Sieben Wochen Ostern feiern

Licht PfingstenWort zum Sonntag, Westfalen Blatt, 28.4.2013

Sieben Wochen Ostern feiern

Sieben Wochen Ostern feiern! Die Osterzeit dauert noch bis Pfingsten an. Ist das nicht ein wenig lang? Ich glaube nicht. Denn nicht Weihnachten ist das größte Fest im Jahr, wie viele meinen: Ostern ist es. Und das hat seinen Grund.

„Wenn aber Christus nicht auferweckt worden ist, dann ist euer Glaube nutzlos“, schreibt Paulus den Korinthern (1Kor 15,17). Alles entscheidet sich an Ostern: entweder alles oder nichts. „Sein oder Nicht-Sein, das ist hier die Frage“ (Shakespeare)
Und das gilt auch für das, was uns nach dem Tod, der für keinen von uns ausbleiben wird, noch ins Haus steht. Man kann diese existentielle Frage auch so beantworten wie ein bekannter Modeschöpfer: „Vor mir war nichts und nach mir wird nichts mehr sein“, oder wie der Philosoph und Schriftsteller Günther Anders: „Es ist wohl so weit. Soll also, was Millionen von Wesen zugestoßen ist und momentan zustößt, auch mir zustoßen. Bitte schön. Bin weder ängstlich … noch neugierig. Es wird nichts als nichts sein.“ Günther Anders ist lebenssatt und von Erfolg gekrönt gestorben. Das reichte ihm für sein Leben. Mehr Erwartungen hatte er nicht. Aber da gibt es ganz andere: Die Menschen, die früh aus dem Leben scheiden müssen, die Krebskranken, die an Hunger Sterbenden, die Flüchtlinge, die, die am Leben scheitern, alle die nur Dunkelheit erleben. Denen soll ich sagen, das es nichts mehr außer dem Karfreitag, den sie in ihrem ganzen Leben schon erleben, gibt – und keine Ostern mehr?
Nein christlicher Glaube ist anders, weil er von einem Gott erzählt, der sich nicht abfindet mit dem Leid und dem Tod. „Ich habe das Elend meines Volkes in Ägypten gesehen, und ihr lautes Klage über ihre Antreiber habe ich gehört. Ich kenne ihr Leid. Ich bin herabgestiegen, um sie der Hand der Ägypter zu entreißen …“ (Ex 3,7). So ist Gott! Er steigt herab.

Maria besingt ihn in ihrem Lied: „Er vollbringt mit seinem Arm machtvolle Taten. Er zerstreut, die im Herzen voll Hochmut sind. Er stürzt die Mächtigen vom Thorn und erhöht die Niedrigen. Die Hungernden beschenkt er mit seinen Gaben. Und lässt die Reichen leer ausgehen“ (Lk 51-53).
Maria singt auch davon, dass er das Niedrige sieht und sie, eine einfache junge Frau aus dem unbedeutenden Ort Nazareth auswählt, Mutter seines Sohnes zu werden. Und dieser Sohn wurde gesandt, weil Gott ein Gott ist, der das Leid nicht übersieht, sondern herabsteigt mitten in das Elend der Menschen. Diesen Weg ging er bis zum Ende: „Er erniedrigte sich und war gehorsam bis zum Tod, bis zum Tod am Kreuz.“ (Phil 2,8)

Doch diese Geschichte war noch nicht zu Ende – und davon erzählt Ostern: „Darum hat Gott ihn über alle erhöht und ihm den Namen verliehen, der größer ist als alle Namen … (Phil 2,9).

Ostern ist, weil Jesus von den Toten auferweckt ist, die Wende vom Tod zum Leben, und zwar nicht allein für ihn, sondern vor allem für uns. Die Osterkerze hat ihre eigene Symbolik. Auf ihr ist ein Kreuz abgebildet und die fünf Wundnägel bezeichnen die Wunden. An seine Wunden wird auch der Auferstandene erkannt. Es sind unsere Wunden und es ist unser Leid, das er auf sich genommen und verwandelt hat. Er hat sein Blut vergossen „für euch und für alle“, damit wir leben. In einer Kirche im Nicaragua der 1980er Jahre brannten auf dem Boden des Mittelganges zwanzig Kerzen, die für Menschen standen, die entführt worden waren. Während der Messe riefen Frauen die Namen der Verschwundenen auf, und die Gemeinde antwortet jeweils: „Presente“ – gegenwärtig“

Ja – so ist das mit Ostern: Wir sind von Gott beim Namen gerufen und vom Tod zum Leben. „Ich habe dich bei deinem Namen gerufen“, spricht Gott der Herr (Jes 43,1).

Ostern beantwortet unser Glaube die existentielle Frage, was mit uns ist: Nicht nichts, sondern alles.
Das sollten wir fünfzig Tage feiern, damit es auch in unserem Alltag übergeht.

 

 

Klaus Fussy
Dechant und Leiter des Pastoralverbundes Schildesche-Jöllenbeck

Bildautor: © Bistum Aachen - Jürgen Damen
Bildquelle: www.pfarrbriefservice.de

 

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