Alles klar?

18658 qualification by gerd altmann pixabay com cc0 pfarrbriefservice 0Wort zum Sonntag, Westfalen Blatt, 20. Februar 2016

Ja, manchmal muss ich mich dessen versichern, ob mein Gesprächspartner, mein Mitarbeiter auch verstanden hat, was ich von ihm will, was ich von ihm erwarte. Vielleicht habe ich mich ja missverständlich ausgedrückt. Vielleicht ist nicht der ganze Inhalt begriffen worden. „Alles klar?“

Mit den zwei Worten fordere ich den anderen auf, mir zu sagen, was noch unklar geblieben ist und was noch der Klärung bedarf. Aber im Grunde erwarte ich schon, dass er meine kurze Frage mit einem ebenso kurzen „Ja“ beantwortet.
In den katholischen Kirchen hören die Gottesdienstbesucher an diesem Sonntag ebenfalls von einer Klärung, von der sogenannten „Verklärung“. Es wird erzählt, dass Jesus mit drei seiner Jünger auf einen Berg geht um zu beten. Auf dem Berg geschieht etwas Wundersames: Jesus wird verwandelt, er erstrahlt in einem glänzenden Licht. Den drei Jüngern sind Zeugen von Gesprächen, in denen deutlich wird, dass dieser Jesus der Sohn Gottes ist, auf den sie hören sollen, und dass er in Jerusalem den Weg des Kreuzes gehen wird. Damit sollte Alles geklärt sein. Das Wesentliche ist gesagt.
„Alles klar?“ wahrscheinlich hätten die Jünger auf diese Frage nicht mit „Ja“ geantwortet. Denn es ist gar nichts klar für sie. Was dieser Jesus in Wirklichkeit für sie ist, verstehen sie erst viel später. Nach seinem Tod und seiner Auferstehung erinnern sie sich und es wird einiges klarer.
„Alles klar?“ Ich denke wieder an meinen Gesprächspartner vom Beginn. Oft ist eben nicht alles klar, obwohl ich der Ansicht bin, dass es so sein müsste. Klärungen brauchen manchmal viel mehr Zeit, als mir lieb ist. Aber ich merke, dass es sich lohnt, diese Zeit in Klärungen zu investieren, und dem Gegenüber Zeit zu lassen, damit alles klar wird. Schnelle Antworten sind oftmals nicht das, was weiterbringt. Ich muss Zeit lassen zur Antwort, Zeit zum Begreifen, Zeit zur Klärung. Und das gilt für unsere ganze Gesellschaft. Alles klar?Nacke Norbert, Foto Westfalen Blatt

 

Norbert Nacke
Pfarrer und Leiter des Pastoralverbundes Bielefeld-Mitte-Nord-West


Bildquelle: Pfarrbriefservice © Gerd Altmann, cc0 / gemeinfrei, Quelle: pixabay.com

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