Religionen für den Frieden

haendedruckWort zum Sonntag, Westfalen Blatt, 11.9.2011


Vom 11. – bis 13. September findet in München unter dem Thema „Zusammenleben – unsere Bestimmung“ ein weltweites Friedenstreffen statt. Teilnehmende sind nicht nur zahlreiche Vertreter aus der katholischen, den evangelischen, den orthodoxen und altorientalischen Kirchen aus der ganzen Welt, sondern auch große und hochrangige Delegationen aus dem Judentum und dem Islam, sowie Vertreter aus dem Buddhismus und den alten indischen Religionen, aber auch Politiker/innen und Kulturschaffende von überhall her sowie viele Menschen guten Willens – Christen und Nichtchristen.

Seit dem Jahr 1987 lädt die katholische Basisbewegung Sant’ Egidio zu einem Pilgerweg des Friedens in jeweils eine andere Stadt Europas und des Mittelmeerraumes ein. Stationen waren etwa Rom, Barcelona, Lissabon, Krakau, Nikosia, Warschau, Bukarest und eine Reihe anderer Metropolen, aber auch die heilige Stadt der drei großen monotheistischen Weltreligionen Jerusalem. Der Hintergrund dieser großen Veranstaltungen ist das erste Treffen dieser Art, zu dem Papst Johannes Paul II im Oktober 1986 Vertreter der großen Religionen zu einem Gebet für den Frieden nach Assisi eingeladen hat. Dieses Ereignis sollte nicht in Vergessenheit geraten, sondern zu einer breiten Bewegung für den Frieden werden. In diesen vielen Jahren ist inzwischen durch den Dialog ein Netz von Freundschaften über die ganze Erde entstanden.
Zur Begegnung und zur Wertschätzung der Religionen untereinander hat das 2. Vatikanische Konzil nicht unerheblich beigetragen. Die Erklärung über das Verhältnis der Kirche zu den nichtchristlichen Religionen „Nostra aetate“ hat die Tür zu diesem Dialog eröffnet.

„Die Kirche lehnt nichts von all dem ab, was in diesen Religionen wahr und heilig ist“, formuliert das Konzil. Mit Hochachtung und Respekt wird von den anderen Religionen gesprochen. Dieser gegenseitige Respekt ist auch die Grundlage der jährlichen Friedenstreffen.
Können aber die Religionen einen Betrag zum Frieden in der Welt leisten?
Haben sie sich nicht eher für Kriege und Kriegspolitik instrumentalisieren lassen? Der amerikanische Politikwissenschaftler Samuel Huntington geht auch zukünftig von einem „Kampf der Kulturen“ aus, in deren Kern er die jeweilige Religion sieht. Geben ihm die Vergangenheit und die Gegenwart nicht Recht?

Die dialogischen Friedentreffen setzen dieser These entgegen, dass aus der Quelle der Religionen der Frieden wachsen kann. Die Bergpredigt Jesu etwa zeigt, dass die Nächstenliebe auch die Feindesliebe einschließt. „Ihr habt gehört, dass gesagt worden ist: Du sollst deinen Nächsten lieben und deinen Feind hassen. Ich aber sage euch: Liebet eure Feinde und betet für die, die euch verfolgen.“ (Mt 5,43). Daraus erwächst christliches Friedenshandeln, das auf den Dialog setzt.
Papst Johannes Paul II hat nicht von ungefähr Assisi zum Ort des ersten Friedenstreffens ausgewählt. Franz von Assisi ist der Vorläufer solchen Dialogs. Während der Zeit der Kreuzzüge verspürte er „nicht die militärische Solidarität mit den Seinen, sondern suchte das Gespräch mit dem Sultan Malik al Kamel im gegnerischen Lager!“ (Prof. Andrea Riccardi).
Das war im gewissen Sinne „verrückt“, aber das Evangelium durchkreuzt häufig die gängigen Denk- und Handlungsmuster.
Kurz nach dem Weltfriedenstreffen in München wird es in Bielefeld zu einer denkwürdigen Begegnung kommen. Eine hochrangige Delegation aus Jenin im Westjordanland besucht vom 26. – 29. September unsere Stadt. Zu dieser Delegation gehören auch Repräsentanten der Muslime, sowie der katholischen und anglikanischen Kirche. Unter dem Thema:  „..und richte unsere Füße auf den Weg des Friedens“ wird es auch zu einem Abend der Austausches über den Beitrag der Religionen zu einem friedlichen Miteinander in der Welt kommen.

Darüber hinaus fand in Bielefeld nun schon das zweite Mal das sogenannte Abrahamfest der drei in unserer Stadt präsenten monotheistischen Religionen statt. Unterschiedliche Veranstaltungen luden zum gegenseitigen Kennenlernen ein

Bei all dem geht es weder um eine Vermischung noch um eine Vereinnahmung der einen durch die anderen, sondern vor allem um Respekt vor den jeweiligen Überzeugungen. Das trägt zum Frieden bei.
Der russische Heilige Serafim von Sarow hat einmal gesagt: „Erringe den Frieden in dir selbst, und Tausende um dich werden das Heil finden.“

„Der Friede des Herrn sei mit euch“ – das wird uns in der Liturgie zugesagt. Dieser Friede kommt von Gott selbst. Es ist ein Friede, den wir aus uns selbst nicht haben, aber aus der Beziehung zu Gott erringen können.

Klaus Fussy
Dechant und Leiter des Pastoralverbundes Schildesche-Jöllenbeck

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