Heilig-Geist-Löcher

offenes fenster by peter weidemann pfarrbriefserviceWort zum Sonntag, Westfalen Blatt, 16. Mai 2015

„Zwischen Christi Himmelfahrt und Pfingsten“

Auch, wenn vielen Zeitgenossen „Vatertag“ eher ein Begriff ist als „Christi Himmelfahrt“, lohnt es sich, genauer über das letztgenannte gerade erst begangene Fest nachzudenken, weil es nämlich keinen Zweifel mehr daran lässt, wohin Jesus gehört, woher er kommt und wer er ist. Trotzdem ist „die Himmelfahrt ihres Meisters“ für die Jünger Jesu sicher nicht nur Anlass zum Jubeln, bedeutet sie doch erneuten „Abschied“, denn kaum ist Christus von den Toten auferstanden, zeichnet sich ab, dass er hier bei den Menschen so nicht bleiben kann.
Als Maria Magdalena dem Auferstandenen begegnet, will sie ihn wohl vor Freude umarmen, um ihn bloß nicht wieder gehen zu lassen. Aber der lässt sie nicht, entzieht sich ihr wieder: Maria, halt mich nicht fest!  
Das kennt jeder: Den Schatz, das Liebste oder gar den Liebsten festhalten wollen - wie das Kind, das seinen Lieblings-Teddy an sich presst, wie der Kranke, der sich an die Hand eines Tröstenden klammert. Einen geliebten Menschen drücken wir zum Abschied und lassen ihn kaum wieder los – außer es ist ein zeitnahes Wiedersehen in Sicht.  Und wenn die Jünger Jesu glauben könn(t)en, dass der Auferstandene sein Versprechen „Ich bleibe bei euch alle Tage…“ hält, dann könn(t)en sie ihn getrost „in den Himmel fahren lassen“.
Es gibt einen – in unseren Augen vielleicht allzu anschaulichen - Brauch, der seine Ursprünge im Mittelalter hat und hier und da heute wieder auflebt:  In manchen alten Kirchen findet man ein meist kunstvoll verziertes Loch im Gewölbe über dem Altarraum. Das, was zunächst einfach zur Belüftung der Kirche gedacht war, wurde schließlich zum „Heilig-Geist-Loch“ erklärt.  Zum Fest „Christi Himmelfahrt“ ließ man auf illustrative Weise eine Christusfigur durch dieses Loch „in den Himmel“ entschwinden. Bald darauf, zu Pfingsten, wurden – sozusagen im Gegenzug -  Zeichen des Hl. Geistes ebenfalls durch dieses Loch, diesmal aber in den Kirchenraum hinein, geworfen oder besser freigelassen: eine (lebende) Taube, brennendes Flachswerg, welches Funken versprühte…
Damit wurde verständlich gemacht: Jesus verschwindet nicht einfach in den Himmel und lässt die Menschen wieder alleine – nach einem kurzen Erden-Intermezzo. Nein, denn jetzt sind Himmel und Erde für immer verbunden, und deshalb schickt er anschließend seinen Heiligen Geist, damit wir eben nicht alleingelassen ohne Gott sind, sondern Trost haben. Damit wird nun die (Heils-)Geschichte Jesu mit Tod, Auferstehung, Himmelfahrt und Beistand-Senden vollendet. Wenn Christus „im Himmel“ manchmal auch weit weg scheint, dann dürfen wir – gerade vor Pfingsten - gewiss sein, dass er uns Geist schickt  – wenn er ein „Lücke“ findet.
Wie wäre es, wenn wir in unseren Kirchen wieder mehr solcher „Heilig-Geist-Löcher“ öffneten – für den ungehinderten Austausch zwischen Himmel und Erde, zwischen drinnen und draußen, damit es in unseren Kirchen und überhaupt um uns herum immer geistvoller und trostreicher wird. Ja, solche Löcher, die wünsche ich Ihnen und uns allen.Eva-Maria Nolte 2013

 

 

 

Eva-Maria Nolte, Gemeindereferentin im Pastoralverbund Bielefeld-Ost

Bildquelle: Pfarrbriefservice, © Peter Weidemann

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