Wechselbad der Gefühle

16931 osterei 1 by hans heindl pfarrbriefserviceWort zum Sonntag, Westfalen Blatt, 19. April 2019

Unterschiedlicher kann die Stimmungslage an diesen Tagen nicht sein. Der Karfreitag ist ein stiller, ein sehr nachdenklicher Feiertag.

Christinnen und Christen erinnern sich an das Leiden und Sterben Jesu. Die Gottesdienste am Karfreitag setzen dabei unterschiedliche Akzente. Kreuzwege, hier etwa am Vormittag zum Jostberg, in Rom mit dem Papst am Abend zum Kolosseum, zeichnen den Leidensweg Jesu nach. Am Nachmittag um 15:00 Uhr wird der Sterbestunde Jesu gedacht. Der besondere Charakter des Karfreitags wird auch durch den staatlichen Schutz und das Verbot von z.B. Tanzveranstaltungen zum Ausdruck gebracht.
Anders der Ostersonntag: Mit größter Feierlichkeit wird die Auferstehung Jesu verkündet. Nichts ist mehr von der Stille und der Traurigkeit des Karfreitags zu spüren. Befreit wird Ostern gefeiert. Alte Bräuche wie das Osterlachen, das ausgelassene Feiern am Osterfeuer oder Verschenken von bunt bemalten Eiern sind Ausdruck der großen Freude.
Das Lukasevangelium erzählt eine Ostergeschichte, in der beide Aspekte von Ostern, in der das Wechselbad der Gefühle deutlich wird. Sie spielt am Abend des Ostertages. Zwei Jünger Jesu gehen gemeinsam von Jerusalem weg. Sie brauchen Abstand zu den schlimmen Erlebnissen der vergangenen Tage. Sie mussten mit ansehen, dass ihr Freund, ihr Herr und Meister am Kreuz gestorben ist. Vielleicht kommen sie an einem anderen Ort ein wenig zu r Ruhe und können die grausamen Bilder ein wenig zurücklassen. In ihrem Gehen gesellt sich ein Dritter hinzu. Durch sein Fragen und seine Art, das Erlebte aus einer anderen Perspektive anzuschauen, kommen die zwei Jünger zu neuen Einsichten. Sie merken, dass es gut ist, Impulse aus einer anderen Gedankenwelt zu bekommen. Als sie am Ziel ihres Weges, dem kleinen Ort Emmaus angekommen sind, wird ihnen klar, dass es Jesus selbst ist, der sie begleitet hat. Er ist da. Der Totgeglaubte lebt! Die Jünger kehren um und erzählen voll Freude von Ihrem Erlebnis unterwegs und von der Auferstehung Jesu.
So war es damals, und so ist es auch heute. Das Leben hält immer neu Wechselbäder der Gefühle bereit. Es ist gut darum zu wissen, dass Freude auf Trauer folgt, dass Leben eine Folge von guten und weniger guten Erlebnissen ist. Und es ist gut zu glauben und zu wissen, dass unser Gott ein Gott ist, der die Freude in Fülle verheißen hat.
Ich wünsche Ihnen ein frohes und gesegnetes Osterfest!

Nacke Norbert, Foto Westfalen Blatt

 

 

Norbert Nacke
Pfarrer und Leiter des Pastoralverbundes Bielefeld-Mitte-Nord-West

 

 Bildquelle: Pfarrbriefservice © Hans Heindl

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