Allbarmherzigkeit Gottes

sky writing 2086401 by paulbr75 cc0 gemeinfrei pixabay pfarrbriefserviceWort zum Sonntag, Westfalen Blatt, 2. April 2016

Was soll eine offene Wunde mit Barmherzigkeit zu tun haben? Diese Frage drängt sich auf, weil der Sonntag nach Ostern seit dem Jahr 2000 als Barmherzigkeitssonntag bezeichnet wird.

Den Anlass dazu bietet jener Abschnitt der Heiligen Schrift, der von einem Geschehen genau eine Woche nach der Auferstehung Jesu erzählt: Die Apostel hatten am Ostertag eine Begegnung mit Jesus gehabt, als er durch verschlossene Türen in den Raum gekommen war, in dem sie sich seit seiner Hinrichtung verängstigt aufhielten. Aber einer war bei dieser Gelegenheit nicht dabei gewesen: der Apostel Thomas.

Und als der nun von dieser überwältigenden Erfahrung der anderen hört, also von der ersten wirklichen Begegnung mit einem nach dem Tod Auferstandenen – da kann er es nicht glauben.

Er versteigt sich sogar in eine sehr forsch klingende maximale Beweisforderung: »Wenn ich nicht die Male der Nägel an seinen Händen sehe und wenn ich meinen Finger nicht in die Male der Nägel und meine Hand nicht in seine Seite lege, glaube ich nicht.« (Joh 20,25). Acht Tage später geschieht das Unerwartete: Jesus kommt wirklich noch einmal und hält ihm genau die geforderten »Beweiszeichen« hin: Hände und Seitenwunde.

Dieses Geschehen führt tatsächlich in die Mitte der Allbarmherzigkeit Gottes: Jesus ist das menschgewordene Entgegenkommen Gottes. Dieses barmherzige Zugehen auf den Menschen, dieses Suchen nach demjenigen, der einen Fehler machen könnte, endet auch an der Grenze des Todes nicht. So kommt er unmittelbar nach der Auferstehung wieder jenem Apostel entgegen, der sich wegen einer inneren Sperre möglicherweise hätte verrennen können.

Aber diese Barmherzigkeit Gottes ist nicht naiv. Er hält ihm die Wunden hin: Barmherzigkeit kostet! Die Liebe bis zum Ende hatte ihm schon Wunden geschlagen, sie hatte die Wundmale hinterlassen. Diese neue Skepsis kostet wieder Kraft, verletzt im Grunde wieder neu. Deshalb beschönigt Jesus nichts. Er sagt klar, dass diese Art selbstbezogener Sonderbehandlung, die Thomas sich ausgemalt hat, nicht die Zukunft der Glaubenden sein kann: »Weil du mich gesehen hast, glaubst du. Selig sind, die nicht sehen und doch glauben.« (V. 29) Aber in seiner Barmherzigkeit war Gott doch bereit, selbst nach dem Tod noch denen nach zu gehen, die am Rand sind oder sich selbst ins Abseits begeben.

Barmherzigkeit ist mehr als ein liebevolles Gefühl. Barmherzigkeit kann manchmal sehr schmerzvoll werden, sie kann viel kosten. Die Allbarmherzigkeit Gottes hinterließ Wunden in Gott, kostete Jesus das irdische Leben.

Aber alles, was aus dem Herzen strömt, strömt letztlich in das Leben bei Gott zurück .

 

 

 

markusjacobs

 

 

 

 

DDr. Markus Jacobs
Pfarrer im Pastoralverbund Bielefeld Mitte-Nord-West

Bildquelle: www.pfarrbriefservice.de© paulbr75 / cc0 – gemeinfrei / Quelle: pixabay.com

 

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