Wie im Himmel so auf Erden

Wort zum Sonntag, 05.02.2011, WB


 logo_jub_stjodokusDie Kath. St. Jodokus-Kirche in der Bielefelder Innenstadt feiert in diesem Jahr ihren 500. Weihetag. Viele besondere Veranstaltungen, Gottesdienste und geistliche Akzente werden das Jubiläumsjahr prägen. Eine Ausstellung wird konzipiert und ein Buch über die 500-jährige Geschichte der Kirche entsteht.
500 Jahre Verbundenheit mit einer konkreten Kirche sind auch 500 Jahre gelebter Glaube, der ein Teil der über 2000-jährigen Geschichte der Christenheit ist.

Ich möchte dies zum Anlass nehmen, über die Kirche nachzudenken.
Arbeiten, Sorgen, vorbereiten - manchmal deckt dieser Alltag mit seinen Pflichten , seinen Engpässen und seinem Zeitdruck alles zu. Wo komme ich selber eigentlich noch vor? Wer bin ich für mich selbst, wer für die anderen? Welche Sehnsüchte und Träume stecken in mir? Welche sind schon abgestorben? Ich setze ich mich in eine Kirche und es ist Raum für all die Gedanken, die mir durch den Kopf gehen. Es ist Raum da für meine Fragen, für meine Trauer, für meine Wünsche, auch für Dankbarkeit. Niemand fordert jetzt etwas von mir – Gott schon gar nicht. Ich muss nicht beten, muss nicht fromm sein. Ich darf so sein, wie ich bin. Hier ist gut sein.
Eine Kirche – keine Wartehalle, kein Konzertsaal. Ein Ort mit einem besonderen Geist. Christen fragen hier gemeinsam nach Gott, beten, singen, feiern und lassen sich durch Symbole für die Gegenwart des Heiligen öffnen. Ich stoße auf Symbole und Zeichen, die mir etwas sagen wollen. Ihre Botschaft setzt mich vielleicht auf eine andere Spur als die bisherige:
Kerzen und das „Ewige Licht" brennen gegen die Dunkelheiten, bezeugen Vertrauen und Hoffnung in die Zukunft. Das Kreuz „durchkreuzt" die Erfahrungen von Leid und Tod. Es rückt in die Mitte als Lebens-Zeichen.
Der Altar lässt spüren, was unbegrenzte Hingabe heißt: Jesus wählt die Zeichen von Brot und Wein dafür. Brot als Ausdruck für das, was wir täglich brauchen, und Wein als Ausdruck für das, was über Notwendigkeiten hinausgeht.
Wasser – als Taufwasser und Weihwasser – erinnert an Schöpfung und Neubeginn.
So vieles hier erzählt über mich, mein Leben. Alte Spuren bleiben – aber neue und andere sind möglich. So viele Worte füllen den Raum – gehört, gesprochen, gedacht, geschrieben -.

Aber es ist auch Zeit für Ruhe und Stille. Stille – das ist nicht das Nichts. Die Gedanken ziehen wie Wolken, sie kommen und gehen. Ich lasse es geschehen. In der Stille erwachen die Sinne: Ich sehe und nehme wahr, ich höre die leisen Geräusche. Ich rieche vielleicht noch den Weihrauch eines vorherigen Gottesdienstes. In der Stille wächst die Klarheit. Das Wichtige schiebt sich nach vorn, das weniger Wichtige tritt zurück. In der Stille hat Gott eine Chance. In der Stille komme ich bei mir an.
josefholtkotteIch sitze in der Kirche und denke über sie nach: Kirche begleitet Menschen in ihrem Suchen und Fragen. In der Kirche erfahren Menschen Hoffnung, die über den Tod hinausreicht. Kirche steht für Wahrheiten, die für ein verantwortungsbewusstes Leben Maßstab sind. In der Kirche treten Menschen für andere ein und sind solidarisch mit den Schwachen.

„Wie im Himmel so auf Erden", so steht es im Logo des Jubiläumsjahres von St. Jodokus. Mit der Kirche und in der Kirche wollen wir dem eigenen Leben auf die Spur kommen, die Mitte suchen und Gott finden.

Herzliche Einladung dazu.

Pfarrer Josef Holtkotte, Leiter des Pastoralverbundes Bielefeld-Mitte

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