Pilgern mit PS: Zündfunke in einer Kapelle

Am Anfang stand eine Idee: Pilgern in der Gruppe – auf dem Motorrad und mit spirituellen Erfahrungen im Gepäck. Das dekanatsübergreifende Projekt „Pilgern mit PS“ macht es seit 2010 möglich. Innerhalb weniger Jahren entwickelte sich die Initiative mit großer Eigendynamik zur Erfolgsgeschichte. Dies wird auch darin deutlich, dass immer mehr Ehrenamtliche sich zu Tourbegleitern ausbilden lassen und die Verantwortlichen unterstützen.

Die drei Dekanatsreferenten Peter Pütz (Dekanat Bielefeld-Lippe), Wolfgang Koch (Dekanat Hellweg) und Thomas Meer (Dekanat Lippstadt-Rüthen) hatten die Idee zu dem Projekt, das seit 2010 beständig gewachsen ist.

Die Fahrten werden jedes Jahr Anfang Dezember auf der Homepage www.pilgern-mit-ps.de angekündigt. Innerhalb einer Woche sind manche Fahrten schon ausgebucht, andere brauchen etwas länger. Dabei sind unter den Interessenten längst nicht nur „Wiederholungstäter“, die die Touren von „Pilgern mit PS“ aus eigener Erfahrung bereits kennen und schätzen gelernt haben. Viele der Teilnehmer melden sich auch zum ersten Mal an. „Wir liefern im Grunde ein fertiges Konzept, in das sich die Teilnehmer einfach einklinken können. Wenn sich Motorradgruppen untereinander selbst organisiert zusammentun, müssen die Teilnehmer die  Rahmenbedingungen vollständig selber regeln. Bei uns kommen sie in eine Gruppe, in der bereits alles geregelt ist und in der sie sich auf das Wesentliche konzentrieren können“, erklärt Thomas Mehr.

Worin liegt das Wesentliche von „Pilgern mit PS“? Im Grunde geht es um ein „Er-fahren“ im doppelten Sinn: um das äußere Fahren auf schönen Wegen durch reizvolle Landschaften und gleichzeitig um die innere Erfahrung, dabei auf diesem Weg auch Gott und sich selbst ein Stück näher zu kommen. Jeder ist willkommen – unabhängig von Glaube oder Konfession. Das Leitwort des Projekts bringt dessen Anspruch auf den Punkt: „Pilgern mit PS – Neue Erfahrungen für Gashand, Geist und Seele.“ Ein weiterer Aspekt ist charakteristisch für das Motorrad-Pilgern: „Motorradfahren birgt letztlich immer ein Risiko und wird damit  zur existenziellen Erfahrung. Daraus erwächst natürlich gerade bei einer Motorradwallfahrt die Bitte um Schutz, die Hoffnung, dass Gott, vielleicht in Form eines Schutzengels, auf dem Beifahrersitz immer mitfährt“, so Wolfgang Koch.

200 bis 350 Kilometer legen die Motorrad-Pilger im Schnitt täglich zurück. Dabei wird darauf geachtet, dass Autobahnstücke weitgehend gemieden werden und dafür viele Kurven auf kleinen Landschaften das Fahrerlebnis prägen – die Voraussetzung für „Exerzitien“ auf dem Motorradsattel. Wolfgang Koch: „Unsere Fahrten sind besondere pastorale Gelegenheiten an gleich mehreren Orten, wobei der Motorradsattel selbst der pastorale Ort ist, an dem die Teilnehmer für sich alleine sind und Dinge für sich bedenken können.“ Peter Pütz ergänzt: „Der wesentliche Aspekt bei unseren Fahrten ist die Erfahrung, miteinander unterwegs zu sein und aufeinander Acht zu geben, für den anderen Verantwortung zu übernehmen und sich so als Weggemeinschaft zu erfahren, die für eine Zeit lang ihr Leben miteinander teilt.“

Wie sieht der Alltag dieser „Weggemeinschaft auf Zeit“ konkret aus? Die Fahrer starten jeden Tag in drei Fahrgruppen. Das Etappenziel ist jeweils festgelegt. Die Route bis zu diesem Ziel, den Fahrtablauf und die Pausen plant die Fahrgruppe jeweils individuell. Ein spiritueller Impuls, der sogenannte „Zündfunke“, liefert vor Fahrtantritt in der Gesamtgruppe die Fragestellung für den Tag, der jeden Fahrer während der Tages-Tour gedanklich leitet – unter den Eindrücken der durchfahrenen Landschaft und Erlebnisse. Während der Pausen kommen die Kleingruppen im besten Sinne des Wortes über Gott und die Welt ins Gespräch. Am jeweiligen Etappenziel angekommen werden die Eindrücke des Tages in der „Nachtickerrunde“ in der Großgruppe gemeinsam reflektiert. Ein ganz persönlicher Begleiter während der Tour ist das von den Veranstaltern zusammengestellte „Roadbook der Seele“: Es vereint Gebete, Texte und Lieder – gleichsam der Pilger-Leitfaden, der sich durch die Touren zieht.

