© Kozyr/Shutterstock.com
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Wort zum Sonntag

In regelmäßigen Abständen schreiben ehrenamtlich und hauptberuflich Mitarbeitende aus dem Dekanat für die Presse in Bielefeld und Lippe ein "Wort zum Sonntag". Den aktuellen und zuletzt erschienenen Beitrag finden Sie hier.

... in Bielefeld

Wenn das Glück leise wird

Mt 5, 1–12a Seligpreisungen – Bergpredigt

Wer heute durch Nachrichten scrollt, bekommt schnell den Eindruck: Glück ist laut. Erfolg misst sich in Zahlen, Stärke im Durchsetzungsvermögen, Anerkennung in Likes und Reichweite. Wer gewinnt, wer sich behauptet, wer sichtbar ist – der zählt. Und wer nicht mithalten kann, fällt leicht durchs Raster.

Mitten in diese Logik hinein spricht Jesus in der Bergpredigt, die wir in der katholischen Kirche am Sonntag hören, Worte, die bis heute irritieren.

Die sogenannten Seligpreisungen sind kein Moral-Regelwerk, keine Liste von „Du sollst“ und „Du darfst nicht“. Sie sind vielmehr eine Haltung zum Leben – ein Blick auf die Welt und auf uns Menschen.

Jesus sagt nicht: So müsst ihr sein, sonst seid ihr nichts wert.
Er sagt: Selig seid ihr.

Denn Gott schaut anders auf Erfolg, Glück und Stärke als wir Menschen. Während wir oft nach Leistung, Selbstoptimierung und Kontrolle fragen, sieht Gott das Herz.
Er sieht die, die zuhören, statt zu dominieren. Die, die mitfühlen, statt wegzusehen. Die, die Frieden stiften, statt zu hetzen.

Was in der Welt oft als schwach, erfolglos oder verloren gilt, ist für Gott kostbar. Die Trauernden, die Sanftmütigen, die Barmherzigen – sie stehen nicht auf den Titelseiten. Und doch sind sie es, die unsere Gesellschaft menschlich halten. Die im Kleinen Brücken bauen, Konflikte entschärfen, Hoffnung weitertragen.

Echtes Glück – dieses tiefe, tragende „selig sein“ – kommt nicht aus Macht, Besitz oder dem ständigen Durchsetzen der eigenen Interessen.
Es wächst aus Nähe. Nähe zu Gott. Nähe zu den Mitmenschen. Aus dem Wissen: Ich muss nicht perfekt sein, um geliebt zu werden.

Die Seligpreisungen drehen die Welt auf den Kopf. Es ist eine Einladung, anders hinzusehen – auf andere und auf uns selbst. Nicht die Lauten gewinnen, sondern die Liebenden. Nicht die Starken siegen, sondern die Treuen. Nicht die Erfolgreichen sind glücklich, sondern die, die sich Gott und dem Leben öffnen.

Vielleicht brauchen wir diese leisen Worte heute mehr denn je, denn sie erinnern uns daran: Unser Wert muss nicht bewiesen werden. Er ist uns längst zugesprochen. Wir müssen nur beginnen uns wirklich einander zu sehen.

Autorin: Adina Hollenhorst

... in Lippe

Hoffnung in kleinen Schritten

Im Januar rede ich schnell von Vorsätzen. Ich kenne den Moment, wenn nach zwei Wochen die Energie weg ist und die guten Ideen wie liegengebliebene Turnschuhe in der Ecke stehen.
Dann meldet sich diese Stimme in mir: „Siehst du? Wieder nicht geschafft.“

Seit dem Pilgerjahr der Hoffnung schaue ich milder darauf.
Für mich war es ein Startpunkt: weil die Hoffnung kleiner werden durfte – als nächster Schritt. Auch wenn dieses Pilgerjahr inzwischen offiziell abgeschlossen ist, darf weitergehen, was dort begonnen hat.

Die Bibel beschreibt den Glauben nicht als Selbstoptimierung, sondern als Weg. „Selig die Menschen, die Kraft finden in dir, die Pilgerwege im Herzen haben“ (Ps 84,6).

Das klingt für mich erstaunlich alltagstauglich. Ich darf unterwegs sein: gehen, stolpern, anhalten, sich stärken oder neu orientieren, weitergehen.

Wenn Vorsätze mich hart machen, dann war das vermutlich nicht Gottes Spur. Gott beginnt bei mir, so wie ich heute bin, mit meinen Grenzen, meinem Tempo und meiner Wirklichkeit. Mein Vorsatz ist oft kein mehr, sondern ein genug: ein Schritt, der heute möglich ist. Und ein Stoßgebet: Gott, gib mir die Kraft dafür.

Autor: Niklas Sonderkamp