Auf Deutsch gesagt

italy 2347390 by jackmac34 cc0 gemeinfrei pixabay pfarrbriefserviceWort zum Sonntag, Westfalen Blatt, 5. Januar 2019

Früher kündigte man seinem Gesprächspartner mit „Auf Deutsch gesagt: …“ eine sehr deutliche, nicht für das Schriftdeutsch geeignete Bewertung eines Sachverhaltes an.

Heute liefert uns das Englische die Fachworte. Vieles, so scheint mir, wird aber auch komplizierter. Ist „flatrate“ verständlicher ist als “Spartarif“? Sagt „credit points“ mehr aus als „Pluspunkte“? Mediziner und Kirchenleute greifen tiefer in die Sprachkiste: Sie verwenden zur Eindeutigkeit das alte Latein. Die zentrale Botschaft der gerade begangenen Weihnachtszeit lautet lateinisch: Verbum caro factum est. (Joh 1,14): „Das Wort ist Fleisch geworden“, was meint: Das Wort Gottes ist im Jesuskind ein Faktum geworden, eine irdische Wirklichkeit. – Deutsche Autobauer haben im zurückliegenden Jahr das Kunststück fertigbekommen, Unwahrheiten, also Sachverhalte, die nicht (so) sind (!), als „alternative Fakten“, also als „andere“ Wirklichkeiten zu bezeichnen. Damit steigern sie noch ein Lieblingswort des wortgewaltigen Mannes an der Spitze der USA: „fake news“ – vorgespiegelte, erfundene Neuigkeiten. Nun gut: Wenn jemand irrt und (in gutem Glauben) etwas behauptet, was nicht so ist, dann sagt man: „Was sie sagen, entspricht (so) nicht den Tatsachen.“ Und was nicht wahr ist, ist nicht automatisch gelogen. Wenn es aber, wie bei „fake news“ und „alternativen Fakten“, um bewusste Halb- und Falschinformationen geht mit der Absicht, zu täuschen und sich selbst aus der Affäre zu ziehen, dann spricht die Bibel kurz und knapp von Lüge: „Du sollst nicht lügen.“, das 8. Gebot. In der christlichen Überlieferung gehört die Lüge zu den sieben „Todsünden“, weil sie das Potenzial hat, jegliches Vertrauen zu zerfressen: „Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht …“. Das deutsche Strafrecht kennt als scharfe Formen der Lüge den Betrug, die Vortäuschung falscher Tatsachen bis hin zur arglistigen Täuschung. – Was Gott betrifft, so ist der verlässlich, er bleibt bei Fakten: Verbum caro factum est. Und was soll für uns im neuen Jahr gelten? Auf Deutsch gesagt: Gute Vorsätze zum neuen Jahr gibt es viele. Sind sie zu anspruchsvoll, können sie scheitern. Wie wär’s denn mit diesem: Sprich, was wahr ist. (Verbum meum factum est! D.h., mein Wort ist Faktum: facts, no fake!) Wenn das überwiegend gelänge, wäre das ein unschätzbarer Beitrag gegen seelische und geistige Umweltverschmutzung.
Ein gutes, erfülltes, möglichst gesundes und gesegnetes neues Jahr wünscht Ihnen

Pfr. Bernhard Brackhane

 

 

Pfarrer Bernhard Brackhane, Foto Westfalen Blatt

Bild: jackmac34 / cc0 – gemeinfrei / Quelle: pixabay.com
In: Pfarrbriefservice.de

 

 

Bernhard Brackhane
Pfarrer und Leiter des Pastoralverbundes Bielefeld-Ost

 

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