Welttag der Kommunikationsmittel

halloWort zum Sonntag, Westfalen Blatt, 7. September 2013

Kürzlich erzählte mir eine Kollegin von jemandem, der sie in Sachen Kontaktsuche um Tipps gebeten hatte. Sein „Freundeskreis“ bei Facebook und Twitter sei schon groß, aber er wolle ihn noch ausweiten: „Kennst du weitere soziale Netzwerke, in denen ich noch Freunde finden kann?“ Die Antwort, ebenso knapp wie treffend: „Versuch’s doch mal mit real life!“

Im Jahr 1967 hat Papst Paul VI. erstmalig einen Welttag der Kommunikationsmittel ausgerufen, der seitdem am zweiten Sonntag im September begangen wird. Damals hatte man Medien wie Telefon, Radio und Fernsehen im Blick. Diese boten schon ungeahnte Möglichkeiten, um zeitnah über große Distanzen hinweg Informationen auszutauschen, Kontakte zu halten, eben zu kommunizieren. Nachbarn versammelten sich bei denen, die den ersten (Farb-) Fernseher ihr eigen nennen konnten, um gemeinsam wichtige Ereignisse der Geschichte zu verfolgen oder sich zusammen unterhalten zu lassen. Aber der Kreis um das Lagerfeuer, an dem man sich früher traf, hatte sich bereits zum Halbkreis um den Fernseher reduziert.  Und heute, über vierzig Jahre später, teilt sich schon kaum mehr jemand den Bildschirm von TV oder Computer mit anderen, um stets für sich selbst die freie Medien- und Programmwahl nutzen zu können. Man  kommuniziert eben lieber alleine mit der Außenwelt, aus der man sich dann aber auch nach freiem Belieben ebenso schnell, wie man sich in sie hinein begibt, wieder zurückziehen kann. Nun meint Kommunikation im Ursprung ja so etwas wie „gemeinsame Verständigung“. Und zweifellos ist das Internet in dieser Hinsicht nicht mehr wegzudenken. Wir sind in der Lage, in Sekundenschnelle unglaubliche Datenmengen auszutauschen. Botschaften, Musik, Bilder, sie alle kreisen um den Erdball. Und doch ist es möglich, dass ein Mensch innerhalb eines Tages mit dem halben Globus kommunizieren und sich dennoch genauso einsam fühlen kann, als wenn er ganz alleine auf dieser Welt wäre. Ich weiß von Menschen, die nur noch über soziale Netzwerke mit anderen in Kontakt treten, weil sie sich der direkten Begegnung mit anderen Menschen nicht mehr gewachsen fühlen, denn im Gegenüber kann man weder aufkommende Emotionen verbergen noch nach Belieben offline gehen. Man riskiert sogar immer, sich dabei verwundbar zu machen. Aber eine Kommunikation, die ausschließlich über zwischengeschaltete Medien geschieht, hat eben auch ihre Schwächen - wie die nette Liebeskomödie  „E-Mail für dich“ zeigt: Kathleen führt in Manhattan einen kleinen Kinderbuchladen, bei dem persönliche Beratung noch großgeschrieben wird. Gegenüber eröffnet Joe einen Buchdiscounter, der ihr Traditionsgeschäft in den Ruin treibt. In ihrer Not wendet sie sich an einen Mann, den sie im Internet beim Chatten kennen gelernt hat und von dem sie nicht ahnt, dass es ihr größter Konkurrent Joe ist. Unter Pseudonymen tauschen die Geschäftsfeinde nun täglich vertrauensvoll E-Mails aus… Der Film wäre keine Liebeskomödie, wenn es nicht ein happy End gäbe, aber nachdenklich macht er schon, und er zeigt – bei allem Gewinn – die Grenzen der technischen Kommunikationsmittel und ihrer sozialen Netzwerke auf. evamarianolteSind diese nun mehr Fluch oder Segen? Entscheiden Sie selbst. Doch ich meine: Kein Medium ist Mittelpunkt. Es bleibt eben immer nur Mittel. Punkt

 

 

Eva-Maria Nolte, Gemeindereferentin im Pastoralverbund Bielefeld Mitte-Ost

Bildquelle: Pfarrbriefservice, © Peter Weidemann

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