Tohu wa bohu

https www.pfarrbriefservice.de sites default files atoms image 18192 hagelnetze 19 by peter weidemann pfarrbriefserviceTohuwabohu? Weil heute der 29.02. ist? Nein, ein Tag mehr im Schaltjahr verursacht kein Chaos.

Tohu wa bohu steht im zweiten Satz der Bibel: Gott macht sich an die Schöpfung; vor sich hat er tohu wa bohu - „Irrsal und Wirrsal“ verdeutscht es Martin Buber und bildet so den Klang der hebräischen Wörter nach. Der Begriff trifft, was wir gegenwärtig in unserer Welt an Irrungen und Wirrungen sich wieder auftürmen sehen: bewusst herbeigeführte Unfälle mit schwerem Personenschaden; absichtlich verdrehte, beleidigende und provozierende Behauptungen; politisches Geschacher, um geordnetes Regieren zu verhindern; raffinierte, sogar gesetzkonforme Winkelzüge mit dem Ziel, Macht unbegrenzt auszuüben; Kriegsverbrechen; unerträgliches Leid auf der Flucht und in überfüllten Lagern. Und spürbar nah auf die Pelle gerückt ein grassierendes Virus. Irrsal und Wirrsal allerorten. - Kirche kann da mithalten: Die einen kämpfen gegen jahrhundertelang fortbestehende Irrungen gegenüber Frauen, Andersdenkenden und -lebenden; die anderen fürchten unumkehrbare Wirrungen durch das Aufgeben einer lange geübten Praxis. Im Evangelium vom Sonntag bietet „der Versucher“ schnelle und praktikable Lösungen an, um von Irrsal und Wirrsal abzulenken und Probleme und Unangenehmes wegzublenden: Hunger? Kein Problem: Steine in Brot verwandeln! Angst? Kein Problem: ein Selbstbefreiungssprung von der Tempelzinne (ohne Bungee-Seil!), denn Gott schickt bestimmt einen „Engel-Rettungsschirm“! Und als Krönung: Taugt dein Gott nicht? Kein Problem: Nimm mich! Ich verspreche dir immerwährendes Glücklichsein, universale Wunscherfüllung und Problemverdrängung. Bete mich an, dann hast du keine Probleme mehr (Mk 4,1-11). - Schnelle Lösungen wie der „Versucher“ im Evangelium wüsste ich auch welche: z.B. könnten weltweit alle Großverdiener in Wirtschaft und Sport je 200.000 Euro für gute Zwecke spenden; oder Bedeutende und wenig Einflussreiche könnten sich überall bei Konferenzen und Banketts einfach nur nach Alphabet nebeneinander setzen statt nach Titeln und Ämtern (wie, mit mancher Mühe, beim „Synodalen Weg“); oder in Gemeinden könnte die erste Frage werden: ‚Was brauchst du? Was hast du für Ideen?‘ anstelle von ‚Warum wird eigentlich nicht mehr …!?!‘ („Früher war mehr Lametta!“). Ich gebe zu: Ideen für andere sind auch eine Versuchung; ich habe mir vorgenommen, die Zeit bis Ostern zu nutzen, um bei mir selbst mal nachzuschauen. Manchmal haben auch die Mitmenschen in der Nähe gute Tipps …
Einen gesegneten ersten Sonntag in der Fastenzeit wünscht Ihnen Pfr. Bernhard Brackhane

Wort zum Sonntag, Westfalen Blatt, 29. Februar 2020

Bild: Peter Weidemann
In: Pfarrbriefservice.de

Pfarrer Bernhard Brackhane, Foto Westfalen Blatt

Bernhard Brackhane
Pfarrer und Leiter des Pastoralverbundes Bielefeld-Ost

 

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