Ferien- und Urlaubszeit

UrlaubszeitWort zum Sonntag, Westfalen Blatt, 4.8.2012

"Kommt und ruht ein wenig aus"

Viele von uns haben in diesen Wochen freie Zeit. Ferien und Urlaub schenken die Möglichkeit, still zu werden und sich selbst neu zu sehen. Im Alltag bleibt hierfür oft keine Zeit.

 Wir klagen über Hektik und Stress, über die ständig wachsenden Anforderungen, die gestellt werden. Viele klagen, dass sie getrieben, dass sie „gelebt“ werden und nicht mehr selbst leben. Dieses Gefordertsein bringt oft Ärger hervor, und wir möchten am liebsten davonlaufen. Oft sind unsere Gedanken gar nicht mehr bei dem, was wir gerade erledigen, sondern bereits beim nächsten und übernächsten Tag.

Deshalb brauchen wir Zeiten der Ruhe und der Stille, um wieder zu uns zu finden, um Kraft zu schöpfen. Diese Zeiten der Ruhe und Stille sind nötig, um auch unsere Beziehungen zu überdenken: die Beziehung zu Gott, zum Nächsten und zu uns selbst. Wenn wir uns diese Zeit nicht gönnen, leben wir im Alltag am Leben vorbei.

Die Urlaubs- und Ferienzeit schenkt uns die Möglichkeit, unser Leben neu zu bereichern. Vielleicht wandern wir auf einen Berg, machen Spaziergänge durch den Wald oder fahren an die See. Wo auch immer wir sind, wir sollten auch wirklich Stille suchen, nicht gleich wieder fortstürzen, um etwas „machen zu wollen“. Wir sollten bewusst nichts tun, ruhig werden.

In dieser Stille stellen wir uns dann die Frage: „Wie sieht mein Verhältnis zu Gott aus? Wann bete ich? Bin ich ihm im Alltag ausgewichen und habe mir für Gott keine Zeit genommen? War nicht alles andere wichtiger als fünf Minuten guter Zeit für ihn?“

Wir Menschen sind im Tiefsten auf Gott hin angelegt. Von ihm kommen wir, auf ihn gehen wir zu. Stille Zeit, bewusst mit Gott gestaltet, kann uns diese tiefste Dimension des Lebens wieder aufzeigen und somit unserem Leben ein neues Fundament geben. Freie Zeit ist auch die Möglichkeit, die Beziehung zum Nächsten neu zu bedenken: die Beziehung zum Partner, zu den Kindern, zu Arbeitskollegen, zu Nachbarn und Freunden. Weil kein Mensch ohne den andern leben kann, brauchen wir gute Freunde und gute Bindungen untereinander. In der Hetze des Alltags werden diese Beziehungen oft stumpf, leiden unter der fehlenden Zeit, sind gestört, sterben ab, vielleicht auch, weil ein unbedachtes Wort einen Schatten auf das gute Miteinander geworfen hat. Wir finden näher zu uns selbst, wenn wir alle Beziehungen durchdenken, dort neu ordnen, wo es nötig ist, einen neuen Anfang setzen, die Hand reichen, aufeinander zugehen. Vielleicht erkennen wir auch den Menschen, der einen Teil meiner Zeit, der mich braucht.

Freie Zeit ist daher auch eine wichtige Zeit, über folgende Fragen nachzudenken: “Wer bin ich, wie bin ich? Wo muss ich an mir arbeiten, wo muss etwas anders werden?“

Es kann sehr heilsam sein, wenn man sich zunächst einmal ehrlich eingesteht, wie man wirklich ist, was tatsächlich von einem ausgeht und was man selbst in den Umgang mit den Mitmenschen einbringt. Ich denke, wer bereit ist, sich zu ändern, dessen Leben wird zufriedener und froher in neuen Bahnen laufen.

Die drei Erfahrungen, in denen wir uns selbst sehen können, sind: unsere Beziehungen zu Gott, zum Nächsten und zu uns selbst.

Kein Mensch kann immer nur arbeiten. Jedes Leben braucht, um lebendig und gut zu bleiben, Zeiten der Ruhe und der Erholung. Wir können nicht Hetze und Stress aus der Welt verdrängen; aber wir können uns ändern, indem wir Phasen der Ruhe und Stille in unseren Alltag einplanen. Urlaub und Ferienzeit können somit Neubeginn sein. Dieser Neubeginn durchzieht für viele Monate unseren Alltag, verleiht uns Kraft, macht uns stark.

In einer Werbeschrift für ein Einkehrhaus steht folgendes:

„Kommt und ruht ein wenig aus“ (Mk 6,31)

Innehalten, ausruhen, auftanken, zu sich finden.

Zum Wesentlichen finden.josefholtkotte

Zu Gott finden. 

Diese Werbeschrift könnte ein Motto für die Ferien- und Urlaubszeit sein.

Vielleicht sogar ein Leitfaden für unser ganzes Leben.

Josef Holtkotte
Leiter des Pastoralverbundes Bielefeld-Mitte

Bildautor: Johannes Simon
Bildquelle: www.pfarrbriefservice.de


Drucken E-Mail

Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Einige von ihnen sind essenziell für den Betrieb der Seite, während andere uns helfen, diese Website und die Nutzererfahrung zu verbessern (Tracking Cookies).

Sie können selbst entscheiden, ob Sie die Cookies zulassen möchten. Bitte beachten Sie, dass bei einer Ablehnung womöglich nicht mehr alle Funktionalitäten der Seite zur Verfügung stehen.