Monika, du brauchst doch nicht rot zu werden

https www.pfarrbriefservice.de sites default files atoms image 1f60a by twitter cc by 40 pfarrbriefserviceWort zum Sonntag, Westfalen Blatt, 25. Januar 2020

Ende Januar: Der Kleingartenverein trifft sich zur Jahreshauptversammlung. Es wird getrunken, gegessen, erzählt, aus dem Vorstand berichtet.

Die Kassenwartin Franziska M. zieht Bilanz: „Wir sind mit einem guten finanziellen Polster ins neue Jahr gestartet. Die Mieteinnahmen für das erste Quartal sind eingegangen – größtenteils.“ Monika K. errötet. Zu Anfang des Jahres haben sich die Rechnungen gehäuft. Die Garten-Miete kann sie erst im Februar überweisen. „Monika, Du brauchst doch nicht rot zu werden. Wir sprechen am besten nachher mal eben miteinander.“ Alle Blicke richten sich auf Monika K., die inzwischen puterrot angelaufen ist. Hätte Franziska nicht einfach den Mund halten können, denkt sie. Dann wäre sie nicht aufgefallen. Ich kann mich doch in den nächsten Wochen gar nicht mehr hier sehen lassen, bis nicht ein bisschen Gras darüber gewachsen ist. Peinlich, peinlich!
„Der Mensch ist wohl das einzige Lebewesen, das erröten kann - oder sollte“, bemerkte Schriftsteller Mark Twain. „Rot-Werden“ ist eben nicht nur ein Zeichen verstärkter Durchblutung im Kopf, sondern ein Ausdruck von Scham, die nur dem Menschen zu eigen ist – wenn er sich in Gegenwart anderer entdeckt fühlt, schuldig, peinlich berührt und am liebsten auf der Stelle im Boden versinken würde, um den Entlarvern zu entrinnen – wie Monika K. ihren Garten-Nachbarn.
„Der Mensch ... das einzige Lebewesen, das erröten kann - oder sollte.“ Auch letzterem stimmen wir zu – zumindest in Bezug auf andere, denn eigentlich sind uns Menschen, die erröten, sympathisch. Sie haben sich offenbar die Sensibilität bewahrt, das Gute vom Bösen zu unterscheiden – und nicht wie Leute, die „lügen ohne rot zu werden“. Die Frage ist also nicht: schämen oder nicht, sondern vor wem?
Bei einer Unterhaltung über Freundschaft, Beziehungen und Partnerschaft bemerkte kürzlich jemand: „Echte Freundschaft ist, wenn einem voreinander nichts mehr peinlich ist.“ Gemeint ist aber nicht Hemmungslosigkeit, sondern vielmehr das Vertrauen, dass der/ die andere nachsichtig mit mir umgeht, obwohl - oder gerade, weil - er meine Schwachpunkte kennt.
An diesem Sonntag ist für die katholischen Gottesdienste ein Psalm-Wort als Kommunion-Vers vorgeschlagen: „Die auf ihn (den Herrn) blickten, werden strahlen, nie soll ihr Angesicht vor Scham erröten.“ (Psalm 34,6) Wenn wir auf Gott schauen, wenn wir ihm vertrauen, ist uns – wie dem Psalm-Beter – die Gewissheit geschenkt: Es gibt nichts mehr zu verbergen vor dem, der uns durch und durch kennt, der uns nicht lauernd und bloßstellend anschaut, sondern mit Liebe. Unter seinem Blick müssen wir uns für nichts schämen.
Ein wunderbares Wort, das uns nicht puterrot werden, aber strahlen lässt.

Ihre Eva-Maria Nolte, Gemeindereferentin im Pastoralverbund Bielefeld-Ost

Eva Maria Nolte 2017

 

Bild: Twitter und andere / CC-by 4.0 (https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/deed.de)
In: Pfarrbriefservice.de

 

 

Eva-Maria Nolte, Gemeindereferentin im Pastoralverbund Bielefeld-Ost

Bildquelle: Pfarrbriefservice © Paulus Decker

Drucken E-Mail

Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Einige von ihnen sind essenziell für den Betrieb der Seite, während andere uns helfen, diese Website und die Nutzererfahrung zu verbessern (Tracking Cookies). Sie können selbst entscheiden, ob Sie die Cookies zulassen möchten. Bitte beachten Sie, dass bei einer Ablehnung womöglich nicht mehr alle Funktionalitäten der Seite zur Verfügung stehen.