„Wozu bist du da Kirche“ –

Kirche offenWort zum Sonntag, Westfalen Blatt, 14. Dezember 2013

das ist die entscheidende Frage, die wir uns stellen und beantworten müssen in diesen Umbruchzeiten der Kirche.
Wozu sind wir Christen da?

Es wäre schlimm, wenn wir eines Tages aufwachten – und niemand fragte mehr nach uns.
Die Kirchen erleiden schon jetzt einen Bedeutungsverlust in unserer Gesellschaft. Ebenso schlimm wäre es, würden wir in diesem Land zu einer sektenähnlichen Randgruppe.
Denn das sind wir nicht. Was Christen zu sagen haben, ist nicht irgendwas und nicht ohne Bedeutung.

Neulich las ich in einem Kommentar: „Seelsorge, Diakonie und die Hinwendung zum Menschen – also Dienstleistungen im besten Sinne sollten beide Kirche in den Vordergrund stellen. Denn das können sie.“
Offensichtlich sind wir da gefragt.

Wozu sind wir da?
Jesus hat sehr klar gesagt, wozu er gekommen ist. „Der Menschensohn ist gekommen, um zu retten, was verloren ist.“ (Lk 19,10)
Dann kann es nicht anders sein, als dass auch das unser Auftrag ist. Sicherlich können wir nicht alles retten, weil wir nicht die Retter der Welt sind wie Jesus, aber wir sind Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter am Reich Gottes. Und da gilt es schon, zu suchen, was verloren ist und dahin zu schauen, wo Menschen auf der Strecke bleiben, wo sie mit ihrem Leben nicht mehr klarkommen.
Mir scheint, das ist ein Grundauftrag der Kirche und der Christen, weil es im Evangelium angelegt ist. Es wird uns geradezu zugesagt: „Ihr seid das Salz der Erde – ihr seid das Licht der Welt.“ (Mt 5,13-14)

Erde und Welt verweisen darauf: nicht für uns selbst sind wir Kirche, wir sind Kirche für andere.
Trotz allem Guten, das geschehen ist in unseren Gemeinden, mir scheint, das haben wir in den letzten Jahrzehnten in unseren Pfarrgemeinden etwas vernachlässigt.

Andrea Riccardi, der Gründer der kath. Basisbewegung Sant’ Egidio formuliert sogar: „Der Rückzug in die Innenwelt ist eine typische Haltung unserer Zeit, verbreiteter als man manchmal glaubt. Dies offenbart einen Mangel an Hoffnung.“

Auch Papst Franziskus formuliert solche Gedanken immer wieder. In der Chrisammesse am Gründonnerstag dieses Jahres sagte er: „So müssen wir hinausgehen in die Randgebiete, wo Leiden herrscht, Blutvergießen, Blindheit, die sich danach sehnt, zu sehen, wo es Gefangene so vieler schlechter Herren gibt.“

In dem großen Interview, das er einigen Jesuitenzeitschriften gab, formulierte er dies so. „Die Kirche ist das Haus aller, keine kleine Kapelle, die nur ein Grüppchen ausgewählter Personen aufnehmen kann. Wir dürfen die Kirche nicht auf ein schützendes Nest unserer Mittelmäßigkeit reduzieren …. Statt nur eine Kirche zu sein, die mit offenen Türen aufnimmt und empfängt, versuchen wir eine Kirche zu sein, die neue Wege findet, die fähig ist, aus sich herauszugehen und zu denen, die nicht zu ihr kommen.“

„Wozu bist du da, Kirche?“
Diese wesentliche Frage gilt es zu beantworten.
„Es braucht Mut und Kühnheit“, sagt der Papst.
Es braucht den Glauben und das Vertrauen an einen Gott, der mit uns geht und der uns Zukunft und Hoffnung gibt.

 

 

 

Klaus Fussy
Dechant und Leiter des Pastoralverbundes Schildesche-Jöllenbeck

 


Bildquelle: Pfarrbriefservice © Bernhard Riedl

 

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