Fronleichnam

Verfasst von DDr. Markus Jacobs.

ProzessionWort zum Sonntag, Westfalen Blatt, 30. Mai 2013

Glauben ist keine Privatsache

Am heutigen Fest Fronleichnam werden überall in den Städten und Ortschaften Ostwestfalens wie in der übrigen christlichen Welt Heilige Messen und Prozessionen im Freien stattfinden. Es gibt keinen Feiertag, der von christlichen Konfessionen begangen wird, welcher so klar die Öffentlichkeit sucht.

Fronleichnam muss draußen gefeiert werden! In die Kirchen zieht man sich nur notfalls we-gen unzumutbar schlechten Wetters zurück. Fast alle katholischen Gemeinden haben zwar – wie an jedem Sonn- oder Feiertag – noch andere Messen z. B. am Vorabend, alle dort ver-sammelten Gläubigen wissen aber, dass sie nur für jene gefeiert werden, die vielleicht nicht gut genug laufen können oder am eigentlichen Feiertag verhindert sind.
Damit ist klar, dass dieses Fest schon von vorneherein ein Fest gegen einen heute in Deutsch-land sehr verbreiteten Trend ist. Denn gerade in unserem Land möchten sehr viele Gott und den Glauben zu einem Thema der Privatsphäre erklären. Aber weder Gott noch Glauben sind Privatsache!
Denn wenn es Gott gibt, dann gibt es ihn eben für alle und nicht nur für Gläubige. Erlauben Sie einen sicher angreifbaren Vergleich: Genauso wie Luftverschmutzung nicht ein Thema nur für jene ist, welche Allergien haben, sondern für all jene, welche zur Verschmutzung der Luft tatsächlich beitragen, so ist Gott und Gottvergessenheit nicht nur ein Thema für Gläubige und kein Thema für den Privatbereich.
Es geht nämlich alle an, ob der Arbeiterschutz in unserem Land z. B. die Chance lässt, mit anderen Menschen einen Gottesdienst sonntags aufzusuchen. Es geht alle an, ob Menschen das Recht bekommen sollen, Alten und Schwachen oder Ungeborenen das Leben zu verkür-zen. Es geht alle an, ob in unserem Land nur einfach von Werten gesprochen wird, oder ob solche Werte wirklich auf gelebten Überzeugungen beruhen, die ohne die Verantwortung vor einem Gott überhaupt nicht begründbar wären.
Wenn dies aber alle angeht, dann gehört es auch in die Öffentlichkeit. Dann gehört nicht nur die Behauptung, dass es einen Gott gibt, in die Öffentlichkeit, sondern dann gehört die Praxis des Glaubens in die Öffentlichkeit. Praxis des Glaubens ist z. B. Gebet. Praxis des Glaubens ist auch Lob Gottes. Denn Gott ist eben nicht nur Mittel zum Zweck für Menschen, denen ir-gendetwas fehlt. Mittel zum Zweck haben wir in unserer Gesellschaft schon genug. Wie oft werden Menschen, Tiere oder die Schöpfung nur als Mittel zum Zweck für eigene Ziele ange-sehen. Praxis des Glaubens hält dagegen fest daran, dass in einer Stadt, in der alle Menschen das Leben einzig diesem Gott verdanken, dieser Gott auch angemessen lobend öffentlich an-gesprochen werden kann. Da wird dann zu seiner Ehre gesungen und musiziert, ohne dass ir-gendjemand daran wirklich etwas verdienen kann.
Praxis des Glaubens ist auch Dankbarkeit vor dem Leben. Gerade Eltern wissen, dass ihre Kinder Geschenke Gottes sind. Wie vieles geschieht an jedem Ort der Welt ohne Vergütung und Auftrag, wenn Menschen sich umeinander kümmern. Der Reichtum des Lebens in einer Stadt wie Bielefeld mit all dem Engagement von Menschen ist nur möglich, weil Gott diese Menschen schuf und ihnen Gaben verlieh, damit sie sie zum Wohle aller einsetzen.
Fronleichnam ist das Fest, an dem das Lob Gottes in der Öffentlichkeit seinen Platz hat. Es ist das Fest seiner Gegenwart in der Gestalt des Brotes und damit in jenem wunderbaren Zeichen, das Menschen durch Gott Nahrung auf ihrem Weg in die Ewigkeit finden.

markusjacobs

 

 

 

 

DDr. Markus Jacobs
Pfarrer und Leiter des Pastoralverbundes Im Bielefelder Westen

Bildautor: © Klaus Herzog
Bildquelle: www.pfarrbriefservice.de

 

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