Klingt wie ein Märchen …

Foto Peter Weidemann in pfarrbriefservice… in einer Zeit voller Ungewissheit: „Der Mensch hat nichts zu fürchten, wenn Hitze kommt,“ heißt es beim Propheten Jeremia im Alten Testament, „und sein Laub bleibt grün; auch in dürren Jahren ist ihm nicht bange, und ohne Aufhören trägt er Früchte.“

Ungewissheit - ein aktuelles Thema in dieser Corona-Zeit in der Fragen aufkommen. Fragen, wie beispielsweise: „Erkranke ich an Corona und wenn ja, sterbe ich daran?“ – „Wie wird die Zukunft aussehen?“ – „Werde ich alleine sein, einsam?“ – „Wie sieht es mit meinem Arbeitsplatz aus, mit meiner Rente?“ In diese Ungewissheit hinein spricht Gott durch den Propheten Jeremia den oben genannten Satz, der wie aus einem Märchen aus Tausend und einer Nacht klingt. Er beschreibt einen Menschen, der ohne Furcht, voller Lebenskraft und ohne Sorgen ist – auch in dürren Jahren. Ist das möglich? Es klingt übermenschlich!
Der Prophet spricht: „Gesegnet aber ist der Mensch, der sich auf den HERRN verläßt und dessen Zuversicht der HERR ist! Der gleicht einem Baume, der am Wasser gepflanzt ist und seine Wurzeln nach dem Bache hin ausstreckt“. Diese beiden Sätze sind den oben genannten Zusagen vorangestellt und beschreiben sozusagen die „Voraussetzungen“ für ein Leben voller Kraft, ohne Angst und ohne Sorgen. Sie sprechen von einem tiefen Vertrauen des Menschen zu Gott, von einer engen Beziehung zu ihm. Aus dieser Beziehung und Zuversicht heraus wird dem Menschen, so heißt es, dann jede Not genommen, dauerhaft.
Ist das real oder ist es bloß ein Märchen? Wenn ich auf meine Erfahrungen mit Gott schaue und auf mein Bemühen, in einer engen Bindung mit ihm zu leben, muss ich feststellen, dass ich viel Wunderbares von ihm erfahren und erhalten habe. Und doch erfahre ich die bleibenden Ungewissheiten, Ängste, Sorgen, die mich durchbohren, merke das Auf und Ab meiner Kräfte. Ich könnte jetzt anfangen, Gottes Wort zu relativieren. Und doch, ich möchte von diesen Zusagen nichts wegnehmen, sondern stelle mich vor Gott in der Erwartung, dass seine Zusicherungen Realität werden für mich. Ich nehme Gott in die Pflicht, mit dem was er uns allen verspricht, jeden Tag neu. Ich spreche und bete zu ihm: „Wenn Du, Gott, mir diese Zusagen gibst, dann möchte ich, dass diese auch in meinem Leben sichtbar werden! Dass ich am eigenen Leib erfahre, dass Deine Worte Wahrheit sind!“

Einen gesegneten Sonntag wünscht Ihnen Markus Hanke, Katholischer Gefängnisseelsorger in der JVA Bielefeld-Brackwede.

Wort zum Sonntag, Westfalen Blatt, 27. Juni 2020

Bildquelle: Pfarrbriefservice © Peter Weidemann

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