Fasten

Verfasst von Klaus Fussy.

pictogramm_fastenWort zum Sonntag, 19.3.2011, WB

Die Fastenzeit hat längst begonnen. Wie halten Sie es damit?
Ist Fasten für Sie aktuell?
„Die Mehrheit der Bundesbürger …. hält die Fastenzeit für sinnvoll“, las ich in der Zeitung: „Rund 60 % der Befragten sprachen sich für den siebenwöchigen Verzicht auf bestimmte Genussmittel aus.“

Aber: Was eigentlich ist Fasten, was steckt dahinter?
Der Verzicht auf bestimmte Nahrungs- und Genussmittel, auf Fleisch, Süßigkeiten, Alkohol, das Rauchen – das ist die eine Seite, die man beliebig erweitern kann.
Z.B. las ich in dem selben Artikel auch: „Viele junge Menschen wollen in der Fastenzeit ihre Nutzung moderner Medien wie Handy oder Internet einschränken.“ Es gibt auch ein Facebook-Fasten, dem sich schon einige hundert Nutzer angeschlossen haben.
Gleichfalls anschließen kann man sich dem  Autofasten (www.autofasten.de) das Auto in diesen Wochen stehen lassen und damit das Klima schonen, dafür den öffentlichen Nahverkehr nutzen. Die Möglichkeiten, die Fastenzeit zu gestalten sind vielfältig und der Fantasie kaum Grenzen gesetzt.
Warum aber eigentlich Fasten?
Die Frage ist noch nicht beantwortet.
Marcel heißt der Initiator von Facebook-Fasten. Er bringt es auf den Punkt: „Wir verwenden so viel Zeit bei Facebook und diversen anderen Social Networks, die wir so viel besser investieren könnten: in unsere Beziehung zu Gott“, wird er in dem Artikel zitiert. Dies ist die andere, die innere Seite des Fastens.
Die christliche Fastenzeit hat mit einer Konzentration auf Gott hin zu tun. Das Stichwort heißt „Umkehr“. Im Griechischen steht da „metanoia“. Das heißt übersetzt: „Über sich hinaus denken“, über den eigenen Horizont sehen. Metanoia, Umkehr bedeutet die Befreiung vom ewigen Kreisen um mich selbst und von all dem, was mich in Beschlag nimmt und tagein tagaus und bis in die Nacht beschäftigt und  - ja, das auch! – blockiert und mich behindert, auf das Wesentliche des Lebens schauen zu können.

Die Fastenzeit ist ein Einübungsfeld für den Blick über diesen „Tellerrand“ hinaus auf den Größeren – und schließlich eine Möglichkeit, wieder zu sich selbst zurückzufinden.
Es gibt viele Menschen, die sind schon längst nicht mehr bei sich, weil sie mit allem Möglichen beschäftigt sind.

Die bekannte kleine Geschichte von dem Mönch macht dies in einfachen Worten deutlich. Er wurde gefragt, wie er bei seinen vielen Beschäftigungen noch so gesammelt sein könne: „Wenn ich stehe, dann stehe ich“, war seine Antwort, „Wenn ich gehe, dann gehe ich. Wenn ich sitze, dann sitze ich und wenn ich spreche, dann spreche ich.“ Die Fragesteller fielen ihm ins Wort: „Das tun wir doch auch.“ „Nein“, sagte der Mönch, „wenn ihr sitzt, dann steht ihr schon. Wenn ihr steht, dann lauft ihr schon. Wenn ihr lauft, dann seid ihr schon am Ziel.“
Dieser Mönch ist ganz bei sich. Er lebt im jetzigen Augenblick, im „Heute Gottes“ (Roger Schutz).
Dahin zielt die Fastenzeit.
Wie aber kann man mitten im Alltag dahin kommen? Wir brauchen einfache, praktische Methoden, weil wir uns nicht ganz zurückziehen können.
Manchmal kommen einem die modernen Kommunikationsmöglichkeiten dann doch entgegen.
Ich habe mich vor einigen Tagen dem „SMS-Fasten“ angeschlossen. An jedem Tag erhalte ich eine SMS mit einem Bibelwort, mal kommt sie vormittags, mal nachmittags  ganz kurz und knapp – SMS eben: Short Message (www.sms-fasten.de).
Sie unterbricht meine Beschäftigungen. „Jesus sagt: nicht die Gesunden brauchen den Arzt, sondern die Kranken (Lk 5,31)“ so hieß es z.B. vor einigen Tagen
Was aber ist richtiges Fasten?
Nicht jedes Fasten gefällt Gott. Im 58. Kapitel des Buches Jesaja finden wir Hinweise: „Seht, an euren Fasttagen macht ihr Geschäfte und treibt alle eure Arbeiter zur Arbeit an. Obwohl ihr fastet, gibt es Streit und Zank und ihr schlagt zu mit roher Gewalt. So wie ihr jetzt fastet, verschafft ihr eurer Stimme droben kein Gehör.“ (Jes. 58,3-4). Wer fastet, kann nicht gleichzeitig seine Mitmenschen unterdrücken und sie ungerecht behandeln.
„Nein, das ist ein Fasten, wie ich es liebe: Die Fesseln des Unrechts zu lösen, die Stricke des Jochs zu entfernen, die Versklavten freizulassen, jedes Joch zu zerbrechen, an die Hungrigen dein Brot austeilen, die obdachlosen Armen in dein Haus aufnehmen, wenn du einen Nackten siehst, ihn zu bekleiden und dich deinen Verwandten nicht zu entziehen“ (Jes. 58,6-7).

klausfussyFasten, Umkehr zu Gott, wird die Umkehr zum Nächsten und zum Fernsten einschließen, ja geradezu eröffnen.
Misereor weist uns in jedem Jahr auf die Zusammenhänge zwischen Gottes- und Nächstenliebe, Fasten und Einsatz für Frieden und Gerechtigkeit hin. Papst Benedikt hat in diesem Sinn gesagt: „Das Fasten hat für den Christen einen tiefen religiösen Sinn: Indem wir unseren Tisch ärmer machen, lernen wir, unseren Egoismus zu überwinden, um in der Logik des Schenkens und Liebens zu leben.“

Ein erneuter Versuch ist es wert.


Klaus Fussy
Dechant und Leiter des Pastoralverbundes Schildesche-Jöllenbeck

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