres über Frisches zu kaufen. Aber es bewegt sie einfach die Achtung gegenüber den reifenden Früchten. Oftmals verschenken sie sogar Teile der Ernte an andere und bereiten so Freude. Manchmal bewegt sie auch schlicht die Verantwortung gegenüber den Pflanzen, die sie in ihrem Garten übernommen haben.
Jesus hat auch einmal das Bild von der reichen Ernte verwandt. Dann hat er gleich hinzu ge-sagt, dass es zu wenig Arbeiter gebe (Mt 9,37 ff). Er bezog es auf die Menschen, welche nicht von Gott angemessen erfahren würden, weil niemand sich um sie kümmert. Also geht es um die gleiche Ausgangslage: die Menschen sind da, sie haben innere Möglichkeiten, aber nie-mand hilft ihnen, sie wirklich zu nutzen. Die Ernte der menschlichen Möglichkeiten bleibt gewissermaßen auf dem Boden liegen, wenn keiner sie aufsammelt, reinigt, in haltbare Gefäße füllt…
Diejenigen verdienen Achtung, welche im Augenblick das Obst pflücken und verarbeiten – auch gerade jene, die dies ohne Lohn tun. Es könnten mehr sein, vieles Obst bleibt achtlos liegen. Ebenso verdienen diejenigen Achtung, die sich nicht nur um sich selbst, sondern um andere Menschen kümmern, insbesondere mit dem Blick auf Gott, der sowohl die Früchte wie die Menschen schuf und wunderbar ausstattete.

markusjacobs

 

 

 

 

DDr. Markus Jacobs
Pfarrer und Leiter des Pastoralverbundes Im Bielefelder Westen

Bildautor: © Irene Konrad
Bildquelle: www.pfarrbriefservice.de

 

...beschrebt Grundlegenden Haltungen sowie theologische und pastorale Leitmotive für die Entwicklung der Erzdiözese in den kommenden Jahren.

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