Glaube

GlaubeWort zum Sonntag, 28.4.2012, WB


Wir sind in der Osterzeit. Als Christen haben wir das wichtigste Fest unseres Glaubens gefeiert: OSTERN –Auferstehung unseres Herrn Jesus Christus. Wie sehr verbindet uns der Glaube an die Auferstehung? Was sind unsere gemeinsamen Überzeugungen? Was sind Linien, die Gemeinsamkeit stärken? Was sind Fundamente, auf denen wir aufbauen?

Wir glauben: Jesus lebt. Mitten unter uns. Er ist auferstanden. Die Evangelien stellen uns diesen Auferstandenen als denjenigen vor, der uns aufträgt, einander zu lieben, der uns dieses Liebesgebot vorgelebt hat.

Ist das eine gemeinsame Überzeugung? Erfüllt uns die frohe Botschaft als Schwestern und Brüder? Wir beklagen den Glaubensverlust in uns, in unseren Familien. Woran liegt das? Wir beklagen zunehmende Rohheit und Gewalt unter uns. Wir beklagen fehlende Formen des Miteinanders. Wir beklagen den Verlust gemeinsamer Werte. Wir beklagen das Fehlen von Orientierungspunkten.

Kann unser Glaube, der immer Osterglaube ist, hier Brücken bauen? Menschen, die an einen Gott glauben, der sie liebt, der ihnen zum Gelingen des Lebens helfen will – und so verstehe ich Gott – müssten doch friedvoller miteinander umgehen. Solche Menschen müssten doch wissen, worauf es ankommt. Das Recht des Stärkeren, die Ausbeutung und Vernichtung der Schwachen ist kein Gottesgebot. – Fehlende Liebe entfernt Menschen von Gott und voneinander.

So feiern wir Ostern in dieser Zeit. Und wenn wir noch Gespür haben für Gott, dann fragen wir uns: Wie kann denn der Glaube Orientierung geben? Kann denn Leben gelingen, das am Glauben Maß nimmt?

Wir brauchen besondere Zeugen des Glaubens. Wir brauchen Menschen, die selbst von ihrer Überzeugung weitergeben. Das ist uns aufgetragen: Nicht die Welt zu verurteilen oder Angst zu haben vor der Welt, sondern sich einzusetzen in Kirche, Politik und Gesellschaft; deutlich zu machen, das unser Leben mit Glauben zu tun hat.

Der auferstandene Jesus Christus will uns die Augen öffnen. Der Glaube an ihn zwängt uns nicht ein, sondern befreit.

Vor einigen Jahren habe ich im Kino einen sehr gefühlvollen Film gesehen: „Jenseits der Stille“. Der Film war sogar für einen Oscar nominiert als bester ausländischer Film. Es geht um ein Mädchen, welches mit Eltern aufwächst, die stumm und taub sind. In Zeichensprache, in Gebärdensprache verständigt sie sich mit ihren Eltern. Sie wird auch zur wichtigen Hilfe, dass ihre Eltern mit der übrigen Welt Kontakt aufnehmen können. Sie übersetzt Sprache in Zeichen. Es wird der Weg dieses Mädchens erzählt und auch ihr Erwachsenwerden. Sie kann ihre Eltern verstehen, weil sie deren Zeichensprache deuten kann. Für andere Menschen ist es ein Umherwirbeln mit den Händen. Für das Mädchen ist es Sprache, Sprache und Gefühl.

Für mich war das ein Osterfilm. Ein Mensch kann Zeichen richtig deuten. Das Mädchen versteht und liebt seine Eltern, weil es aufmerksam ist für das, was die Eltern ihr übermitteln. Können wir die Zeichen der Zeit richtig deuten? Haben wir den nötigen Glauben, die nötige Sensibilität? Hören wir im Lärm unserer Zeit, in der Gottvergessenheit unserer Zeit, dass Jesus uns immer wieder ruft und beruft? Hören wir, dass er mit uns gehen will durch unser Leben, dass er unser Wegbegleiter sein will? Hören wir, dass er zu uns spricht? Hören wir, dass er es gut mit uns meint? Vielleicht können uns Übersetzer dabei helfen, Jesus so zu verstehen.

Es gibt solche Übersetzer, die uns dabei helfen können, wie das Mädchen seinen Eltern half. Die Gottesdienste, die gefeiert werden, das gemeinsame Gebet, die Gemeinschaft von Schwestern und Brüdern in der Kirche, die Liebe, die Menschen einander erweisen, die Mitmenschlichkeit, die wir alle so brauchen, die Verkündigung, die uns helfen will Gottes Wort zu verstehen, die Kommunion, in der Jesus selbst zu uns kommt.

Es gibt Übersetzer, die in unserer Zeit viel vom lebendigen Gott, vom auferstandenen Jesus Christus sagen: Die Hoffnung, die Menschen einander schenken, das Glück, das wir uns wünschen, die gute Beziehung, die uns froh macht, die Freundschaft, die uns stärkt.

Es gibt Übersetzer, aber wir müssen sie als solche erkennen. Wir müssen diesem Glauben, der in der Taufe in uns gesenkt wurde, Raum geben. Wir müssen Gott in Jesus die Möglichkeit geben, dass er uns ansprechen kann.

Es gibt Übersetzer.

Ich lade Sie ein, diesen Glauben in das eigene Leben zu transportieren. „Jeden Sonntag Ostern feiern“, d.h. immer wieder erleben, dass Gott uns in Jesus Christus anrührt und anspricht. Immer wieder erfahren, dass Glaube unser eigenes Leben bereichert. Immer wieder zulassen, dass es sich lohnt, mit Jesus zu leben.

josefholtkotte

Christus spricht zu uns. Er nennt unseren Namen. Das ist die Übersetzung, die wir heute verstehen sollen. Er gibt nicht auf, weil er uns liebt und unser Leben will. Er spricht uns mit Namen an. Er spricht in Zeichen und Gebärden in der Kirche und in den Menschen und hofft darauf, dass wir nicht taub und stumm bleiben. Der gemeinsame Glaube kann Menschen verbinden. In den Problemen unserer Zeit schenkt er Hoffnung, Solidarität und Zukunft.

Christus ist der Heiland für uns alle, der Seelsorger und Therapeut, der Helfer und Bruder, der Arzt und Erlöser. Der Glaube an ihn schenkt Zukunft und Leben.

Pfarrer Josef Holtkotte, Leiter des Pastoralverbundes Bielefeld-Mitte

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