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17217 volcano 388145 by kirstentheborg cc0 pixabay pfarrbriefserviceWort zum Sonntag, Westfalen Blatt, 9. Dezember 2017

Wer kennt sie nicht, diese dunklen, scheinbar ausweglosen Stunden des Lebens?

 

Wer hätte nicht schon erfahren, wie schwer und niederdrückend das Leben sein kann? Die Sehnsucht wird dann groß, dass der dunkle Himmel endlich aufreißt und Licht durchscheint. Es gibt ein Adventslied, welches genau davon erzählt. Es ist kein Lied, das man auf unseren Weihnachtsmärkten hört. Vermutlich wird es auch kaum jemand zu Hause beim Plätzchenbacken vor sich hersummen. In diesem Lied gibt es kein jubelndes Öffnen der Tore, kein Aufreißen des Himmels. Nein, es ist von der Nacht die Rede, von Angst und Tränen aber auch vom Morgenstern, von Hoffnung und neuem Licht: „Die Nacht ist vorgedrungen, der Tag ist nicht mehr fern. So sei nun Lob gesungen, dem hellen Morgenstern. Auch wer zur Nacht geweinet, der stimme froh mit ein. Der Morgenstern bescheinet auch deine Angst und Pein.“ Das ist Advent vor 75 Jahren. Es ist dunkel in Deutschland. Eine braune Nacht hat sich ausgebreitet und treibt ihr menschenverachtendes Unwesen. Die Nationalsozialisten bringen Not und Elend in das Leben unzähliger Menschen. Davon betroffen ist auch der Theologe, Journalist und Dichter Jochen Klepper. Er hat die Zeilen dieses Liedes geschrieben. Klepper ist mit einer Jüdin verheiratet. Als Witwe hatte sie zwei Kinder in die Ehe mitgebracht. In den Augen der Nazis eine „Mischehe“. Sie sollen „zwangsgeschieden“ werden. Als Ende 1942 die Ausreise der jüngeren Tochter ins rettende Ausland scheitert, droht sowohl ihr als auch ihrer Mutter die Deportation. Die Situation scheint aussichtslos. Am 10. Dezember 1942 öffnen Jochen Klepper, seine Frau Hanni und deren Tochter Renate die Gashähne des Küchenherdes. Am nächsten Morgen findet die Haushälterin die drei Toten. Jochen Kleppers letzte Tagebucheintragung lautet: „Wir sterben nun – ach, auch das steht bei Gott – wir gehen heute Nacht gemeinsam in den Tod. Über uns steht in den letzten Stunden das Bild des segnenden Christus, der um uns ringt. In dessen Anblick endet unser Leben.“ Die Nacht schwindet. Das Weinen wird enden. Der Retter kommt. Aber noch warten wir. Noch müssen wir in der Liebe und im Frieden wachsen. Noch ist Advent.

Ihr
Hans-Jürgen Kötemann,
Krankenhauspfarrer im Franziskus Hospital, Bielefeld

 

Hans-Jürgen Kötemann

 

 



 

 

 

Bildquelle: Pfarrbriefservice.de© Kirsten ter Borg, cc0 / gemeinfrei, Quelle: pixabay.com

 

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