Gehs auf Maloche?

Verfasst von Hildegard Schneider.

https www.pfarrbriefservice.de sites default files atoms image wooden board 1337265 by myriam cc0 gemeinfrei pixabay pfarrbriefservice

Ja, viele von uns gehen „auf Maloche“, fünf Tage die Woche oder sechs, im Schichtbetrieb, am Fließband, auf dem Bau: irgendwie muss man schließlich über die Runden kommen!

Für manche ist Arbeit eher Selbstverwirklichung oder Ausdruck von Begabungen. Für andere geht es vor allem darum, Erfolg zu haben, Ansehen und Einfluss zu gewinnen. Arbeit hat viele Gesichter, und der „Tag der Arbeit“ am 1. Mai erinnert in seinem historischen Kontext an die Aspekte von Arbeit, die dem Menschen nicht guttun: unzureichende Löhne, überlange Arbeitszeiten, Recht- und Schutzlosigkeit. Vieles hat sich seither verbessert; aber immer noch gibt es Menschen, die unter prekären Arbeitsverhältnissen leiden, unzureichend bezahlt, ja ausgebeutet werden. Arbeit ist nun mal nicht gleich Arbeit, und all jene, die Jahrzehnte ihres Lebens am Fließband malochen, können ein Lied davon singen, was das mit einem Menschen machen kann!
Für mich als Mitglied einer benediktinischen geistlichen Gemeinschaft hat die Lebensregel des heiligen Benedikt, obwohl fast 1500 Jahre alt, da immer noch Ermutigendes anzubieten. Zu Benedikts Zeit arbeitete man nicht selbst, sondern ließ arbeiten, wenn man etwas auf sich hielt. (Und mal ehrlich: ist das heute so anders?) Benedikt jedenfalls sind solche Statusfragen egal. Seine Mönche arbeiten selbst für ihren Lebensunterhalt. Sie brauchen sich auch nicht einreden zu lassen, sie seien nichts wert, wenn sie wenig angesehene Arbeit verrichten: Für Benedikt ist jede Arbeit gut genug, um gut getan zu werden. Und es ist kein Makel, mit der eigenen Hände Arbeit den Lebensunterhalt zu verdienen. Im Gegenteil: es ist Teil der Würde als Mensch.
Also, all ihr Malocher da draußen, heute am 1. Mai: es ist euer gutes Recht, stolz zu sein auf euch und auf das, was ihr geleistet habt!

Hildegard Schneider, Säkularinstitut St. Bonifatius, Detmold

Wort zum Sonntag, Lippische Landeszeitung, 1. Mai 2020

Bild: © Myriam / cc0 – gemeinfrei / Quelle: pixabay.com
In: Pfarrbriefservice.de

 Hildegard Schneider, Säkularinstitut St. Bonifatius Detmold

Hildegard Schneider, Säkularinstitut St. Bonifatius Detmold

Drucken