Weißer Sonntag

Wort zum Sonntag, 30.04.2011, WB


 pictogramm_weiss_sonntEine Woche nach Ostern feiern wir den Weißen Sonntag.

In der frühen Kirche trugen die in der Osternacht Getauften eine Woche lang ihr weißes Taufkleid und legten es am Weißen Sonntag – daher der Name – ab. Sie waren aufgenommen in die Gemeinschaft der Glaubenden. Genau dies spiegelt Gottes Nähe, sein Entgegen-kommen und Mitgehen wieder meinte Papst Johannes Paul II. und gab dem Sonntag die Bezeichnung „Sonntag der göttlichen Barmherzigkeit“.

Nun wird Papst Johannes Paul II an diesem Sonntag – 6 Jahre nach seinem Tod – selig gesprochen. Niemand hatte seine Wahl erwartet. Als er am 22.10.1978 feierlich in sein Amt eingeführt wurde erklangen seine Worte: „Habt keine Angst, öffnet die Tore für Christus ..., Seid ohne Furcht .....“
Er wurde zu einem wahren Zeugen des Glaubens in einer Welt, die sich von Jesus Christus zu verabschieden begann. Immer wieder motivierte er die Christen, Hoffnungsträger für morgen, für das 21. Jahrhundert zu sein. Er lebte, was er glaubte, das machte ihn so echt in den Augen der Menschen.
Die biblische Verkündigung im Evangelium am „Sonntag der göttlichen Barmherzigkeit“ erzählt die Begegnung des Auferstandenen mit Thomas. Bei vielen stieß die Nachricht „Jesus lebt“ auf Zweifel – auch bei den Jüngern.
Thomas hatte seine Anfragen und Jesus nimmt ihn ernst. Er findet ihn im Kreis der Jünger und geht auf ihn zu. Jesus hilft ihm, nimmt ihm aber das Wagnis des Glaubens nicht ab.
Thomas berührt die Wunden Jesu und findet zum Glauben. Eine Christus-Thomas-Skulptur, die genau diese Szene widerspiegelt, steht in einer Nische im Kreuzgang von St. Jodokus. Sie lädt ein, den Glaubenszweifeln nachzuspüren und Christus zu entdecken. Das Evangelium beschreibt uns das Bekenntnis des Thomas mit den Worten „Mein Herr und mein Gott.“

Wir erfahren, worum es wirklich geht – damals vor 2.000 Jahren und heute: um unseren Glauben, unsere Suche nach Gott, um Gotteserfahrungen im eigenen Leben, um die Wirklichkeit Gottes in einer Welt, die Gott zu vergessen scheint. Welche Wege geht heute Gott mit uns? Wie begleitet Er uns mit seiner Barmherzigkeit, mit seiner Lebendigkeit?
josefholtkotteDie Begegnung Jesu mit Thomas will unseren Glauben an die Auferstehung stärken. Christus ist wirklich gestorben und auferstanden. Gottesdienst feiern heißt, dem Auferstandenen begegnen. Er ist wirklich da. Nachdenken und Zweifel dürfen sein – das Evangelium gibt uns durch das Bekenntnis des Thomas in allem Zweifel doch Stärke. Thomas sagt: „Mein Herr und mein Gott.“ Deshalb ist die Feier der Hl. Messe, der Eucharistie, so zentral. Wir begegnen Christus selbst. Wir erinnern uns nicht nur an ihn, sondern er ist da. Wirklich da, mitten unter uns.
Das Bekenntnis des Thomas: „Mein Herr und mein Gott“ liegt über diesem Sonntag. Derjenige kann Gott finden, der ihn sucht, der sich in ihm festmacht, der liebt. Das ist die Botschaft: „Geh den Weg des Glaubens, lass dich beschenken von einem Gott, der es gut mit dir meint, finde dein Ziel und bleibe dir treu. Sei offen für diesen Gott in deinem Leben, suche deinen Weg und mach dich fest im Glauben.

Pfarrer Josef Holtkotte, Leiter des Pastoralverbundes Bielefeld-Mitte

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