Unverwechselbar !?

mann und frau by peter weidemann pfarrbriefserviceWort zum Sonntag, Westfalen Blatt, 26. April 2014

Woran erkennen Sie ein Ihnen bekanntes Musikstück wieder? An der Melodie, dem Rhythmus, der Gesamtkomposition. So ist es auch mit Unverwechselbar ?!uns vertrauten Menschen. Durch ihr Aussehen, ihre Bewegungen, ihre Stimme, ihre Aura sind sie unverwechselbar.

Vertraute(s) können wir also an der Gesamtheit bestimmter Merkmale erkennen. Aber wie ist es dann möglich, dass die engsten Jünger/innen Jesu – laut den Osterberichten der Evangelien - nach der Auferstehung ihrem Meister begegnen und ihn nicht erkennen? Sie waren ihm doch mit ganzem Herzen nachgefolgt; er war ihnen vertraut wie keiner sonst. Als aber Maria Magdalena am leeren Grab den Auferstandenen trifft, glaubt sie gar, er sei der Gärtner der Grünanlagen. Die beiden Jünger auf dem Weg nach Emmaus halten ihn ebenfalls für einen Fremden, obwohl der kilometerweit mitgeht und ihnen lang und breit die Heilige Schrift erklärt.  Unweigerlich fragt man, wie das überhaupt passieren kann. Aber gibt es denn überhaupt klare Erkennungszeichen?
Die Magdalenerin merkt erst, wer vor ihr steht, als der Auferstandene sie draußen vor dem Grab unverwechselbar mit Namen anspricht. Den beiden „Emmausjüngern“ gehen endlich die Augen auf, als er mit ihnen das Brot bricht. Und wenn wir auf das ganze Leben Jesu schauen, so entdecken wir von Anfang an Zeichen, durch die der Sohn Gottes sich zu erkennen gibt – aber immer sind da sowohl die, welche diese Zeichen verstehen, als auch solche, die sie nicht erkennen. Die einen verehren sogleich das Baby in der Krippe als den Heiland, die anderen trachten ihm bereits nach dem Leben. Die einen folgen ihm nach, als sie ihn heilen sehen. Die anderen beschließen genau deshalb, den gesetzesbrüchigen Gotteslästerer zu töten. Jesus selbst spürt, wie unterschiedlich die Menschen ticken, wie leicht es den einen fällt und wie schwer den andern. Wohl deshalb fragt er nach der „wunderbaren Brotvermehrung“ seine Jünger: „Für wen halten mich die Leute?“ Gleich dem Spektrum von Antworten bei einer Meinungsumfrage erfährt er: die einen für den wiedergekommenen Elija, andere für Johannes den Täufer, weitere für jemand ganz anderes. Nur Petrus bekennt ihn schon als den Messias Gottes, den Retter. Hat er bereits  verstanden?
Auf unsere Anfangsfrage, woran Christus denn nun zu erkennen ist, hat einer schon seine Antwort gefunden, nämlich der „ungläubige Thomas“. Er hatte zunächst einfach Pech, dass er nicht dabei war, als Christus den Aposteln erschien und fordert das, was ihm Glaubensgewissheit gibt, jetzt ganz selbstverständlich  ein: „…wenn ich meinen Finger nicht in die Male der Nägel und meine Hand nicht in seine Seite lege, glaube ich nicht.“ Und tatsächlich: Der Auferstandene erscheint noch einmal. Diesmal ist Thomas dabei und darf sich selbst überzeugen: Christus ist auferstanden, und die Spuren seiner Verwundungen sind zwar verheilt, aber noch sichtbar. Sind sie, die Wundmale, tatsächlich das Erkennungszeichen dessen, der sich ja von Anfang an in dieser Welt verletzbar gezeigt hat? Und ausgerechnet der „Ungläubige“ sollte das erkannt haben?!Eva-Maria Nolte 2013

 

 

 

Eva-Maria Nolte, Gemeindereferentin im Pastoralverbund Bielefeld Mitte-Ost

Bildquelle: Pfarrbriefservice, © Peter Weidemann

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