Taufe

Wort zum Sonntag, 12.1.2013, WB

TaufeFrüher hat der gute Katholik seinen Weihnachtsbaum nicht vor dem Fest „Mariä Lichtmess“ am 2. Februar aus dem Wohnzimmer verbannt, auch wenn dann vielleicht mehr Nadeln unter als am Baum zu finden waren.

Tatsächlich beendet inzwischen  das Fest der „Taufe Jesu“ die Weihnachtszeit, welches wir am Sonntag nach „Erscheinung des Herrn“ (heilige drei Könige), also an diesem Sonntag, feiern. Allerdings ist „Weihnachten“ bei den meisten schon längst wieder in den Hintergrund gerückt, so auch das Verschenken kleiner Aufmerksamkeiten. Haben Sie dabei mal ähnliches wie dieses erlebt? Sie begegnen einem freundlichen Zeitgenossen, der Ihnen überraschenderweise ein kleines Präsent übergibt. Sie sind leicht peinlich berührt, denn Sie haben selbst nicht an ein Geschenk für Ihr Gegenüber gedacht. Sie hören sich antworten: „Vielen Dank, aber das wäre doch gar nicht nötig gewesen.“
Aber was bedeutet in diesem Zusammenhang schon „nötig“? Wieso muss ein Geschenk überhaupt in die Kategorie „nötig“ fallen? „Pflichtgaben“, die dazu dienen, dass die Schenker wieder quitt sind oder gar Bestechungsgeschenke haben mit echtem Schenken kaum noch etwas zu tun.
Aber was hat nun ausgerechnet dieser Sonntag, das Fest der „Taufe des Herrn“, mit all dem zu tun?
Wenn es so ist, dass die Taufe uns zu Gottes Kindern macht, drängt sich die Frage auf: Hatte ausgerechnet Jesus es nötig, sich taufen zu lassen? Er war doch schon längst ein Gotteskind! Wenn nicht er, wer dann?
Ähnlich muss es übrigens auch Johannes empfunden haben, als Jesus zum Jordan kam, um sich von ihm taufen zu lassen. Zumindest der Evangelist Matthäus schreibt über diese Begebenheit: „Johannes aber wollte es nicht zulassen und sagte zu ihm: Ich müsste von dir getauft werden, und du kommst zu mir?“
Denn was konnte er ihm als Täufer noch an Göttlichkeit  hinzufügen, was dieser nicht schon längst gehabt hätte. Wohl nicht Jesus selbst, aber wir brauchen sie, solche Zeichen, um zu verstehen.  Und deshalb lässt Jesus sich taufen und den Vater an sich wirken, der direkt aus dem Himmel herab ein Zeichen setzt und spricht: „Du bist mein geliebter Sohn.“ Jetzt kann Jesus sein öffentliches Wirken beginnen – und zwar nicht “inkognito“, sondern als Sohn Gottes. Und bezeugen können es die, die dabei waren.
Und schon sind wir bei der Frage: Wie nötig haben wir selbst die Taufe? Brauchen wir sie für unser Heil und kommen gar nur die Getauften in den Himmel? Wer allerdings so fragt, gerät in Gefahr sein Heil zu berechnen, und Rechnungen gehen bei Gott meist nicht auf.
Und da echte Geschenke nichts, aber auch gar nichts mit Ausgleich, evamarianolteBerechnungen und „Gegengeschenken“ zu tun haben, dürfen wir uns in aller Freiheit von Gott beschenken lassen -  mit der Taufe und mit seinem bleibenden Versprechen „Ich bin bei euch alle Tage“ -  ohne uns peinlich berührt sagen zu hören: „Ach, das wäre aber gar nicht nötig gewesen.“ Denn Gott findet schon, dass es notwendig war, seinen Sohn auf die Erde zu schicken, um mit ihm für alle Zeiten ein Zeichen seiner Nähe und Liebe zu setzen - und zwar ohne Wenn und Aber.

Eva-Maria Nolte, Gemeindereferentin im Pastoralverbund Bielefeld Mitte-Ost

Bildquelle: Pfarrbriefservice, Katharina Wagner

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