Nur für heute

104 1159 by UHeBro pfarrbriefservice.deWort zum Sonntag, Westfalen Blatt, 17. Januar 2015

Das neue Kalenderjahr ist gerade mal siebzehn Tage alt, knapp fünf Prozent des gesamten Jahres sind also erst vergangen, ...

... und dabei sind vermutlich schon die allermeisten der für 2015 fest gefassten Vorsätze auf der kurzen Strecke geblieben: auf gesündere Ernährung zu achten, Stress abzubauen, aktiv Sport zu betreiben, sich mehr Zeit für dies und jenes zu nehmen und, und, und …
Nun können wir konsequenterweise folgern:
a) Die Vorsätze  und ihre Ideen waren schon im Ansatz viel zu umfangreich, um sie realisieren zu können, so dass wir sogleich in eine Art „Gute-Vorsätze-Depression“ verfallen sind, die uns mut- und antriebslos macht.
b) Es ist weniger frustrierend und daher besser, sich in Zukunft erst gar nichts mehr vorzunehmen, weil es sowieso nicht zu schaffen ist, die „guten Entschlüsse“ in die Tat umzusetzen, die uns außerdem nur unnötig unter Druck setzen, was unseren dauergestressten Nerven nicht guttut. Und gerade die wollen wir doch entlasten.
Der eine oder die andere mag aus den genannten Gründen auch schon gar keine Vorsätze mehr gefasst haben und ist einfach mit einem „guten Rutsch“ ins neue Jahr geglitten.
Wenngleich Johannes XXIII. (Papst von 1958-1963) uns "Heutigen“ kein Zeitgenosse mehr ist, behält sein Leitwort „Aggiornamento“  (das am ehesten mit  „Verheutigen“ von Kirche und Glauben zu übersetzen ist) nach wie vor seine Aktualität. Von ihm stammen die „Zehn Gebote der Gelassenheit“, welche wohl mehr als „gute Vorsätze“ denn als Gebote zu verstehen sind. Allein die Fülle und Gesamtheit aller 10 aufgeführten Punkte könnte den Leser sogleich wieder mutlos machen, wenn nicht jeder der Vorsätze mit dem kleinen „Vor-satz“ „nur für heute“ begänne. So lesen wir gleich unter Punkt 1: „Nur für heute werde ich mich bemühen, den Tag zu erleben, ohne das Problem meines Lebens auf einmal lösen zu wollen.“  Oder unter Punkt 5: „Nur für heute werde ich zehn Minuten meiner Zeit einer guten Lektüre widmen; wie die Nahrung für das Leben des Leibes notwendig ist, ist die gute Lektüre für das Leben der Seele notwendig.“
„Nur für heute“ heißt eben nicht „für alle Tage“. Und ein „Nur für heute“ könnte tatsächlich die Gelassenheit schaffen,  mit der es uns gelingen kann, in kleinen Schritten unser Leben und ein bisschen die Welt zu verbessern.  Bemerkenswert ist übrigens auch Nummer 10 der genannten Punkte von Johannes XXIII.: „Nur für heute werde ich keine Angst haben. Ganz besonders werde ich keine Angst haben, mich an allem zu freuen, was schön ist, und an die Güte zu glauben. Mir ist es gegeben, das Gute während zwölf Stunden (wenn man die Zeit des Schlafens großzügig abzieht) zu wirken.“
Glücklicherweise ist es noch lange nicht zu spät für gute Vorsätze im neuen Jahr. Sie selber haben noch 348mal die Chance, sich „nur für heute“ etwas vorzunehmen. Eine wunderbare Gelegenheit, die nächsten Monate Lebenszeit vielfältig und auch erfolgreich zu gestalten!Eva-Maria Nolte 2013

 

 

 

Eva-Maria Nolte, Gemeindereferentin im Pastoralverbund Bielefeld Mitte-Ost

Bildquelle: Pfarrbriefservice, © UHeBro

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