Christi Himmelfahrt

Kondesstreifen--03 by Martin Manigatterer pfarrbriefserviceWort zum Sonntag, Westfalen Blatt, 29.Mai 2014

Lautstark, heftig und emotional reagieren – das heißt heute im Jugendjargon „voll austicken“ oder „sich tierisch aufregen“.

Früher hätte man gesagt: „Da bin ich aus der Haut gefahren!“. Ich vermute, dieses anschauliche Bild kommt aus den Märchen. Da kommt es vor, daß der Teufel jemandem in einer aussichtlosen Situation seine Hilfe anbietet – um den Preis der Seele des Betroffenen. Wenn sich der aber nach erfolgter Hilfe als pfiffiger erweist, den Teufel austrickst und ihn erfolgreich um seinen Lohn bringt, dann gibt sich dieser zu erkennen, weil er die menschenfreundliche Verkleidung fallen läßt und wütend „aus der Haut fährt“. - Der prächtige Antwerpener Altar in der Altstädter Nicolaikirche scheint uns etwas Ähnliches zu zeigen: Rechts oben sieht man Jesus entschwinden – nur die Füße ragen noch aus der Wolke. Christi Himmelfahrt – Jesus fährt aus der Haut?!? Ja und Nein: Ja, das Fest meint: Jesus läßt seine menschlich wahrnehmbare Gestalt zurück. Nein, er fährt nicht enttäuscht und tobend aus einer menschlichen Verkleidung heraus in den Himmel hinein. Aber was und wie denn dann? Mit der Grablegung am Karfreitag ist das menschliche, irdische Leben Jesu, des Zimmermannssohnes aus Nazareth, zu Ende. Aber am Ostermorgen geschieht etwas, was es so vorher und nachher nicht mehr gegeben hat. Ostern geschieht Auferweckung:  Jesus wird neu erfahrbar, erlebbar als der, den Gott auferweckt hat von den Toten. Die große Mühe der Jünger ihn zu erkennen, zeigt, wie anders diese Weise ist, ihn zu erleben, als vorher. Aber auch diese Zeit nach dem Osterereignis, in der die Jünger Jesus Christus als besonders nah erleben, geht zu Ende. Jesus kehrt zurück in die Welt Gottes, aber er verspricht: ‚Ich lasse euch nicht als Waisen zurück. Ich schicke euch einen Beistand, der bei euch  bleiben wird.‘ (vgl. Joh 14, 12.18; 16,7) Das ist der Inhalt des Festes Christi Himmelfahrt. Vielleicht hätte man es besser „Christi Heimkehr“ genannt. Anders, als es bei den Künstlern des Bielefelder Schnitzaltars möglich war, hat es sich im Zeitalter der Raumfahrt auch bei den Frommen herumgesprochen, daß man Jesus mühelos im Weltraum ausmachen könnte, wenn er tatsächlich etwa mit Lichtgeschwindigkeit in den Weltraum gestartet sein sollte (Was sind schon gut 2000 Lichtjahre?) Was aber haben wir noch von ihm, wenn er heimgekehrt ist? - Sein Wort, das unser Leben verändert, wenn wir es umsetzen. Sein Lebensbeispiel, das wir nachahmen können (z. B. die Fußwaschung). Seine Vergebungsbereitschaft und Liebe zu den Menschen. - Also: aus der Haut fahren? Nein! Aber das Schneckenhaus verlassen, um auf andere zuzugehen, das wäre schon was …

Pfarrer Bernhard Brackhane Foto Westfalen Blatt

Einen frohen Feiertag in netter Gesellschaft wünscht Ihnen
Pfr. B. Brackhane

 

 

 

Bernhard Brackhane
Pfarrer und Leiter des Pastoralverbundes Bielefeld-Ost

Foto: Pfarrbriefservice, © Martin Manigatterer

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