Bleiben Sie gesund

Szene aus den Erfurter Passionsspielen© Peter Weidemann

 So enden in den Zeiten der Corona-Krise viele Telefongespräche. „Bleiben Sie gesund, denn Gesundheit ist das Wichtigste“ – so beendete unserer Oberbürgermeister seine Ansprache anlässlich seines Neujahrsempfanges, ohne Kenntnis der aufziehenden Corona-Infektionswelle.

Ja, und auch ich verabschiede mich manchmal im Supermarkt oder in Gesprächen mit diesem Wunsch.
Aber ist Gesundheit wirklich das Wichtigste? Zurzeit scheinbar schon.
Nun haben wir allerdings alle – vor, während und auch nach Corona - mit unzähligen Menschen zu tun, die gerade nicht gesund sind.
Mit chronisch erkrankten Herz- oder Diabetes-Patienten, der pflegebedürftigen Oma, dem krebskranken Nachbarn oder der verunfallten Kollegin. Und neben diesen körperlichen Erkrankungen stehen die seelischen. Angst und Depression, Einsamkeit und Perspektivlosigkeit sind im Leben vieler Menschen dominante Begleiter. Viele dieser Menschen können mit dem Wunsch „Bleiben Sie gesund“ vielleicht nicht so viel anfangen, weil man nicht bleiben kann, was man nicht schon ist. Häufig ist ein Wunsch auf Heilung auch nicht erfüllbar.
Gerade in Zeiten von Krankheit, aber auch bei den jetzt verfügten sozialen Einschränkungen wird vielen von uns bewusst, wie sehr Begegnungen für unser Leben wichtig sind. Das Spiel von Kindern auf Schulhöfen, in Kitas oder Spielplätzen, die privaten Feiern im Freundeskreis. Der Besuch im Krankenhaus oder Pflegeheim und das Gespräch mit dem Freund oder Nachbarn. Der gemeinsame Gottesdienst oder kulturelle Veranstaltungen. Aber für viele auch die einfachen Sozialkontakte wie der gemeinsame Sport oder auch der traditionelle Ausflug am heutigen Vatertag.
Im christlichen Glauben feiern wir den heutigen Tag als Christi Himmelfahrt. Jesus stieg zu seinem Vater in den Himmel auf und damit findet auch der Vatertag seinen Ursprung. Wir feiern im christlichen Glauben die Rückkehr des Sohnes zu seinem Vater. Mit der Zeit entstand aus diesem Gedanken der Vatertag, wie er heute noch gefeiert wird.
Lebendige Begegnung, soziale Kontakte und Austausch untereinander sind Bedürfnisse jedes Menschen.
Und diesen Bedürfnissen stellt sich Jesus, hier setzt sein Versprechen an:
„Ich bin mit euch alle Tage bis zum Ende der Welt.“ (Mt. 28.20) sagt Jesus im heutigen Evangelium zum Himmelfahrtsfest seinen Jüngern. „Ich bin bei dir“ und nicht „Ich schütze dich vor Krankheit und Leid.“
Denn in Gemeinschaft kann man vieles durchstehen, in Gemeinschaft kann man manches gemeinsam tragen, Gemeinschaft teilt Freude und Leid.
Daher ist mein Wunsch an Sie für den heutigen Tag: Bleiben Sie in Gemeinschaft, bleiben Sie in Begegnung, bleiben Sie in Gott.

Ulrich Paus
Vorstand Caritasverband Bielefeld e.V.

Wort zum Sonntag, Westfalen Blatt, 21. Mai 2020

Bild: © Martin Manigatterer
In: Pfarrbriefservice.de

 Ulrich Paus, Vorstand Caritasverband Bielefeld e.V.

Ulrich Paus
Vorstand Caritasverband Bielefeld e.V.

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