bunt und vielfältig

Bäume und SchirmeWort zum Sonntag, Westfalen Blatt, 20. Oktober 2018

Wenn man in den letzten Tagen durch unsere Stadt geht, dann erleben wir noch die letzten wirklich wunderschönen Herbsttage.

Die Blätter auf den Bäumen strahlen uns förmlich an. So bunt und so unterschiedlich wie sie alle sind. Darüber dürfen wir uns im Grunde genommen nicht beschweren und das tun auch die wenigsten.
Aber wie ist das bei uns Menschen? Wenn ich auf einmal merke, dass mein Gegenüber bunt und anders ist. Wobei ich mir die Frage stellen sollte, ist sie*er überhaupt „anders“? Da kommen schon mal komische Blicke, oder?
In den letzten Wochen gab es auch eine Nachricht, die mich wieder einmal ins Nachdenken gebracht hat. Ein hoch angesehener Rektor einer katholischen Hochschule wird die sogenannte Unbedenklichkeitserklärung nicht gegeben. Damit kann er eine neue Amtszeit als Rektor nicht ausführen. Und warum das alles? Vor gut zwei Jahren hat er die Verurteilung der Homosexualität in der katholischen Kirche kritisiert. Er erfüllt damit als Theologe nur den Auftrag den Paulus uns mitgibt: „Verachtet prophetisches Reden nicht! Prüft alles und behaltet das Gute.“ (1. Thess 5,20f) Mir geht es hier aber nicht um die Person, sondern um die Sache, wie Kirche mit dem Thema Homosexualität umgeht. Ich möchte, ich kann keine Bibelstellen heranziehen, denn komischer Weise finde ich zu dem Thema Homosexualität in der Bibel nichts. Es steht nichts dazu, wie ich mich als Christ*in dazu positionieren muss. Denn die Vorstellung einer homosexuellen Partnerschaft gibt es ungefähr erst seit dem 19. Jahrhundert, also deutlich später.
In der Jugendarbeit, in der ich großgeworden bin, wurden mir immer andere Wege aufgezeigt. Hier darf Jede*r so sein, wie sie*er ist – und das hört bei der sexuellen Orientierung nicht auf. Bei uns lernt man nicht Schwarz-Weiß-Denken, sondern Verantwortung für sich und andere zu übernehmen. Der Katholischen jungen Gemeinde (KjG) Rottenburg-Stuttgart wurde in diesem Jahr sogar ein Preis verliehen, weil sie sich ganz konkret für Geschlechtervielfalt einsetzen. Wir alle sollten lernen, dass wir Jede*n so annehmen, wie sie*er ist. Das tut Gott übrigens auch. Er gibt uns diesen Zuspruch, davon bin ich überzeugt
Und jetzt mal ganz ehrlich, wer bin ich, sie*ihn zu verurteilen und in eine Schublade zu stecken? So ähnlich hat es Papst Franziskus in den letzten Jahren gesagt und da nehme ich ihn beim Wort.
Wenn wir jetzt wieder nach draußen gehen und uns die bunten Blätter auf den Bäumen anschauen, dann sollten wir Gott dafür dankbar sein, dass nicht nur die Bäume bunt sind, sondern dass wir alle bunt und vielfältig sind. Jede*r halt auf ihre*seine Art.

Nico Schnittger
geistlicher Leiter der Katholischen jungen Gemeinde St. Michael Ummeln

 

Nico Schnittger

 

 

 

 



 

Bildquelle: Nico Schnittger

 

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