vertrauen statt sorgen

himmel2Wort zum Sonntag, 26.02.2011, WB


 Wir leben heute in einer Gesellschaft in der Vorsorge ganz groß geschrieben wird: 

Renten und zusätzliche Altersversorgungen in Form von Riesterrenten, Aktien- und Immobilienfonds, Goldanlagen und sonstigen Geldanlagen. Leider halten die vollmundigen Aussagen der Bank- und  Anlageberater nicht immer, was sie versprochen haben.

 

Oft genug hat es in der Vergangenheit auch schon sehr große Verluste bei derartigen Vorsorgen gegeben. Aber auch auf anderen Gebieten ist Vorsorge heute ein unbedingtes Muss - in der Gesundheits- und Schönheitsvorsorge. Auch wenn viele dieser Bestrebungen häufig völlig übertrieben sind, ist ein gewisses Maß an Alters- und Gesundheitsvorsorge natürlich sinnvoll und wichtig; denn wer von uns macht sich nicht hin und wieder Sorgen um sein Ansehen, um seine Gesundheit, um seine und seiner Kinder berufliche Zukunft, und letztendlich auch um seine Altersversorgung.
Erscheinen mir da nicht die Worte Jesu in dem heutigen Evangelium  (Mt 6,24-34) sehr befremdlich: „Seht euch die Vögel des Himmels an: sie säen nicht, sie ernten nicht und sammeln auch keine Vorräte in Scheunen; seid ihr nicht viel mehr wert als sie? Sorgt euch nicht um euer Leben! Euer himmlischer Vater weiß, was ihr alles braucht.“

Schöne Worte, die Jesus mir das sagt - aber Gott hat mir doch den Verstand und die Verantwortung für diese Erde übertragen - für mich, für die mir Anvertrauten und für die ganze Umwelt. Da darf ich natürlich nicht so einfach sorglos in den Tag hineinleben – das wäre ja absolut verantwortungslos. Nein, mein ganzes Leben steht unter einem Gesetz der Vor – Sorge, obwohl wir heute - zumindest hier bei uns in Deutschland - doch in einem Wohlstand leben, von dem unsere Vorfahren nicht einmal zu träumen gewagt hätten. Es scheint also tatsächlich so zu sein, dass höherer Wohlstand immer neue und größere Sorgen beschert, anstatt - wie man annehmen sollte – unser Leben sorgenfreier zu machen. Das allerdings ist eine paradoxe Entwicklung - aber worin liegen die eigentlichen Ursachen?  Nun, wir leben heute in einer Zeit, in der das Vertrauen zu einem liebenden und für uns sorgenden Gott abhanden gekommen ist – man traut ihm nicht mehr zu, dass er in unser Leben eingreift, dass er sich um uns sorgt und sich um uns kümmert - sondern man lässt Gott einen netten Mann sein und vertraut lieber seinen eignen Stärken und Fähigkeiten - und so jagt man von einer Kapitalanlage zu der nächsten - immer in  größter Sorge, es könnte später einmal nicht genug da sein – und macht sich so zum Sklaven seines eigenen Handelns. Jesus dagegen will uns lehren, dass der Mensch mit Leib und Leben bei Gott aufgehoben ist. Ihm geht es nicht um leichtfertige Sorglosigkeit – sondern um ein tiefes Vertrauen in Gott, unseren Schöpfer. Und das ist das Einzig-Wichtige! Wenn ich ihm vertraue, dann bekomme ich eine innere Gelassenheit diesen äußeren Zwängen gegenüber, die mich davor bewahrt, mein ganzes Leben zu zer-sorgen. 

Natürlich kommen jeden Tag neue Sorgen hinzu - jeder Tag hat ja seine eigene Plage. Und trotzdem bin ich nicht verpflichtet, mich dauernd über Alles und Jedes zu sorgen und ständig vor-zu-sorgen.
Der Apostel Petrus sagt mir (1. Petr 5,7): „Werft alle Sorgen auf ihn, denn er sorgt sich um euch.“   Ja, ich kann lernen, wirklich jede Sorge in ein Gebet zu kleiden und sie Gott, meinem himmlischen Vater anzuvertrauen - und dieses Vertrauen darf ich jeden Tag ein Stückchen mehr lernen. Dann kann ich erleben, dass durch mein wachsendes Vertrauen meine Sorgen kleiner werden. Das ist eine echte Übung - jeden Tag ein wenig mehr: „Gott, ich lege mein Leben, und alles, was mich so belastet, in deine gütigen Hände. Ich habe getan, was ich konnte - nun übergebe ich es dir.“

Diakon Michael Albrecht, Pastoralverbunde Schildesche-Jöllenbeck

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