Ich bin dann mal da

wandern-pilgernWort zum Sonntag, Westfalen Blatt, 20.Oktober 2013

So kurz vor den Herbstferien unterhalten sich viele untereinander über Möglichkeiten auch bei nicht so gutem Wetter dem Alltag zu entfliehen.

Neben den gewöhnlichen Urlaubszielen an die See, noch einmal in die Sonne oder den kulturellen Angeboten vor Ort lockt es erstaunlich mehr und mehr Menschen in die Abgeschiedenheit eines Klosters oder auf Pilgerwege. Getreu dem Bestseller von Hape Kerkeling: “Ich bin dann mal weg“ sind viele neugierig auf das ganz andere Leben in Stille, Abgeschiedenheit und Zeit für sich selbst.
Viele suchen eine Möglichkeit zur Ruhe zur kommen, das Leben neu zu ordnen und zu überprüfen,ob ihr Glauben, ihre Beziehung zu Gott für sie noch tragfähig sind.
In einem Kloster oder auf einer Pilgerreise helfen den Menschen dabei besonders die andere Tagesstruktur und die Gebetszeiten.
Auch in den Evangelientexten der letzten Sonntage und dieses Sonntags geht es um die Frage nach dem Gebet und die Erhörung durch Gott – also unserer Verbindung zu Gott.
An diesem Sonntag gibt Jesus im Evangelium (Lk18,1-8) in einer Parabel eine Antwort darauf. Er vergleicht die Betenden und ihre Bitte um Gottes Hilfe mit einer Witwe, die einen ablehnenden Richter so lange bedrängt ihr Recht zu verschaffen, bis dieser schließlich einwilligt.V.7-8a:“Sollte Gott aber nicht seinen Auserwählten Recht schaffen, die Tag und Nacht zu ihm schreien und wird er ihnen gegenüber auf sich warten lassen? Ich sage euch: er wird ihnen rasch Recht schaffen.“
Diese Worte sollten uns Mut machen tatsächlich unser Leben in Ruhe neu zu sortieren und eine Gebetskultur einzuüben, die eine Verbindung zu Gott intensivieren und neu beleben kann.
In meinen Vorbereitungsgruppen zur Erstkommunion haben die Kinder mit ihren Eltern und uns Begleitern das Beten in den letzten Wochen wieder in kleinen Schritten eingeübt. Die Familien und vor allem die Kinder haben dabei hautnah erfahren, wie wohltuend die notwendigen Rahmenbedingungen für ein intensives Beten für sie sein können:
Sich Zeit nehmen, Stille aushalten, eine bewusste Gebetshaltung einnehmen, eigene Gebetsanliegen spüren und formulieren.
Die Kinder sagten dann wie ganz selbstverständlich: “Ich spreche regelmäßig mit Gott“
Sie haben gar keine Zweifel daran, dass ihre Anliegen gehört werden und sie ein hörendes und sie tragendes Gegenüber haben.
Vielleicht gelingt vielen Menschen in ihrer Auszeit in einem Kloster oder auf einer Pilgerreise gerade dies: Rahmenbedingungen für ein gelungenes Gebet zu schaffen und so Gott wieder zu hören und ihn tatsächlich wahrzunehmen.
Aber wofür tun das die Menschen in unserer so aufgeklärten Welt?
Antworten könnten sein:
Dem Alltag entfliehen, zur Ruhe kommen, Stressabbau, Glaubensüberprüfung, Seelenbalsam.
Das ist sicherlich in unserer Zeit für das Wohlbefinden jedes Einzelnen nicht falsch, schließlich öffnen auch immer mehr „Wellnessklöster „ ihre Pfoten und kommen so dem Trend nach einem bewussten Leben mit gesunder Lebensweise, in der Fitness körperlicher und seelischer Natur nicht fehlen dürfen nach.
Was geschieht aber nach unserem Urlaub/unserem Klosteraufenthalt? Kehren wir als veränderte Menschen zurück, die nun ihren Alltag neu sortiert haben und mit mehr Gelassenheit und Gottvertrauen durch ihr Leben gehen?
Dass diese Veränderung oft nur ein paar Wochen anhält werden die meisten erleben müssen, die nicht mit der Offenheit der Kinder gesegnet sind, die sich tatsächlich noch ganz natürlich Gott gegenüberstellen können. Vielleicht würde all denen, die sich für diese Ferien vorgenommen haben dem Alltag zu entfliehen die Haltung der Witwe in der Parabel des Sonntagsevangeliums helfen, die sich nicht vornimmt ihr Leben zu ändern, sondern, die sich mit einer konkreten Bitte an Gott wendet und nicht locker lässt, bis sie ihr Ziel erreicht hat.
Wenn wir es schaffen in der Zeit der Ruhe und intensiveren Verbindung zu Gott einen Aspekt unseres Lebens genauer zu verfolgen, dann gelingt es uns nach er Einkehr vielleicht auch zu sagen: „Ich bin dann mal da“, mit einem Blick für das Wesentliche, vielleicht auch nicht nur mit einem Blick auf mich selbst, sondern auch auf die, die unseren Blick und unsere Tat nötig haben!

Eine schöne Auszeit!ankewienhues
wünscht

Anke Wienhues

 

 

Anke Wienhues
Gemeindereferentin im PV Schildesche-Jöllenbeck

 

Bildautor: © CC-0 (gemeinfrei) Quelle: pixabay.com
Bildquelle: www.pfarrbriefservice.de

 

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