„Du sagst es. Ich bin ein König“

Ein Mensch hält eine Krone in den ArmenWort zum Sonntag, Westfalen Blatt, 22. November 2014

Während diese Zeilen entstehen, wird im Radio der Besuch des spanischen Königs Felipe angekündigt – schon für die übernächste Woche.

Etwas in der Schwebe bleibt alles noch, denn die Nachricht ist vorerst nicht offiziell bestätigt, aber ein König bei uns zu Besuch, das wäre schon etwas Besonderes.
Anno 1925 installiert Papst Pius XI. das Christkönigsfest, das an diesem Sonntag, inzwischen immer am letzten vor dem 1. Advent, von den katholischen Gläubigen gefeiert wird. Kurz nach dem Untergang von Königs- und Kaiserreichen setzt die Kirche damit ein deutliches Zeichen gegen den säkularen Führerkult, schließlich auch gegen die Ideologie des Nationalsozialismus. Es ist das Fest der einzig wahren Königsherrschaft Christi, vor der die weltlichen Monarchien keinen Bestand haben. Später, nach dem zweiten vatikanischen Konzil, steht mit der Verehrung Christi als König allerdings weniger der politische als vielmehr der heilsgeschichtlichen Akzent im Vordergrund.
Aber was ist überhaupt das Königliche an diesem Christus, der so „unköniglich“ am Kreuz stirbt? Die Frage des Pilatus, ob er denn nun ein König sei, beantwortet Jesus mit „Du sagst es. Ich bin ein König“ Aber sein Königtum sei nicht von dieser Welt. Kaum ausgesprochen, erscheint er tatsächlich alles andere als machtvoll: Anstelle der Herrscherkrone drückt man ihm eine Dornenkrone auf: „Heil dir König der Juden“. Und fortan zeigt sich der König nur noch ohnmächtig: Weder das Gespött der Peiniger, noch das Kreuz scheint er verhindern zu können. Was macht nun sein König-Sein aus? Anscheinend ist er nicht „voll Macht“, aber er hat die „Vollmacht“ – zu richten, aufzurichten. Das Evangelium quillt ja davon über, wie er seinen ganzen Reichtum einsetzt, seine grenzenlose Liebe, um die zu beschenken, die ihn am meisten brauchen.
Ein Märchen erzählt von einem König, der ankündigte, die Menschen in seinem Land zuhause zu besuchen. Da niemand wusste, zu wem er kommen würde,  begannen alle, sich emsig vorzubereiten, denn der König sollte sie von ihrer besten Seite sehen. Inmitten des Aufräumens klopfte es an der Tür eines Bauernhofes. Rasch brachte die Hausfrau alles, was den guten Eindruck stören würde, in den hinteren Anbau, auch die bereits zittrig gewordene Großmutter. Als die Bäuerin nun das Tor öffnete, sah sie einen lumpigen Bettler draußen stehen, der sie um etwas zu essen bat. „Ausgerechnet jetzt, wo wir den König erwarten.“ Und sie verwies ihn der Tür. Großmutter, die den Eingang vom Fenster aus beobachtet hatte, lud ihn zu sich in die Kammer ein, teilte mit ihm, was sie dort hatte, und sie sprachen lange miteinander. Bevor der Bettler ging, gab er ihr ein Päckchen – zum Andenken an ihn. Beim Öffnen fand sie darin ein Bild – mit dem Gesicht des Bettlers. Aber auf dem Kopf trug er eine Krone. „Der König hat mich besucht – als Bettler verkleidet – mich, hier in meinem Stübchen!“ Großmutter freute sich so laut, dass die Bauersleute herbeiliefen. „Der König war bei mir, seht!“ Die beiden erblassten: „Bei dir? Und nicht bei uns?!“
Mit dem Christkönigsfest feiern wir tatsächlich einen König, dessen Reich(tum) nicht von dieser Welt ist. Denn der lässt sich und sein Kommen nicht be-rechnen, wenngleich wir mit ihm rechnen dürfen – vielleicht sogar schon bald.Eva-Maria Nolte 2013

 

 

 

Eva-Maria Nolte, Gemeindereferentin im Pastoralverbund Bielefeld Mitte-Ost

Bildquelle: Pfarrbriefservice, © Johannes Simon

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