Was wirklich satt macht
An der Supermarktkasse ist viel Betrieb. Die Schlange reicht ein gutes Stück durch den Gang. Einkaufswagen stehen hintereinander, langsam rückt alles vor. Menschen warten.
Wer einen Moment hinschaut, kann etwas beobachten: Nach wenigen Sekunden greifen viele ganz automatisch zum Smartphone. Kurz prüfen, ob eine Nachricht gekommen ist. Vielleicht eine Schlagzeile überfliegen. Oder ein paar Sekunden durch Bilder und Meldungen scrollen.
Der kleine Moment des Wartens wird sofort gefüllt.
Solche Szenen lassen sich inzwischen an vielen Orten beobachten: an der Bushaltestelle, im Wartezimmer, auf dem Bahnsteig. Kaum entsteht ein kurzer freier Augenblick, wird er sofort genutzt, oder besser gesagt: gefüllt.
Unser Alltag ist dicht geworden. Nachrichten, Termine, Informationen, Bilder. Eine Meldung folgt auf die nächste, eine Aufgabe auf die andere.
Und doch drängt sich dabei eine Frage auf: Womit füllen wir eigentlich unsere Zeit? Und noch wichtiger: Was füllt eigentlich uns?
Mitten in der Fastenzeit lohnt es sich, dieser Frage noch einmal nachzugehen. Vielleicht hat man sich zu Beginn schon einmal gefragt, worum es in diesen Wochen eigentlich geht.
Gerade jetzt ist ein guter Zeitpunkt, sich das noch einmal bewusst zu machen.
Viele denken beim Fasten zuerst an Verzicht auf Süßigkeiten, Alkohol oder Rauchen.
Doch der eigentliche Sinn dieser Wochen liegt tiefer. Fasten soll Raum schaffen.
Wenn etwas wegfällt, merken wir plötzlich, wie selbstverständlich vieles geworden ist.
Und in diesem Raum kann sich auch etwas neu ausrichten: unser Blick auf das eigene Leben und auf Gott.
Genau dort taucht eine weitere Frage auf: Was nährt mich eigentlich wirklich? Was gibt meinem Leben Kraft und Halt?
Unser Leben erschöpft sich eben nicht nur in dem, was wir konsumieren oder erledigen.
Menschen brauchen mehr: Begegnung, Zeit füreinander, Momente der Stille. Und in solcher Stille kann sich etwas öffnen: die Begegnung mit Gott, der unser Leben trägt und ihm Richtung gibt.
Die Fastenzeit will uns deshalb helfen, wieder aufmerksamer zu werden. Sie lädt dazu ein, manches bewusst zur Seite zu legen und neu zu gewichten. Nicht um weniger zu leben, sondern um tiefer zu leben. Sie will uns auch stiller werden lassen, damit wir wieder wahrnehmen können, was unsere Seele wirklich nährt.
Es beginnt mit kleinen Schritten: in einem Moment der Stille und in der leisen Erfahrung, dass Gott unser Leben trägt und begleitet.
Autor: Vikar Markus Hanke