Weihnachten 2011

stern1Wort zum Sonntag, 24.12.2011, WB


In der Heiligen Nacht wird überall auf der Erde das Evangelium, die frohe Botschaft nach dem Evangelisten Lukas verkündet: „Heute ist euch der Retter geboren; er ist der Messias, der Herr.“ (Lk 2,11). Darin wird auch gesagt, dass für diesen Neugeborenen in der Herberge kein Platz war. So musste ihn seine Mutter in eine Krippe legen. Das Licht der Welt zu erblicken und nicht einmal in einer Herberge Platz zu finden, das ist bitter und traurig.

Was der Evangelist Lukas von der Geburt Jesu berichtet, hört sich beim Evangelisten Johannes so an: „Er kam in sein Eigentum, aber die Seinen nahmen ihn nicht auf.“ (Joh 1,11) Johannes betont: Es kam nicht irgend ein Fremder und bat um ein barmherziges Asyl. Der Hausherr selbst erschien; doch es war kein Platz für ihn.
Wie es mit dem Kind der Heiligen Nacht unter uns Menschen weiterging, wird in der Bibel erzählt. Schon bald nach seiner Geburt wurde Jesus zum Flüchtling. Als er dreißig Jahre alt war und Gottes Wort verkündete, trieb man ihn feindselig aus seiner Heimatstadt Nazaret hinaus.
Einmal schien es zwar so, als wollte man ihm seinen Platz zugestehen. Denn bei seinem Einzug in die Stadt Jerusalem riefen sie ihm freudig zu: „Hosanna dem Sohn Davids! Gesegnet sei er, der kommt im Namen des Herrn!“ (Mt 21,8f) Das hielt allerdings nicht lange. Der bittere Anfang von Bethlehem schlug in Jerusalem voll durch: denn sie führten Jesus hinaus, um ihn zu kreuzigen.
In der Stadt des Herrn der Heerscharen, in der Hauptstadt Jerusalem, war kein Platz für den König Israels.

Und heute – Weihnachten im Jahre 2011 - frage ich mich: Ist für den Retter der Welt denn heute bei uns Platz? Was haben wir für ihn übrig? Gewiss, auch an diesem Weihnachtsfest sind die Kirchen wieder gut besucht. Es wird auch gerade in diesen Tagen viel und sehr viel für jene getan, die ähnlich arm sind wie das Neugeborene in Betlehem. Wie aber kommt es nur in unserem reichen Land zu der wachsenden Zahl von Armen? Was geschieht bei uns mit den Flüchtlingen, die nach besserem Lebensraum fragen? Was tun wir als Menschen und als Kirchen für die kaum zu Erfassenden, die in unserer kälter werdenden Welt ein menschliches und geistliches Zuhause suchen? Machen wir genügend Platz füreinander, einer für den anderen? Wie oft leben wir nebeneinander ohne Kontakt miteinander? Sind wir uns so sicher, dass nicht Gottes mensch-gewordenes Wort anklopft, wenn der andere und fremde Mensch als Bittender zu uns kommt?

Als für das neue Licht in der Herberge in Betlehem kein Platz zu haben war, legte die Mutter ihren Sohn in eine Krippe. Die Krippe ist heute überall dort, wo Christus aufgenommen wird, wo Gottes Evangelium gehört und befolgt wird, wo also auch all die vielen, die wie der Sohn Gottes ein Menschenantlitz tragen, ihren Platz zum Leben erhalten. Wo die Würde eines jeden Menschen respektiert wird.
Wenn wir anfangen, uns tiefer über Weihnachten Gedanken zu machen, beginnen wir vielleicht unbewusst, mit dem Kind in der Krippe zu sprechen. Wir dürfen erfahren, dass uns dieses Kind zuhört, dass es uns versteht, dass es uns annimmt mit all unseren Gedanken und Gefühlen, mit unseren Zweifeln und Sorgen. Auf das Kind zu schauen, von diesem Kind angeschaut zu werden, das heißt zur Krippe gehen, das bedeutet Weihnachten.

josefholtkotteAls Kind kam er, weil er behutsam mit uns ist, weil er nicht draufschlagen und dreinschlagen will.
Den Menschen hat er sich ausgesetzt, in die Hände der Menschen hat er sich gegeben, ganz klein und zerbrechlich, fast unscheinbar.
Auch heute schaut er die Menschen an mit all ihrem Glauben und Unglauben, mit ihrer Liebe und ihren Fehlern. Er schaut in die Herzen. Weihnachten bekennen wir:  Du bist mein Gott und du lebst, ich spüre deine Kraft und Nähe. Ich kann lernen zu glauben, weil Gott mich hält.
Ja, es ist Weihnachten. Gott ist in unsere Welt gekommen. Er ist mit uns. 
Damals in Betlehem, heute in meinem Leben.

Pfarrer Josef Holtkotte, Leiter des Pastoralverbundes Bielefeld-Mitte

Drucken E-Mail

Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Einige von ihnen sind essenziell für den Betrieb der Seite, während andere uns helfen, diese Website und die Nutzererfahrung zu verbessern (Tracking Cookies). Sie können selbst entscheiden, ob Sie die Cookies zulassen möchten. Bitte beachten Sie, dass bei einer Ablehnung womöglich nicht mehr alle Funktionalitäten der Seite zur Verfügung stehen.