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MotherTeresa Pfarrbriefservice Túrelio cc by sa Quelle Wikimedia CommonsWort zum Sonntag, Westfalen Blatt, 3. September 2016

Eine Heilige der Dunkelheit

Für viele Menschen war sie schon zu Lebzeiten eine Heilige: Agnes Gonxha Bojaxhiu, besser bekannt als Mutter Teresa. Am 5. September 1997 starb sie in Kalkutta, Indien. An diesem Sonntag wird Papst Franziskus sie in Rom zur Ehre der Altäre erheben und offiziell heiligsprechen. „Wenn ich jemals eine Heilige werde, dann gewiss eine ´Heilige der Dunkelheit`. Ich werde fortwährend im Himmel fehlen, um jenen ein Licht zu entzünden, die auf Erden in Dunkelheit leben.“ So hat die 1910 im mazedonischen Skopje geborene kleine Frau einmal von sich selbst gesagt. Ihre Tagebuchnotizen wurden erst nach ihrem Tod bekannt. Darin offenbart sie Einblicke in die Innenwelt ihres Glaubens, die eine erschreckende Abgründigkeit der Gottesferne zeigen. Eine lange andauernde „dunkle Nacht“, eine fast lebenslang andauernde „geistliche Trockenheit“ wird da deutlich. Das verbindet sie mit der heiligen Therese von Lisieux, deren Namen sie als ihren Ordensnamen erhielt. Trotzdem gab Mutter Teresa, „der Engel der Armen“ den Glauben nie auf, dass ihr in den Ärmsten der Armen Jesus Christus selbst begegnet. Sie war fest davon überzeugt, dass es dem Willen Gottes entspricht, wenn sie ihr Leben ganz mit denen teilt, die am Rand stehen und von niemandem sonst beachtet werden.
Naivität oder Weltfremdheit kann man der Ordensgründerin der „Missionarinnen der Nächstenliebe“ nicht vorwerfen. Sie kennt die Finsternisse des menschlichen Lebens. Über Jahrzehnte hat sie ausgesetzte Kinder von den Straßen Indiens aufgelesen und gepflegt. Hunderte von Menschenleben hat sie gerettet. Die schlimmste Krankheit heutzutage, sagt sie, sei nicht Aids oder Lepra, „sondern diese schreckliche Gleichgültigkeit gegenüber unserem Nächsten“. Sie weiß: jeder Mensch verfolgt von Geburt an egoistische Interessen. Sie setzt ihr „Trotzdem“ dagegen: „Die Leute sind unvernünftig, unlogisch und selbstbezogen: liebe sie trotzdem! Wenn du Gutes tust, werden sie dir egoistische Hintergedanken vorwerfen, tue trotzdem Gutes! Gib der Welt dein Bestes und sie schlagen dir die Zähne aus: Gib der Welt trotzdem dein Bestes.“  Dieses „Trotzdem“ beeindruckt mich. Darin will ich versuchen, ihr zu folgen: wenn ich vor lauter Dunkelheit den Weg nicht mehr vor mir sehe, will ich trotzdem darauf vertrauen, dass Gottes Licht auch durch mich in diese Welt hinein strahlen kann.
 
Ihr Hans-Jürgen Kötemann,

Hans-Jürgen Kötemann

Pastor im Pastoralen Raum Bielefeld-Mitte-Nord-West

 



 

 

 

 Bildquelle: Pfarrbriefservice © Túrelio / cc-by-sa / Quelle: Wikimedia Commons

 

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