Sakrament der Eucharistie

Wort zum Sonntag, 23.6.2011, WB


 

hostienDie leibliche Gegenwart Jesu Christi im Sakrament der Eucharistie

Es ist doch sehr bedenkenswert, wie oft schon - auch von treuen Katholiken - gefragt wird: Was bedeutet eigentlich Fronleichnam?
Sehr viele Menschen können mit diesem Hochfest nichts mehr anfangen - ja, sie haben seine wahre Bedeutung vergessen, weil sie Gott weitgehend - ohne es zu merken - aus ihrem Leben verdrängt haben.

Und so trifft der Text aus dem 5. Buch Mose (Dtn 8, 2-3.14-16a) den Nagel auf den Kopf: „Nimm dich in acht, dass dein Herz nicht hochmütig wird und du den Herrn, deinen Gott nicht vergisst, der dich aus Ägypten, dem Sklavenhaus, geführt hat." Fast könnte man meinen, die Predigt des Mose sei aus ganz aktuellem Anlass an uns Menschen von heute gerichtet; Mose warnt ganz eindringlich davor, Gott nicht zu vergessen! Leider leben wir heute in einer Zeit, in der Gott - wenn überhaupt - höchstens noch als Randfigur vorkommt. Viele Menschen meinen, sich auf ihre eigenen Fähigkeiten und Stärken verlassen zu können. Man lebt ganz selbstverständlich ohne Gott und hat dabei gar nicht das Gefühl, ihn zu vermissen - wenigstens hat es so den Anschein. An genau diese Überheblichkeit der Menschen, die so tun, als ob sie ihr Leben sich selber verdanken, richtet sich die Predigt des Mose. Allerdings lässt sich die religiöse Bestimmtheit des Einzelnen nicht ganz verdrängen, und so fragen sich heute viele Menschen, woran man überhaupt noch glauben darf - was man noch für wahr halten kann.

Das, was die Menschen wirklich denken und empfinden, ist schwer auszumachen. Die meisten haben wahrscheinlich Angst davor, ihr Innenleben zu öffnen – vielleicht aus Angst sich dadurch verletzbar zu machen oder sich zu blamieren. Da greift man lieber zu Symbolen, die die Wahrheit ein Stück erahnen lassen, aber eben nicht ausdrücken; zum Beispiel verschenkt man eine Rose, um zu zeigen, dass man den anderen lieb hat - aber man spricht es eben nicht aus - oder man nimmt jemandem eine schwere Arbeit ab, damit der andere spürt, dass man es gut mit ihm meint - ohne es in Worte zu kleiden. Aber genau darin liegt auch eine große Gefahr - es kann zu Irritationen kommen: „Was will der andere wohl von mir? - Verstehe ich das richtig - oder mache ich mir vergeblich Hoffnungen?"

Und im Laufe der Zeit verlieren diese Symbole immer weiter an Bedeutung, um ja nichts falsch zu interpretieren. Und auf genau so einer Symbolebene möchten manche auch mit Gott verkehren. Den Leib des Herrn, der in der Gestalt des Brotes in einer Monstranz in vielen Orten an Fronleichnam durch die Straßen getragen wird, möchten einige auch gerne auf so ein Symbol hin degradieren und verniedlichen. Manche glauben, es könne ja doch nur symbolisch gemeint sein, dass da Jesus wahrhaftig zugegen ist - und spüren überhaupt nicht, dass sie dadurch natürlich auch die unendliche Liebe Gottes zu uns auf eine rein symbolische Ebene stellen. Aber diese Liebe Jesu ist wahrhaft echt, ebenso wie seine Leibhaftigkeit und Lebendigkeit im Brot des Lebens. Dieses eucharistische Brot erinnert uns an das letzte Abendmahl, das Jesus mit seinen Jüngern gehalten hat. In dieses Brot, dass er brach, hat er sein ganzes Leben, sein Leiden und sein grausames Sterben hineingelegt und gesagt: „ Nehmet uns esset alle davon: Das ist mein Leib, der für euch hingegeben wird."( Mt 26,28) Er, unser Herr und Heiland - der einzige, der gerecht und ohne Sünde war - hat durch seinen Tod am Kreuz die Sünden der Welt auf sich genommen und auf ewig getilgt. Welch eine Gnade hat uns der Herr erwiesen! Jesus zog sich auch nicht in den Tempel zurück und predigte nicht nur zu den Frommen über die Liebe seines Vaters. Nein, er ging über die staubigen, steinigen Straßen genau zu den Plätzen - genau dorthin, wo die Verachteten, die Ausgestoßenen und Armen lebten. In Jesus ist Gott selbst auf den mühsamen und beschwerlichen Straßen dieser Welt gegangen.
Er hat die Not der Kranken und Trauernden, der Sünder und der Suchenden gesehen und erlitten. Er hat gerade ihre Nähe gesucht und sie auf ihrem Weg begleitet. Durch Jesus Christus haben diese Menschen erfahren, dass Gott ihr Leben heil machen kann, wenn sie seine Nähe und seine Begleitung annehmen. „Seid gewiss, ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt" (Mt 28,20). Diese Worte des auferstandenen Herrn an die Jünger gilt heute auch gerade uns, wenn wir uns auf die Straßen begeben und wenn wir uns - wie Jesus - den Armen und Ausgestoßenen zuwenden. So nah und doch gleichzeitig so verborgen wie Christus in der Brotgestalt mit uns geht, so ist er auch im Nächsten gegenwärtig. So wie er erkannt werden will im eucharistischen Brot, so will er sich uns in den Menschen zeigen, die unsere Hilfe und Zuwendung brauchen. In diesem Glauben an seine unendliche Liebe zu uns Menschen wollen wir weiterhin unsere Wege gehen. Wir wollen Christus niemandem aufdrängen, aber wir wollen ihn zeigen und anbieten als den besten Weg, den wir Menschen gehen können.

Diakon Michael Albrecht, Pastoralverbunde Schildesche-Jöllenbeck

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