Danke

breadWort zum Sonntag, 6.10.2012, WB

Ein englischer Journalist soll einmal folgendes getestet haben: Er kaufte ein großes Brot, stellte sich damit an belebte Straßenecken verschiedener Städte und forderte die Passanten auf, für dieses Brot eine Stunde lang zu arbeiten.

In Hamburg  soll er dafür ausgelacht und in New York von der Polizei festgenommen worden sein.  Im afrikanischen Nigeria sollen mehrere Personen spontan bereit gewesen sein, für dieses Brot drei Stunden zu arbeiten, im indischen Neu Delhi  hätten sich sogleich mehrere hundert Menschen angesammelt, die alle für dieses Brot einen ganzen Tag arbeiten wollten.
Natürlich: Wo die Not am größten ist, ist das Brot mehr wert.
In diesen Tagen des Erntedankfestes (übrigens seit jeher in verschiedenen Ländern und Kulturen), schauen wir auf das, was uns zum Leben gegeben ist und vor allem auf den, der es uns schenkt.
Nur, wir nehmen die gewohnten Güter allzu gerne als selbstverständlich, weniger als geschenkt hin. Deshalb scheint immer noch zu gelten:
Das schwerste Wort heißt nicht Popocatepetl wie der Berg in Mexiko
und nicht Chichicastenago wie der Ort in Guatemala.
Das schwerste Wort heißt für viele: Danke
Denn bedanken tun wir uns üblicherweise nur für die nicht-alltäglichen Geschenke oder Hilfeleistungen.
Aber ist es wirklich selbstverständlich, dass wir jeden Tag über 10.000 Liter Luft atmen, dass 206 Knochen unserm Körper Stabilität geben, dass wir durch ständige Regeneration im Leben etwa 12 Skelette produzieren, dass wir durchschnittlich 100 000 Haare auf dem Kopf haben, die zusammen täglich um 30m wachsen, dass unser Gehirn leistungsfähiger ist als jeder Computer der Welt, weil es zig Vorgänge gleichzeitig steuern muss, selbst wenn wir schlafen?

Wir schätzen das Gewohnte erst dann, wenn es nicht mehr reibungslos verläuft: wenn wir krank werden, uns Job oder Wohnung gekündigt wird, die Beziehung zerbricht oder auch nur das Auto nicht mehr fährt und der Alltag gestört ist. Dann ist schon „Holland in Not“, und der liebe Gott ist als dringender Nothelfer gefragt.
Festzustellen, dass eigentlich gar nichts selbstverständlich ist und dass wir nicht alles, was zerbrochen ist, nebenan im Laden neu kaufen können, lehrt uns zu staunen, zu danken und es stets neu zu erbitten. Aus einem „Gebet um alles, was selbstverständlich ist“ von Huub Oosterhuis stammen die folgenden Zeilen:

Lasst uns beten und unaufhörlich bitten:
Um alles, was wir von Herzen wünschen,
um alles, was wir zu brauchen meinen, bitten wir Gott, er wolle es uns geben. Um Brot auf dem Tisch, jeden Tag,
um Speise und Trank, um Kleidung für den Leib,
um gute Gesundheit, um einen sicheren Weg,
um ein bewohnbares Haus für jeden Menschen.

evamarianolteLasst uns beten um das Licht unserer Augen,
um die Luft, die wir atmen,
um die Stimme, mit der wir sprechen,
um Sonne und Regen zu seiner Zeit,
um die Keimkraft der Natur.
Lasst uns beten um all die selbstverständlichen Dinge,
die uns immer wieder gegeben werden von Gott, unserm Schöpfer und Vater.

Eva-Maria Nolte, Gemeindereferentin im Pastoralverbund Bielefeld Mitte-Ost

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