Was gehört ins Notgepäck?

021 by Marc Urhausen Luxemburg pfarrbriefservice.deWort zum Sonntag, Westfalen Blatt, 26. Juli 2014

Koffer packen und Sommer – das gehört für uns fast untrennbar zusammen, denn in keiner anderen Jahreszeit reisen wir so gerne.

Wir überlegen, was unbedingt ins Gepäck hineingehört und wägen ab, was noch hinein kann, wenn am Ende Platz übrig bleibt - damit der Urlaub auch wirklich gelingt. Und bis wir das eigene Gepäckstück am Zielort in Empfang genommen haben, quält uns die leise Sorge, ob es denn auch wirklich angekommen sei. Kürzlich erzählte mir eine Bekannte, die als medizinische Fachkraft bei einem Notfall-Auslandseinsatz beteiligt war, dass sie nach der Ankunft vor Ort tatsächlich vergeblich auf ihr Gepäck wartete. Das kam nämlich nicht an. Da stand sie im Katastrophengebiet – nur mit dem, was sie auf dem Leib trug. Selbstmitleid half da nicht weiter, und so wurde ihr stückweise aus den Koffern der Kollegen ausgeholfen – mit Herrenunterwäsche und anderen Not-wendigkeiten. Manchmal muss man eben auf das Wesentliche schauen. Insgeheim gehen wir natürlich davon aus, dass dieser Fall nicht eintritt – jedenfalls nicht so schnell und nie bei uns. Kürzlich hörte ich im Radio allerdings einen Beitrag, in dem die Bürgerinnen und Bürger gefragt wurden, wer von ihnen denn zuhause stets einen „Notkoffer“ fertig gepackt bereitstehen habe, den man sich im Notfall, wenn hinter einem „das Haus brennt“, nur noch schnell schnappen müsse – mit allem darin, was man unbedingt zum (Über-) leben braucht. Erstens war ich erstaunt, dass viele Leute offenbar tatsächlich ihr Notgepäck ständig griffbereit halten. Zweitens habe ich mich gefragt, was ich selber hineinpacken würde. Und Sie, liebe Leserin, lieber Leser? Gehören Sie zu denen, die bereits vorgesorgt haben? Was liegt auf jeden Fall in Ihrem Notgepäck? Papiere, Geld, Wertsachen und Schmuck, persönliche Fotos, die externe Festplatte mit allen Daten des Computers, Ersatzwäsche, …??? Mal ehrlich, ob mit oder ohne Notkoffer – welcher ist Ihr größter Schatz, für den Sie notfalls alles andere zurückließen? Woran hängt Ihr Herz? Dieser Frage müssen wir uns wohl stellen, wenn wir an diesem Sonntag in den katholischen Kirchen folgendes Doppelgleichnis (Matthäusevangelium 13,44-46) hören, in dem Jesus - wie so oft - das Himmelreich in zeitgemäß lebensnahen Bildern verkündet: Da entdeckt ein Mann in einem Acker einen Schatz und macht daraufhin alle seine Habseligkeiten zu Geld, um diesen einen „Schatzacker“ kaufen zu können. Auch hören wir von einem Kaufmann, der alles andere veräußert, um eine ganz besondere Perle erstehen zu können. Aber Jesu Absicht kann es wohl kaum sein, dazu zu ermutigen, immer noch wertvollere Sachwerte anzulegen. Es geht einzig und allein um die Frage, was mir wertvoll, ja, was mir gewissermaßen heilig ist. Da bleibt kein Platz mehr für Kompromisse (so wertvoll sie sonst sind) und kein Raum mehr für das, was auch noch ganz gut und sinnvoll sein könnte, sondern nur die Frage „Woran hängt mein Herz?“ Sich ihr ernsthaft zu stellen, ist eine persönliche Herausforderung. Sie beantworten zu können, wohl eher ein Prozess – oder auch ein Geschenk.Eva-Maria Nolte 2013

 

 

 

Eva-Maria Nolte, Gemeindereferentin im Pastoralverbund Bielefeld Mitte-Ost

Bildquelle: Pfarrbriefservice, © Marc Urhausen

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