Die Motorrad-Pilger haben für ihr Projekt ein aussagekräftiges Symbol ausgesucht: Es handelt sich um ein aus ihren Helmen gebildetes Kreuz. Jeden Morgen wird es zum Zündfunken aus allen Helmen zusammengelegt. Als stilisiertes Symbol und Logo ziert es auch die „Dienstkleidung“ der drei Projektverantwortlichen.

Pilgern mit PS Impuls: AuftankenDa das Interesse an ihrem Angebot in kürzester Zeit so gestiegen ist, freuen sich Wolfgang Koch, Peter Pütz und Thomas Mehr, dass sie inzwischen immer mehr Mitstreiter bekommen, die sich zum ehrenamtlichen Tour-Guide ausbilden lassen. „Das ermöglicht uns, unser Fahrtenangebot auszuweiten. Und das Engagement der Ehrenamtlichen versteht sich nicht von selbst: Sie investieren nicht nur selber Geld in diese Ausbildung, sondern auch freie Wochenenden, um zu lernen, wie man bei einer spirituell motivierten Motorradreise eine Gruppe leitet“, erläutert Peter Pütz. In der ersten Ausbildungsrunde waren zehn Ehrenamtliche dabei, die ihre Ausbildung inzwischen beendet haben. Weitere neun Ehrenamtliche befinden sich gerade in der Ausbildung, die von den drei Projektverantwortlichen vorgenommen wird. Die Ausbildung umfasst die drei Säulen „Organisation“, „Gruppenpädagogik“ und „Spiritualität“. „Gerade der letzte Punkt ist für unser Konzept wichtig, weil eine Verbindung zwischen dem Evangelium und der Lebenswirklichkeit der Teilnehmer geschaffen werden soll“, so Peter Pütz.

So ist es denn bei jeder Tour auch die größte Herausforderung, einen roten Faden für die geistliche Gestaltung zu schaffen. „Es geht darum, sprachfähig im eigenen Glauben zu werden. Dazu gehören in der Ausbildung auch Grundlagen zu den Fragen ‚Wie führe ich Gespräche?', ‘Wie bringe ich Leute ins Gespräch miteinander‘? “, erklärt Thomas Mehr. Die Ausbildung wird an zwei Wochenenden theoretisch durchgeführt. Der „Praxistext“ erfolgt dann in der Teilnahme als Co-Leiter an einer Tour. Im Anschluss gibt es ein Zertifikat. „Die Fahrt zum Katholikentag wird erstmals alleine unter ehrenamtlicher Leitung stehen“, unterstreicht Wolfgang Koch nicht ohne Stolz, dass das Projekt „Pilgern mit PS“ ans „Laufen gekommen“ ist, auch ohne dass die Projektverantwortlichen bei jeder Tour dabei sind. Thomas Mehr: „Anfangs war für uns gar nicht absehbar, was aus diesem Projekt werden würde. Wir haben einfach angefangen, aber damals nicht im Traum daran gedacht, was daraus werden kann.“

Das Sich-aufeinander-Einlassen ist der Kern des Projekts. Wolfgang Koch, Peter Pütz und Thomas Mehr machen dies abschließend an einem Beispiel deutlich: „Teilweise kommen wir auf unseren Touren durch Orte, beispielsweise in Ostdeutschland, die einzelne Mitfahrer aus ihrer eigenen Biografie kennen. Da heißt es dann schnell: ‚Diesen Berg dort würde ich euch gerne einmal zeigen‘. Und die Gruppe lässt sich darauf ein und sieht so Orte, die wir sonst nie besucht hätten. So entstehen wertvolle Momente, die kein Tourenplan vorhersagen kann. So etwas lässt sich nicht planen oder machen, das sind auch für uns Geschenke.“, sind sich die drei Projektverantwortlichen einig.

Die Internetseite www.pilgern-mit-ps.de informiert über das Projekt, Teilnehmerstände und das Fahrtenprogramm.

Text: Presse- und Informationsstelle, Erzbischöfliches Generalvikariat

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Ansprechpartner

Peter Pütz
Peter Pütz
Dekanatsreferent
Klosterplatz 3 33602 Bielefeld
0521.16398202
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