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6009 anwendung 04 s w by martha gahbauer pfarrbriefserviceWort zum Sonntag, Westfalen Blatt, 8. September 2018

50 Tage nach Ostern ist Pfingsten. Das ist auch logisch, weil Pfingsten nichts anderes bedeutet als der 50. Tag.

In den Gottesdiensten in den katholischen Kirchen wird an diesem Sonntag das Evangelium von der Heilung eines Taubstummen verkündet (Mk 7, 31-37). Darin wird erzählt, dass Jesus den Taubstummen, der nur schwer mit anderen Menschen kommunizieren kann, heilt, indem er ihm das aramäische Wort „effata – öffne Dich“ zuruft. Fortan kann der Geheilte Hören und Reden. Er kann mit den anderen Menschen in Kommunikation und in Beziehung treten.
Natürlich gibt es heute ebenfalls Menschen, die von Geburt an nicht hören und so auch nicht sprechen können. Solche Menschen erfahren zum Beispiel hier in Bielefeld Hilfe und Unterstützung durch die Gehörlosenseelsorge der evangelischen Kirche. Aber es gibt auch noch andere Formen des Nicht-Hören-Könnens oder des Nicht-Sprechen-Könnens.
Besonders in der jüngsten Vergangenheit ist wahrzunehmen, dass es in unserer Gesellschaft solche Phänomene gibt. Sorgen und Probleme, die geäußert werden, werden nicht gehört, oder es wird auf sie nicht eingegangen. Menschen haben Angst vor anderen Gruppen, Kulturen und Religionen, weil es nicht gelingt, miteinander zu sprechen und zu kommunizieren. Menschen sind sprachlos ob der gewaltsamen Ausschreitungen in unserem Land gegen schutzlose Menschen.
Das „Öffne Dich“, das Jesus damals dem Taubstummen zuruft, und mit dem er ihm Heil gebracht hat, ruft er auch heute in die Welt und in unsere Wirklichkeit hinein. Da, wo sich Menschen füreinander öffnen, sich zuhören und miteinander sprechen, geschieht genau das, was bei dem „Öffne Dich“ Jesu passiert ist: Es geschieht Heil. Das Zuhören und miteinander Sprechen bewirkt, dass Verstehen und Begreifen wächst. Unser Land braucht eine neue Kultur der Offenheit, der Offenheit im Hören und Sprechen, im Begegnen und Verstehen. Dann nur kann heil werden was jetzt unheil ist. „Öffne Dich“ – Eine Herausforderung für uns alle!

Nacke Norbert, Foto Westfalen Blatt

 

 

Norbert Nacke
Pfarrer und Leiter des Pastoralverbundes Bielefeld-Mitte-Nord-West

 

 Bildquelle: Pfarrbriefservice © Martha Gahbauer

...beschrebt Grundlegenden Haltungen sowie theologische und pastorale Leitmotive für die Entwicklung der Erzdiözese in den kommenden Jahren.

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