Ostern 2012

Wort zum Sonntag, 7.4.2012, WB

kreuz_stacheldrahtFragen Sie mal rum, welches Fest für die Christen denn das größte und wichtigste sei. Schätzungsweise antworten 90% mit „Weihnachten“. Und doch würde sich niemand eine Krippe, statt ein Kreuz als Zeichen seines Glaubens um- oder aufhängen. Wenn auch das ganze Erlösungsgeschehen ohne die Geburt Jesu nicht denkbar ist, so mündet das Leben des Mannes aus Nazaret in letzter Konsequenz doch in Tod und Auferstehung.

Und deshalb ist Ostern DAS Fest der Christen.

Wenn es uns aber mehr sein soll als ein buntes Frühlingsfest mit Osterhasen und Eiersuche, dann dürfen wir nicht nur auf das letzte „Happy End“ Jesu schauen, sondern auf das Ganze, auf sein Leben,  das von Anfang an in Gefahr war, vom Kindermord in Betlehem an über die vielen Male, wo man beschlossen hatte, ihn zu töten, weil er mit seiner Menschenfreundlichkeit und Liebe gotteslästerlich gegen das Gesetz verstoßen hatte bis hin zum Kreuz. Nur, wer ein Stück Weg mitgeht, sich berühren lässt von dem einen oder anderen Stachel seiner Dornenkrone,  der mag ansatzweise begreifen, was damals in Jerusalem geschehen ist. Auferstehung ist eben erst Auferstehung, wenn da vorher Tod war. Aber das hören wir nicht so gerne, am liebsten gar nicht, wohl deshalb hängen wir die Ostereier gerne schon vor dem Karfreitag an den. Blütenstrauch.

Kreuz und Tod blieben also dem, der eigentlich nur retten wollte, nicht erspart – Und Jesus hat‘s ausgehalten, nicht weil er ans Kreuz wollte, sondern weil sein Leben unweigerlich dahin führte. So wurde, was in der Krippe begonnen hatte, vollendet.
Trotzdem schier unerträglich für „meine Schulkinder“ im Religionsunterricht, und zwar genau in dem Moment der Passion, wo es noch einmal 50 zu 50 zu stehen scheint: Pilatus befragt das Volk: Wen soll ich euch nach gutem alten Brauch zum Passahfest freilassen, Barrabas oder Jesus? Und die Menge brüllt: Lass uns den Barrabas frei! Andere Stimmen gehen in der Masse unter.
Als die Kinder das hörten, hatten sie eine Idee, die sie am liebsten sofort in die Tat umsetzen wollten: Wir bauen eine Zeitmaschine, reisen zurück zu Jesus und brüllen lauter als das Volk: „Wir wollen Jesus frei!“ Und wir retten ihn.

Spinnen wir den Gedanken, was gewesen wäre, wenn… mal weiter.
Wie wäre es ausgegangen, wenn anstelle von Jesus damals der Räuber Barrabas verurteilt worden wäre, wenn Judas zuvor nicht als Verräter zur Verfügung gestanden oder wenn der Vater im Himmel dem Wunsch seines geliebten Sohnes nachgekommen wäre: Lass diesen Kelch an mir vorübergehen? Hätten die Menschen damals wie heute wirklich irgendwas von der Erlösung kapiert, wenn Jesus nicht vor aller Welt am Kreuz gestorben wäre? Darüber ließe sich viel spekulieren, auch über die Frage nach der Freiheit eines jeden und ob Gott sich der Bösen bedienen musste, um sein Erlösungswerk zu vollenden. Aber in einem Punkt gibt es, zumindest beim Apostel Paulus, keine Zweifel: „Wenn aber Christus nicht auferweckt worden ist, dann ist euer Glaube nutzlos… (1 Kor 15,17)“  und „Wenn Tote nicht auferweckt werden, dann lasst uns essen und trinken, denn morgen sind wir tot. (1 Kor 15, 32).“
evamarianolteDas klingt auf den ersten Blick fast, als wollte er uns den Spaß verderben. Essen und Trinken lassen wir uns sowieso nicht nehmen, schon gar nicht zu Ostern, denn das muss man feiern, mehr als alles andere. Wer aber an die Auferstehung glaubt, der hat noch  viel mehr vom Leben als die Genüsse dieser Welt, nämlich das Leben in Fülle. Und weil Christus von den Toten auferstanden ist, nur deshalb ist uns nicht die Krippe, sondern das Kreuz, das eigentlich Schandmal war,  zum   Zeichen geworden.

Eva-Maria Nolte, Gemeindereferentin im Pastoralverbund Bielefeld Mitte-Ost

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