Abrahamsfest

Engel der Kulturen SkulpturWort zum Sonntag, Westfalen Blatt, 29.September 2013

Zum dritten Mal findet in den nächsten Wochen in Bielefeld das sogenannte Abrahamsfest statt.
Was bedeutet das?

Abraham gilt den drei großen monotheistischen Weltreligionen als ihr Stammvater.
Abraham war vor allem ein Mensch des Glaubens, das heißt des Vertrauens auf den lebendigen Gott.
Das erweist sich in seiner Lebensgeschichte immer wieder, besonders aber in seiner Berufung: „Der Herr sprach zu Abram:  Zieh weg aus deinem Land, von deiner Verwandtschaft und aus deinem Vaterhaus in das Land, das ich dir zeigen werde. Ich werde dich zu einem großen Volk machen. Ein Segen sollst du sein. Ich will segnen, die dich segnen; wer dich verwünscht, den will ich verfluchen. Durch dich sollen alle Geschlechter der Erde Segen erlangen.
Da zog Abram weg, wie der Herr ihm gesagt hatte.“ (Gen. 12,1-4)

Einfach so? Alles verlassen? Immerhin war er schon 75 Jahre alt. Abraham tat es – und es war ihm nur möglich, weil er Gott Vertrauen schenkte, dass er noch seine Geschichte mit ihm schreiben wollte.

Zu dieser Geschichte gehörte auch die Geburt Ismaels, dessen Mutter nicht die Frau Abrahams war, sondern deren Magd. Da Sarai, Abrahams Frau ihm keine Kinder schenken konnte, forderte sie Abraham auf, zu Haggai, ihrer Magd zu gehen, die schließlich Ismael geboren hat.
Auf diese Sohnschaft beruft sich im weiteren Verlauf der Islam.

Schließlich aber wird auch Abraham und Sarai noch Nachkommenschaft geschenkt. „Abraham und Sara waren schon alt. Sara erging es längst nicht mehr, wie es Frauen zu ergehen pflegt.“ (Gen. 18,11)- Und dennoch sprach der Herr zu Abraham: „In einem Jahr komme ich wieder, dann wird deine Frau Sara einen Sohn haben“ (Gen. 18,10). Gott macht Unmögliches möglich. Schließlich galt diese Verheißung dem Abraham schon vorher: „Ich werde dich zu einem großen Volk machen.“ (Gen. 12,2a).

Abraham, Isaak und Jakob gelten Juden und Christen als die Ur-Väter der Glaubensbeziehung zu Gott.

Aber können diese drei Religionen wirklich zusammen feiern? Ihre Geschichte war über große Strecken mehr eine Unheils- und Schreckensgeschichte als eine Geschichte des Heils. Unterdrückungen und blutige Kriege zeichnen ein erschütterndes Bild und auch heute erscheint der Umgang miteinander häufig als andere als friedlich und ebenso häufig wird er geprägt durch Vorurteile.

Das Zweite Vatikanische Konzil sagt nicht ohne Grund in der Erklärung „Nostra Aetate“,  die von dem Verhältnis der Kirchen zu den nicht-christlichen Religionen handelt: „Die Kirche verwirft jede Diskriminierung eines Menschen oder jeden Gewaltakt gegen ihn um seiner Rasse oder Farbe, seines Standes oder seiner Religion willen, weil dies dem Geist Christi widerspricht.“

„Nostra Aetate“ schreibt über den Islam: „Mit Hochachtung betrachtet die Kirche die Muslime, die den alleinigen Gott anbeten, den lebendigen und in sich seienden, barmherzigen und allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde, der zu den Menschen gesprochen hat. Sie mühen sich, auch seinen verborgenen Ratschlüssen mit ganzer Seele zu unterwerfen, so wie Abraham sich Gott unterworfen hat. Jesus, den sie allerdings nicht als Gott anerkennen, verehren sie doch als Propheten, und sie ehren seine jungfräuliche Mutter Maria, die sie bisweilen auch in Frömmigkeit anrufen.“

Ein großer Abschnitt ist dem Judentum gewidmet. Einer der Sätze lautet: „Da das Christen und Juden gemeinsame geistliche Erbe so reich ist, will die Heilige Synode die gegenseitige Kenntnis und Achtung fördern, die vor allem die Frucht biblischer und theologischer Studien sowie das brüderliche Gespräch sind.“

Können die drei monotheistischen Religionen miteinander ein Abrahamsfest feiern?
Ja, bei allen sicherlich auch großen theologischen Unterschieden. In Bielefeld geht es in diesen Wochen jedoch nicht um theologische Auseinandersetzung, sondern um Kennenlernen, Begegnungen, Einladungen, kulturellen und religiösen Austausch. Es geht um Wertschätzung und in allem schließlich um den Frieden zwischen den Menschen in unserer Stadt.

Informieren Sie sich also (z.B. im Internet: www.bielefelder-abrahamsfest.de) und besuchen Sie die ein oder andere Veranstaltung des Bielefelder Abrahamsfestes.

 

 

Klaus Fussy
Dechant und Leiter des Pastoralverbundes Schildesche-Jöllenbeck

 


Bildquelle: Carmen Dietrich und Gregor Merten

 

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