Beziehungsfreudiger Gott

13185 dsc 4979 by christian schmitt pfarrbriefservice

„Am allermeisten habe ich meine Freundin vermisst, die in allen Fächern neben mir sitzt!“ – „Ich habe meine ganze Klasse vermisst.

Zu Hause war ich so allein.“ Die meisten Schülerinnen und Schüler, die seit einigen Tagen wieder zur Schule kommen dürfen, sind sehr froh darüber. Noch vor drei Monaten hätte das kaum jemand für mög-lich gehalten: Nicht zur Schule gehen zu müssen, war damals für viele noch ein schöner Traum, der mit Ausschlafen verbunden war. Mittlerweile hat sich der Blick aber gewandelt, denn Homeschooling heißt auch allein zu sein oder den ganzen Tag nur die Eltern und Geschwister um sich zu haben. Wie schön ist es, sich nun wieder als Teil einer Klasse erleben zu können. Als Lehrerin bin ich auch sehr froh, dass Unterricht teilweise wieder ganz real stattfinden kann. Denn mit den Schülerinnen und Schülern persönlich reden zu können, im direkten Gedankenaustausch zu stehen, die Reaktionen auf Fragen und Inhalte an den Gesichtern ablesen zu können, das ist etwas ganz anderes, als sich einfach nur durch bearbeitete Textdokumente zu klicken.
Die Schule ist nur einer von vielen Bereichen, in denen uns zur Zeit auffällt, wie sehr uns die direkten Kontakte zu unseren Mit-menschen fehlen. Wir erleben ganz deutlich: Menschen sind Beziehungswesen.
Auch Gott ist ein Beziehungswesen. Ich glaube nicht an Gott als ein unpersönliches, metaphysisches Prinzip. Ich glaube an einen personalen Gott, der – auch wenn er Geheimnis bleibt - immer wieder die persönliche Beziehung zu uns Menschen sucht und aufnimmt. Dass Gott als „Ich bin da“ den Menschen nahe ist und sie treu begleitet, erfahren schon Mose und die Israeliten auf ihrem Weg durch die Wüste. Als Immanuel – „Gott mit uns“ – wird Gott in Je-sus Christus selbst Mensch und lässt seine Zuwendung, Barmherzigkeit und Liebe für den Menschen bis zum höchsten Maß erfahrbar werden. Und so ist Gott nicht nur ein Beziehungswesen, sondern Gottes Wesen selbst ist Beziehung: eine Beziehung, die nicht auf den Vater und den Sohn, den innersten Kreis, begrenzt ist, sondern sich als Liebe durch den Heiligen Geist ausweitet bis zu uns. Ein dreifaltiger Gott als Vater und Sohn und Heiliger Geist.
Feiern wir an diesem Dreifaltigkeitssonntag und Trinitatisfest trotz oder gerade wegen der Kontaktbeschränkungen und des social distancing die Beziehung zu unserem beziehungsfreudigen Gott!
Christina Brunke
Religionslehrerin an der Marienschule der Ursulinen, Bielefeld

Wort zum Sonntag, Westfalen Blatt, 6. Juni 2020

Bildquelle: Pfarrbriefservice.de © Daniel Zamilski

Christina Brunke

 

Christina Brunke
Religionslehrerin an der Marienschule der Ursulinen, Bielefeld

 

 



 

 

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