Glauben - Vertrauen

KeimlingeWort zum Sonntag, 6.4.2013, WB

Wer kennt ihn nicht, den „ungläubigen Thomas“, der einfach zu spät bei den anderen Jüngern eintraf. Der Auferstandene hatte sich den Aposteln gezeigt. Nur Thomas musste später mit dem Zeugnis der anderen Vorlieb nehmen, die ihm aufgeregt berichteten, Jesus lebte, er sei leibhaftig bei ihnen gewesen.

Er muss gedacht haben: „Die spinnen! Das kann gar nicht sein.“ Jesus war gestorben. Das hatten sie, die Jünger, doch mit eigenen Augen unterm Kreuz gesehen. Und nun war er tot. Alles andere war unvorstellbar. Auferstehung gab es einfach nicht, konnte es nicht geben.
Wir tun uns sichtlich schwer mit dem, was wir nicht erklären und uns nicht vorstellen können. Handelt es sich dabei um Wunder? Wer an sie glaubt, gerät allerdings schnell in Gefahr, belächelt zu werden, weil er auf einen geschickten Zaubertrick hereingefallen sein konnte, den er für ein Wunder hielt. Wie können wir nun zwischen Wundern und Tricks unterscheiden, wo hört das Normale auf und fängt das Staunenswerte an – und kann es das, was für uns nicht denkbar ist, überhaupt geben? Doch wer kann sich schon vorstellen, wie man per Handy mitten im Gewühl der Bielefelder Innenstadt mit dem Onkel in Amerika telefonieren kann und auf welchem Weg in Sekundenschnelle eine E-Mail von hier nach China gelangt? Unser Vorstellungsvermögen kann also noch lange kein Kriterium dafür sein, ob etwas existiert oder nicht.
Gibt oder gab es denn nun überhaupt Wunder? Sind es schließlich die Phänomene, die selbst die Wissenschaftler nicht erklären können? Nehmen wir uns einmal die „Brotvermehrung“ Jesu vor: Ein Junge hatte seine 5 Brote spendiert, und die Jünger konnten davon so viele an tausende Leute austeilen, dass alle satt wurden und am Ende sogar noch reichlich übrig blieben. Hier muss es sich im klassischen Sinn um ein Wunder gehandelt haben, denn so etwas funktioniert ja erwiesenermaßen nicht auf natürlichem Weg. Tatsächlich nicht? Zählen Sie im Sommer mal die Körner einer Weizenähre. Es mögen ca. 40-60 Stück sein. Zwar sind Monate vergangen, seit der Bauer die Saat auf‘s Feld gebracht hat, doch schließlich ist aus nur einem einzigen Korn vielfache Frucht gewachsen. Kein Wunder der Brot- oder – genauer gesagt – Korn-Vermehrung? Halten wir dies nur deshalb für gewöhnlich, weil es ein paar Monate gedauert hat statt innerhalb kurzer Zeit geschehen ist wie damals bei Jesus?  Spielt der Zeitfaktor also eine Rolle, wenn wir fragen, was ein Wunder von erklärbaren Phänomenen unterscheidet?
So kommen wir nicht weiter und müssen wohl einen ganz anderen Ansatz finden.

An ein Wunder zu glauben bedeutet doch vielmehr, Gott zu vertrauen, der sich als der viel Größere erweist, der Zeichen setzt, dass er in unserer Welt da ist und auf vielfältige Weise wirkt – immer noch, selbst dann, wenn wir es kaum für möglich halten. Und zurück zum „ungläubigen Thomas“: Dem fehlte – für uns alle nachvollziehbar –

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doch nur ein kleines Bisschen sichtbare Gewissheit. Aber mal ehrlich: Wer von uns hätte denn schon den anderen geglaubt ohne selbst Zeuge gewesen zu sein? Und ist es nicht stark, dass Christus mit seinem nächsten Besuch bei den Aposteln auch Thomas noch eine Chance gegeben hat, damit auch der sich selbst von dem Wunder der Auferstehung überzeugen konnte?!

 

 

Eva-Maria Nolte, Gemeindereferentin im Pastoralverbund Bielefeld Mitte-Ost

Bildquelle: Pfarrbriefservice, Martin Manigatterer

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