Das Dekanatsbüro Bielefeld-Lippe finden Sie im ersten Stock des Klosters St. Jodokus in Bielefeld am Klosterplatz.
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Kennen Sie das? Im Nebeneinander zu leben. Man versteht sich mit dem Nachbarn oder dem Arbeitskollegen nicht und deswegen möchte man auch gar nichts mit dem anderen zu tun haben.

0932 schoen dass du bist by peter weidemann pfarrbriefserviceInteressanterweise kommt solch ein Nebeneinander nicht nur bei den Menschen vor, die man nicht mag, sondern auch bei denjenigen, von denen man sagen würde: „Ja, ihn oder sie mag ich sehr!“ Vielleicht erinnern Sie sich an ein Gespräch mit einem Freund oder einer Freundin über Erlebnisse, die Sie im letzten Urlaub gemacht haben. Situationen, über die Sie sich richtig gefreut haben. Sie fangen an, zu erzählen. 30 Sekunden lang geht es gut! Dann kommen Sätze, wie: „Ja, genau, das habe ich auch so erlebt!“ und dieser Freund oder diese Freundin fängt dann an, die eigene Geschichte zu erzählen. Ich frage Sie: Findet bei diesem Gespräch eine Begegnung statt? Nimmt er oder sie auch nur eine Sekunde lang die Freude wahr, die in Ihnen ist? Nein, es ist vielmehr ein Nebeneinander, bei einem scheinbaren Miteinander. Ähnliches erfahre ich bei mir selbst, wenn ich folgende Sätze des Apostels Paulus höre: „Du sollst nicht die Ehe brechen, du sollst nicht töten, du sollst nicht stehlen, du sollst nicht begehren! und alle anderen Gebote sind in dem einen Satz zusammengefasst: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.“
Wenn ich diese Sätze höre, geht es mir schnell so, dass ich „getriggert“ werde, zu tun, zu tun, zu tun …
Ich schaue auf mich und setze mich selbst unter Druck, diese Gebote erfüllen zu müssen. Ich bekomme eine Art Tunnelblick und verliere dadurch die Weite für das, was Paulus noch Wesentliches und Wichtiges in seinem Brief geschrieben hat: „Wer den anderen liebt, hat damit das (ganze) Gesetz erfüllt!“ Aber auch jetzt entsteht ein spürbarer Druck in mir, zu tun, zu tun, und zwar jetzt zu lieben, und ich merke, wie dieser „Aktions-Modus“ mir den Blick auf denjenigen versperrt, der mir diese Liebe schenken kann und es auch möchte: Gott selbst, der Liebe ist! Gott, der jedes Neben-einander, in ein gutes Miteinander verwandeln möchte!  Er wünscht sich so sehr eine enge Beziehung zu uns. Er möchte hören, was wir auf dem Herzen haben. Er lässt uns ausreden und hört unsere Freuden und unseren Schmerz. Er steht uns bei, mit seiner Liebe und Kraft. Er kann das Nebeneinander in ein Miteinander verwandeln!
Glauben Sie das?
Einen gesegneten Sonntag wünscht Ihnen, Markus Hanke, Kath. Seelsorger in der JVA  Bielefeld-Brackwede
 

Wort zum Sonntag, Westfalen Blatt, 19. September 2020

Bildquelle: Pfarrbriefservice © Peter Weidemann

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