November-Gedanken

castle 1090980 by blackout photography cc0 gemeinfrei pixabay pfarrbriefserviceWort zum Sonntag, Westfalen Blatt, 17. November 2018

„Ich kann nicht an Gott glauben“, sagte mir einmal ein Vater, dessen Sohn sich das Leben genommen hatte.

„Ich kann nicht an ihn glauben, aber ich bewundere die Menschen, die einen Draht zum Himmel haben und auf Gott ihre Hoffnung setzen. Das gibt Orientierung.“ Es gibt sie, diese Not, nicht an Gott glauben zu können. Es gibt sie, die Erfahrung der Gottesferne. Und es gibt einen erschreckenden „Alltags-Atheismus“ mancher, die sich zwar Christen nennen, deren Glaube an Gott aber völlig an Bedeutung verloren hat und in ihrem Leben keine Rolle mehr spielt. Glauben ist ein „Tu-Wort“. Wo der Glaube im Alltag nicht gelebt und getan wird, da stirbt er weg. Beten, lieben, verzeihen, trösten, umkehren, bezeugen, helfen, hoffen, heilen, Kranke besuchen, Gottesdienst feiern… die Liste der „Tu-Wörter“ des Glaubens ließe sich weiter fortsetzen. Und ich weiß: vieles davon ist leichter gesagt als getan. Liegt das vielleicht auch daran, dass wir nicht so recht wissen, an welchen Gott wir glauben sollen? Wir sagen „Gott sei Dank!“ oder: „Um Gottes Willen!“ Doch von welchem Gott reden wir eigentlich, wenn wir sagen: „Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen“? Wenn wir Rede und Antwort stehen müssten, was würden wir sagen? Gott? Ein höheres Wesen? Ein Irgendetwas? Gott der Schöpfer des Himmels und der Erde? Gott, der Vater Jesu Christi? Der dreifaltige Gott? Der Weg, die Wahrheit und das Leben? Ich bin überzeugt: Gott ist kein „Etwas“, über das wir verfügen könnten. Gott ist ein Jemand, ein Gegenüber, ein Du. In Jesus Christus ist er einer von uns geworden und hat uns gezeigt, wie wir leben sollen. Dieser menschgewordene Gott steht mir oft im Weg. Manchmal als Warnhinweis, aber oft auch als Wegweiser ist er für mich da. Und ich glaube, wenn mein Weg hier auf der Erde einmal zu Ende geht, auch dann ist er da und wird mich halten. Der Dichter Rainer Maria Rilke greift diesen Gedanken in einem seiner Gedichte auf: „Wir alle fallen. Diese Hand da fällt. Und sieh dir andre an: es ist in allen. Und doch ist Einer, welcher dieses Fallen unendlich sanft in seinen Händen hält.“ Das ist Gottes Tun an uns! Seine sanften Hände tragen uns im Leben und im Tod. Seine Hand ist über uns und unter uns und neben uns. Das stärkt meine Hoffnung. Das schenkt mir Mut zum Handeln, um immer wieder neu damit zu beginnen, meinen Glauben zu tun.

Ihr
Hans-Jürgen Kötemann
Krankenhauspfarrer im Franziskus Hospital, Bielefeld

 Hans-Jürgen Kötemann

 

 



 

 

 

Bildquelle: Pfarrbriefservice.de© Blackout_Photography / cc0 – gemeinfrei / Quelle: pixabay.com

 

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