Botschafter

Wort zum Sonntag, 14.7.2012, WB

"Um berufen zu sein, muss man wahrlich nicht vollkommen sein - aber vollkommen erfüllt."

Gespräch

Will man heutzutage etwas möglichst schnell bekannt machen, Wahrheiten oder Unwahrheiten, Notwendiges oder Überflüssiges, so postet man es bei Facebook oder Twitter – und schon weiß es die halbe Welt. Nachrichten werden fast wie mit Lichtgeschwindigkeit verbreitet. Wozu braucht es da noch Gesandte, die Botschaften persönlich übermitteln?

2000 Jahre zurück im Land Jesu könnten wir Zeugen werden, wie Jesus seine 12 Apostel aussandte und damit für die Vervielfältigung seiner frohen Botschaft sorgte. An diesem Sonntag hören wir in unsern katholischen Kirchen genau diese Schriftstelle von der Aussendung der Zwölf. Selbst mit den Möglichkeiten moderner Medien hätte Jesus – so würde ich wetten – seine engsten Mitarbeiter persönlich ausgesendet, um sein Evangelium zu verbreiten. Fragen Sie sich doch einmal, wodurch oder besser durch wen Sie sich  schon einmal haben für etwas richtig begeistern lassen. Sicher durch einen persönlichen Kontakt – von Angesicht zu Angesicht?!

Jesus holt also seine Zwölf zu sich, stattet sie mit Vollmacht aus, an verschiedenen Orten in seinem Namen zu wirken, weist sie noch mal ganz genau ein für den Fall A, wenn sie von den Leuten freundlich  aufgenommen oder Fall B, wenn sie gleich rausgeschmissen werden, auch was mitzunehmen und was besser zuhause zu lassen sei. Und zur gegenseitigen Stärkung sollen sie nie alleine gehen. Bevor es losgeht, coached der Meister seine Schüler (fast wie beim Briefing der Fußballmannschaft  durch den Trainer kurz vor dem EM-Spiel). Manche Künstler haben diese Szene im Gemälde festgehalten, so auch der Italiener Duccio di Buoninsegna in der Zeit um 1300. Sein Gemälde ist betitelt „Die Aussendung der zwölf Apostel“, zeigt aber tatsächlich nur  elf. Wie kommt das? Hat der Maler sich verzählt?  Oder hat er sich etwa angemaßt, einen der zwölf auszuschließen, gar vorsorglich, weil derjenige sich im Nachhinein nicht als würdig erwiesen hat? Könnte es Judas sein, von dem der Künstler angenommen hat, dass Jesus ihn nicht hätte mit beauftragt, wenn er vorher gewusst hätte, dass der ihn verraten würde? Aber ist der Sohn Gottes nicht allwissend? Hätte er nicht längst wissen müssen, dass im Judas der Verräter steckte? Und wenn er es denn zumindest ahnte, warum wurde dann ausgerechnet der zu einem seiner zwölf Auserwählten berufen? Oder doch gerade der, weil Jesus auch die Unvollkommenen senden will? Und weil jeder mit seinem unverwechselbaren Charme, seiner Leidenschaft und eben auch mit seinen persönlichen Ecken und Kanten seinen Teil der frohen Botschaft weiterzugeben vermag?

Spinnen wir noch weiter. Anzunehmen ist, dass Jesus wenigstens eine Ahnung davon hatte, was in Judas vorging, denn hätte er sonst beim letzten Abendmahl gesagt: „Der, der die Hand mit mir in die Schüssel getaucht hat, wird mich verraten“? Aber wie konnte er mit diesem dann noch Abendmahl feiern – so denken wir. Doch er hat es getan. Und wenn wir heute manchmal fragen und meinen entscheiden zu müssen, wer den würdig sei, das Abendmahl, die Kommunion mitzufeiern, sollte uns das zu denken geben.

Zumindest war Judas in den Augen Jesu nicht so unwürdig, dass er nicht hätte an seinem Leib und Blut teilhaben dürfen. Hoffte Jesus vielleicht sogar, den Judas mit dem Mahl noch umstimmen und im Herzen heilen zu können? Heilen war ja das, was Jesus wollte, denn „nicht die Gesunden brauchen den Arzt,…“ Zum Heilen sandte er auch die Apostel aus, zu heilen die Menschen mit all dem, was an ihnen krank ist, innen und außen.

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Auf jeden Fall dürfte klar geworden sein, dass Jesus niemals vorhatte, Menschen zu senden, die – Marionetten gleich – planmäßig funktionierten. Er hat Menschen mit Zweifeln, Ängsten und auch mit Dickkopf berufen, Männer, die es nicht mal schafften, eine Stunde mit Jesus wachzubleiben als er Todesängste ausstand, die aber durchaus später für ihn ins Gefängnis gingen. Unverwechselbare und starke Charaktere eben. Um berufen zu sein, die frohe Botschaft Jesu zu verkünden, muss man wahrlich nicht vollkommen sein – aber vollkommen erfüllt. Dann läuft der Mund über von dem, wovon das Herz voll ist.

Bildautor: Katharina Ebel
Bildquelle: www.pfarrbriefservice.de

Eva-Maria Nolte, Gemeindereferentin im Pastoralverbund Bielefeld Mitte-Ost

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