"Pfüati Gott"

Wort zum Sonntag, 30.7.2011, WB

helm„Mütze auf“, war das Startsignal unsere Gruppe Motorradfahrer, als wir vor Jahren zu einer Rundtour in Schottland unterwegs waren - immer dann, wenn wir nach einer Pause wieder zur weiteren Fahrt aufbrachen. Den Helm aufzusetzen ist das Erste, das Notwendigste, was ein verantwortungsvoller Moppedfahrer tut, um im Fall eines Sturzes bestmöglich  geschützt zu sein – ohne Zweifel.

Wir haben Kopfbedeckungen für alle Fälle erfunden, Hüte, Mützen, Helme, die uns vor allen erdenklichen Gefahren schützen sollen:Die Mütze, am besten weit über die Ohren reichend, rettet uns vor eisiger Kälte, die Kapuze vor Regen, Schnee und Wind; der Sonnenhut wirft Schatten und schützt uns vor Hitze und Sonnenstich; den Imker bewahrt seine Kopfbedeckung vor schmerzenden Bienenstichen, die Bademütze uns vor Nässe in den Haaren (mitunter sogar auch die anderen Mitschwimmer vor der Übertragung von unliebsamen „Kleintieren“), der Fahrradhelm vor schlimmsten Kopfverletzungen, falls wir bei einem Unfall stürzen, andere Schutzhelme vor Steinschlag von oben und vor dem gefährlichen Anprallen an Hindernisse. Alle haben sie zumindest  eines gemeinsam, diese „Hüte“: Sie bewahren ihren Träger vor Gefahren, sie „“be-hüten ihn“ ihn vor allerlei Unannehmlichkeiten und Unheil.

„Setz dir was auf den Kopf, es ist kalt“, rief meine Mutter mir früher im Weggehen oft noch zu. „Du hast deinen Fahrradhelm vergessen“, erinnert mich auch jetzt dann und wann ein Mädchen aus der Nachbarschaft. Und es ist gut so, wenn wir uns umeinander sorgen.
Allerdings ahnen wir auch, dass allein die Kopfbedeckungen keine Versicherung für jeden Fall der Fälle sind.

So hat schon vor weit über zweitausend Jahren der Beter des Psalms 91 mit seinen eigenen Worten ausgedrückt, dass da noch einer ist, der seine Hände über die Menschen hält. Vertrauensvoll konnte er beten: „Wer im Schutz des Höchsten wohnt und ruht im Schatten des Allmächtigen, der sagt zum Herrn: „Du bist für mich „Zuflucht und Burg, mein Gott, dem ich vertraue.“ (…) Er beschirmt dich mit seinen Flügeln, unter seinen Schwingen findest du Zuflucht (…) er befielt seinen Engeln, dich zu behüten auf allen deinen Wegen“ (…)

Heute verleihen z.B. die Bayern, Österreicher und Südtiroler ihrer gegenseitigen Sorge um den anderen Ausdruck, wenn sie sich mit einem gegenseitigen „Pfüati“ voneinander verabschieden. Das heißt – ins Hochdeutsche übersetzt – ja nichts anderes als “Behüte dich.“ Manchmal hören wir auch die „Vollversion Pfüati Gott“, es behüte dich Gott. Welchen schöneren Gruß könnte es geben, wenn man freundschaftlich auseinander geht, als sich gegenseitig zu wünschen, dass Gott einen an Leib und Seele behüten möge, auch und vor allem dann, wenn alle unsere Kopfbedeckungen und sonstige Versicherungen versagen, wenn die „Deckungssumme“ überschritten ist.
Selbst wenn anzunehmen ist, dass nicht jeder „Pfüati-Abschiedsgruß“ der dialektsprechenden Alpenbevölkerung bewusst als Segenswunsch gedacht und ausgesprochen wird, zeigt doch gerade dieser, wie sehr das „Es behüte dich Gott“ fest verankert ist und dieser Wunsch zu einer liebgewonnenen Gewohnheit  geworden ist.

Allen, die in diesen Tagen in den Urlaub fahren, allen, die daheim bleiben und allen, die Gott zutrauen, dass er sich schützend um sie sorgt, sei ein herzliches „Pfüati Gott“ zugerufen. Und was die Tiroler mit ihrem Abschiedsgruß sagen, das meinen die Iren mit einem ihrer alten  Segensgrüße, den wir oft und gerne im Lied besingen: „And until we meet again, may god hold  you in the hollow of his hand.“ - „Und bis wir uns wiedersehen, halte Gott dich fest in seiner Hand.“

Eva-Maria Nolte, Gemeindereferentin im Pastoralverbund Bielefeld Mitte-Ostevamarianolte

Drucken E-Mail

Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Einige von ihnen sind essenziell für den Betrieb der Seite, während andere uns helfen, diese Website und die Nutzererfahrung zu verbessern (Tracking Cookies). Sie können selbst entscheiden, ob Sie die Cookies zulassen möchten. Bitte beachten Sie, dass bei einer Ablehnung womöglich nicht mehr alle Funktionalitäten der Seite zur Verfügung stehen.