Das "Jesus-Highlight"

Wort zum Sonntag, 15.1.2011, WB


Inzwischen sind wohl auch die letzten Besucher der Krippe, die Sterndeuter aus dem Morgenland, wieder in ihre Heimat zurückgekehrt. Als wir am Montag nach den Weihnachtsferien im Religionsunterricht des 2. Schuljahrs rückblickend noch einmal die Weihnachtsgeschichte betrachteten, fragte mich Daniel,  einer der Achtjährigen: „Haben wir jetzt in der nächsten Zeit - und wenn es dann Sommer wird - überhaupt noch Religionsunterricht? Da beschäftigt man sich ja nicht mehr so mit Jesus.“

 

Nach erster Überraschung über seine Frage habe ich kapiert, was er meinte: Für Daniel ist  das Weihnachtsfest eindeutig das größte „Jesus-Highlight“ im Jahr. Auf das Christkind, das die Geschenke bringt, ist eben Verlass. Ansonsten spielen Jesus und Glaube im Alltag seiner Familie eher keine große Rolle. Weihnachten ist für diese „Saison“ nun vorbei, also musste für Daniel alles Entscheidende „rund um Jesus“ erst einmal  abgeschlossen sein. Was konnte es da in der nächsten Zeit noch zu thematisieren geben?
Die Frage, die sich auch uns stellt, ist nun diese: Was bleibt und ist geblieben von Weihnachten, von der „geweihten Nacht“, welche für die Welt immerhin so entscheidend war, dass man eine neue Zeitzählung begann?

Mit dem ersten Advent sind wir in das jetzige Kirchenjahr gestartet. Das Warten auf die Geburt, die Menschwerdung Gottes, und auch der Besuch an der Krippe durch die einfachen Hirten und die edlen Magier aus dem Morgenland liegen zurück. Letztere haben die Botschaft vom neugeborenen göttlichen Kind mit in ihre ferne Heimat genommen.  Die heilige Familie musste anschließend aus Angst vor dem grausamen Kindermord in Bethlehem nach Ägypten fliehen, doch nach dem Tod des Herodes kehrte sie zurück nach Israel. Aber was nun? Wie geht es mit Jesus weiter?
In den Evangelien hören wir nichts mehr über den göttlichen Knaben und seine Familie. Wir erfahren erst wieder etwas von dem erwachsenen Jesus. Lediglich  apokryphe Evangelien und Legenden „wissen“ mehr. Eigentlich unvorstellbar, dass es nun bald dreißig Jahre lang ruhig bleiben soll um den heranwachsenden Gottessohn. Somit muss auch das Kirchenjahr, welches die entscheidenden Punkte der christlichen Heilsgeschichte fortlaufend in den Mittelpunkt rückt, nach dem Besuch der „Heiligen 3 Könige“ einen gehörigen Sprung vollziehen. Denn der erste Sonntag nach „Epiphanie“, dem 6. Januar,   ist der Taufe Jesu durch seinen Verwandten Johannes gewidmet. Und mit diesem Ereignis beginnt sein öffentliches Wirken für 3 Jahre – bis dieses schließlich in letzter Konsequenz in Kreuz, Tod und Auferstehung mündet. An diesem Punkt nach der Taufe sind wir nun angekommen. Im Abschnitt des Johannesevangeliums, den wir am jetzigen Sonntag in der Kirche hören, bekennt Johannes Jesus als den Sohn Gottes. Und das ist letztlich die Wahrheit schlechthin, in deren Licht das gesamte nun folgende Leben und Wirken Jesu steht.  Man muss schon genauer hinschauen, um zu sehen, dass wir zwar gerade erst einen Zeitsprung von 30 Jahren gemacht haben, dass sich aber Johannes mit seinem Bekenntnis „Er ist der Sohn Gottes“ inhaltlich dennoch direkt an den Besuch der Sterndeuter aus dem Morgenland anschließt, die dem Neugeborenen mit Weihrauch, Myrrhe und Gold Geschenke mitgebracht hatten, die nicht irgendeinem, sondern dem göttlichen Kind galten.evamarianolte

Wenn wir nun die Bemerkung vom kleinen Daniel noch einmal aufgreifen, dass man sich doch nach Weihnachten „über’s Jahr“ nicht so sehr mit Jesus beschäftigt (auf dem Hintergrund der Befürchtung, es könne sich wohl nicht so lohnen), müssten wir inzwischen festgestellt haben, dass es mit Jesus jetzt eigentlich erst richtig los geht. So oft stehen nur die großen Feiertage im Mittelpunkt des persönlichen Interesses an Kirche und co: Weihnachten, Ostern…. Aber auch diese sind nur dann annähernd zu verstehen, wenn wir auf das Leben Jesu schauen, auf seine Worte und auf die vielen Begegnungen, welche die Heilsgeschichte Gottes mit den Menschen aufscheinen lassen. Und über die lohnt es sich allemal nachzudenken – und zwar weit über die heimeligen Christkindgeschichten zu Weihnachten hinaus. Lassen wir uns das nicht entgehen!

Eva-Maria Nolte, Gemeindereferentin im Pastoralverbund Bielefeld Mitte-Ost

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