Mangel an Hoffnung?

hoffnungWort zum Sonntag, 11.6.2011, WB

Augenblicklich erlebe ich in unserer Kirche viele Sorgen und Ängste.
Menschen fragen sich:
Was wird aus uns Christen in diesem Land und vor allem hier am Ort werden?
Wie wird die Kirche künftig sein?
Alles scheint im Fluss- - Was aber bleibt?
Was können wir noch retten?


Denn: Vieles wird weniger: Es gibt weniger Priester und Gemeindereferentinnen, es gibt auch immer weniger Katholiken. Gottesdienste werden zusammengestrichen, dafür die Pastoralen Räume vergrößert.
Was geschieht mit unserer Kirche?
Bleibt nichts wie es war?
Und wenn schon alles im Fluss ist: Geht die Kirche gar „den Bach runter“?
Da ist die Versuchung groß, sich noch mehr in den kleinen überschaubaren Bereich zurückzuziehen.

 

Ob das eine Lösung ist?
„Das Gefühl von Ohnmacht und Pessimismus führt dazu, dass man sich auf seine Gemeinschaft konzentriert… Es scheint so, als wäre heute nicht die Zeit der großen Träume, sondern eine Phase, in der man sich zum Schutz in die Häuser oder Institutionen unserer Gruppen und Gemeinschaften zurückzieht. Was kann man denn schon tun? Der Rückzug in die Innenwelt .. ist eine typische Haltung unserer Zeit …. Dies offenbart einen Mangel an Hoffnung.“ So schreibt es Andrea Riccardi, der Gründer der Gemeinschaft Sant’ Egidio (A. Riccardi: Der Präventivfriede, S. 45)

Da aber sind wir in guter Gesellschaft mit den Jüngern. Sie hatten die Türen gründlich verschlossen, aus Furcht!
Für sie war klar:
Nichts bleibt wie es war! Und noch mehr: Es ist alles aus und vorbei!
Die Traumgeschichte mit Jesus von Nazareth war zerplatzt, weil er hingerichtet war. Dasselbe Schicksal zu erleiden – das machte ihnen zusätzlich Angst. So verschlossen sie auch die Türen ihres Herzens.
Doch dann kam es ganz anders! Der Auferstandene hat auch für verschlossene Türen und Herzen einen Schlüssel. In der Tat: Es blieb nichts wie es war – aber anders als gedacht! Die Geschichte der Angst, der Resignation, der Hoffnungslosigkeit nimmt eine Wende. Nach dem zweimaligen Friedensgruß werden die vorher noch so Verzagten gesandt. Doch zuvor haucht er sie an: „Empfangt den Heiligen Geist.“

Und was dann passiert, wenn alle mit Heiligem Geist erfüllt sind, beschreibt in unübertrefflicher Weise der allseits bekannte Pfingstbericht der Apostelgeschichte: „Sie begannen in fremden Sprachen zu reden, wie es der Geist ihnen eingab.“ Und sie fanden sich wieder zwischen den Menschen aller möglichen Völker und Sprachen, die sie auch noch verstehen – eine Umbruchsgeschichte weg von aller Verzagtheit zum Mut des Glaubens an den Auferstandenen, der alle Angst nimmt.

Von den Jüngern selbst wäre nichts mehr gekommen, sie hätten nichts mehr bewirkt. Der Geist Gottes aber hatte sie geradezu überwältigt und aus der verängstigten Schar Osterzeugen unter allen Menschen gemacht. Kann es mit der Kirche von heute und morgen nicht auch so werden?

Wir werden sie selbst und aus eigener Kraft nicht bauen können (und auch nicht müssen). klausfussy
Aber rechnen wir mit Gottes Geist! „Umbruchzeiten sind Gnadenzeiten“, haben die deutschen Bischöfe einmal geschrieben. „Gott selbst ist es, der unsere Verhältnisse gründlich aufmischt, um uns auf Neuland zu locken.“ (Hirtenbrief zum Bonifatiusjahr 2004).
Beim ersten Pfingstfest hat der Geist Gottes dies zweifellos getan.
Auch wir haben mehr Möglichkeiten als wir manchmal denken. Weil Gott aber dennoch an uns glaubt, lockt er uns heraus aus unserer Selbstbefangenheit und macht uns zu Osterzeugen, und das unter allen Menschen und Kulturen, die uns auch in unseren Städten und Dörfern nicht weit weg sind.
Dort hat die Frohe Botschaft ihren Ort und ihre Zukunft.


Klaus Fussy
Dechant und Leiter des Pastoralverbundes Schildesche-Jöllenbeck

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