Auf der Suche nach der heiligen Familie

SterneWort zum Sonntag, Westfalen Blatt, 29. Dezember 2013

Eine Begebenheit, die sich in diesem Jahr auf dem Weihnachtsmarkt in Bielefeld ereignet hat:
Ein Reporter spricht dort eine Mutter mit ihrem Kind an, ob er sie wohl für die Zeitung fotografieren dürfe.

Die Beiden sind fast etwas stolz, so in die Zeitung zu kommen. Dann fügt er jedoch hinzu, er brauche auch den Vater auf dem Foto. Die plötzlich aufschießenden Tränen des Jungen verraten, dass hier der Vater nicht nur mal gerade zufällig nicht mit dabei ist. – Aus dem Foto wird nichts.

Welche Sehnsüchte, oder Klischees soll der Reporter hier erfüllen? Sehnsüchte könnten uns tatsächlich beflügeln, doch erdachte Klischees engen ein!
Heute am Sonntag der Heiligen Familie fällt mir auf, dass wir alle – und in der Weihnachtszeit noch viel mehr- dazu neigen unsere Vorstellungen von einer „perfekten Familie“ Realität werden zu lassen. Und wenn wir an diesen scheitern, wird uns dies ganz besonders schmerzhaft bewusst:
Da soll die Feier besonders schön und stimmungsvoll werden, alles ist bis ins Detail geplant und vorbereitet, aber dann möchten die einen gerne Weihnachtslieder singen, die nächsten sofort die Geschenke auspacken, manchen ist der Trubel sowieso zu viel und sie hätten gerne ihre Ruhe – der Ärger ist vorprogrammiert. Es wurde darüber nachgedacht, wie alle Verwandten gleichmäßig zeitlich bedacht werden können, aber dann fühlt sich doch jemand benachteiligt. Es bestand vielleicht die Hoffnung, dass gerade zu Weihnachten eine lang ersehnte Versöhnung gelingen möge, aber sie schlägt fehl.

Wir glauben zu wissen, wie wir der Heiligen Familie zu entsprechen haben, dafür haben wir ganz feste Bilder im Kopf, wir suchen wie der Reporter die „Heilige Familie“ hier bei uns, wir wollen sie „machen“, und wie der Reporter bei dem Kind fügen wir dabei häufig ungewollt anderen und uns selbst Schmerz zu.

Wenn wir aber tatsächlich auf die biblische Heilige Familie schauen, so sehen wir gerade nicht das, was wir uns selbst als Bild erdacht haben. Jesus wird gerade nicht in eine „heile Familie“  hineingeboren. Die familiären Umstände sind schwierig! Maria ist jung und Josef, mit dem sie noch nicht verheiratet ist, weiß zunächst noch nicht, ob er bei ihr bleiben soll. Sie werden politisch vom Kaiser verfolgt, bringen in ärmlichsten Verhältnissen ihr Kind zur Welt.
All dies zeigt, dass Gott sich mit uns Menschen in allen Lebenslagen solidarisiert, sich nicht in der Perfektion, sondern gerade im Leid zeigt. Hieran können wir uns im Weihnachtsgeschehen orientieren, an einem Kind welches in einer nicht unproblematischen Familie heranwächst, dessen Geburt wir Weihnachten gefeiert haben und das uns Bruder und Freund geworden ist. Deswegen sind wir alle in diesem Ereignis in eine größere Familie aufgenommen.
So dürfen wir  uns an allem freuen, was wir an Schönem, Bereicherndem in unserer kleinen Familie erleben, aber wir können auch das Unvollkommene besser ertragen. Wir müssen es nicht aus eigener Kraft vollkommen „machen“ wollen, wir müssen erst recht nicht irgendwelche Klischees erfüllen. Das Wissen darum – aus biblischen Weihnachtsgeschehen heraus – kann Tränen trocken
wünscht sich am Sonntag der Heiligen Familieankewienhues


Anke Wienhues

 

 

Anke Wienhues
Gemeindereferentin im PV Schildesche-Jöllenbeck

 

Bildautor: © Peter Weidemann
Bildquelle: www.pfarrbriefservice.de

 

Drucken E-Mail

Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Einige von ihnen sind essenziell für den Betrieb der Seite, während andere uns helfen, diese Website und die Nutzererfahrung zu verbessern (Tracking Cookies). Sie können selbst entscheiden, ob Sie die Cookies zulassen möchten. Bitte beachten Sie, dass bei einer Ablehnung womöglich nicht mehr alle Funktionalitäten der Seite zur Verfügung stehen.